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Berlin vertraulich!: Röttgen - einsam wie Napoleon nach Waterloo

Was haben Ex-Minister Röttgen und Napoleon gemeinsam? Lästermäuler in der CDU haben darauf eine klare - und für Röttgen wenig schmeichelhafte - Antwort.

Von Hans Peter Schütz

Vor zwei Jahren lästerte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt noch, Wolfgang Kubicki sei ein "Quartalsspinner", dem wohl "die Schweinegrippe aufs Gehirn geschlagen" habe. Ob Dobrindt das wiederholen würde? Vermutlich nicht. Nach der erfolgreichen Wahl in Schleswig-Holstein ist Kubicki - neben Christian Lindner - einer der Taktgeber der FDP. So gesehen ist ein Gespräch interessant, das letzthin in der FDP-Zentrale stattgefunden hat. Dabei riet Bundesminister Dirk Niebel, so ist zu hören, seinem Parteifreund Kubicki, er möge doch von der Kanzlerin den - inzwischen erfolgten - Rauswurf von Umweltminister Norbert Röttgen fordern. Daraufhin habe Kubicki unter heftigem Grinsen seiner Sitznachbarn geantwortet, er habe da eine bessere Idee. Er müsse eigentlich der Kanzlerin sagen: "Wir opfern Niebel und Sie opfern Röttgen." Besonders erheitert war darüber FDP-Chef Philipp Rösler wird berichtet. Niebels Reaktion ist nicht bekannt.

Viel Grund zu Fröhlichkeit hat Rösler derzeit bei den Liberalen ohnehin nicht. Denn es wird viel auch über ihn gelacht, was seiner Autorität als FDP-Chef nicht gerade dienlich ist. Gerne zitiert wird der Satz von FDP-Fraktionsboss Rainer Brüderle, der dieser Tage öffentlich gesagt hat: "Glaubwürdigkeit gewinnt man, indem man nicht wie Bambusrohre hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche. Deswegen ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr." Als "Eiche der FDP" gilt derzeit Brüderle - und als "Bambus" Rösler, der bei seinem Antritt als FDP-Chef den Bambus mit den Worten gelobt hatte, er wiege und biege sich im Wind, breche aber nicht. Ob sich das in seinem Fall bewahrheitet? Als sehr durchsetzungsfähig hat Rösler sich bisher nicht erwiesen.

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Die Kommentare in der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, die über Norbert Röttgen nach seinem Rauswurf als Umweltminister zu hören sind, zeichnen sich durch absolute Mitleidslosigkeit aus. Der härteste Satz über Röttgen lautet: "Der hat im Moment in der Union weniger Freunde als Napoleon nach der vernichtenden Schlacht von Waterloo." Wenn das zutrifft, braucht sich Röttgen auf ein Comeback keine Hoffnungen zu machen. Denn für Napoleon war Waterloo das Ende, er wurde anschließend auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.

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Dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer wurde bekanntlich auf seiner Facebook-Party vom bayerischen Piraten-Vorsitzenden Stefan Körner der Piraten-Migliedsausweis Nummer 1337 übereicht. Unterschrieben hat Seehofer das Dokument vorsichtshalber nicht, sondern versichert: "Ich bleibe der CSU treu." Er will den Ausweis aber behalten, denn man wisse ja nicht, wen man in zehn Jahren als Koalitionspartner vielleicht benötige.

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Doch es gibt eine zweite Verlockung, die Seehofer jetzt beim Blick auf die Piraten meistern muss: Die Mitgliedschaft bei den Piraten würde sich lohnen, weil sie viel, viel billiger ist als bei der CSU. "Pirat" Seehofer müsste jährlich 48 Euro abliefern. Als CSU-Mann werden ihm jährlich 6,5 Prozent seiner Dienstbezüge abgeknöpft. Macht mehr als 10.000 Euro. Billiger wär's also, und Seehofer dürfte sich auch schnell eingewöhnen. Schließlich hat sein Generalsekretär Dobrindt die Piraten schon als Protestpartei identifiziert. Und wenn einer Protest kann - dann Seehofer.

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Bundestagspräsident Norbert Lammert möchte offenbar, dass künftig im Bundestag mehr gelacht wird. Denn er hat jetzt zu einem "Workshop zum humorvollen Kommunizieren" eingeladen. Der Titel der Veranstaltung, zu der sich immerhin 18 Teilnehmer angemeldet haben, lautet "Das ist nicht Ihr Ernst" - ein Satz, der bei Plenardebatten häufiger zu hören ist. Aber schon lange nicht mehr als Reflex auf jenen "wohl dosierten Humor" verstanden wird, den Katrin Hansmeier vom Leipziger Deutschen Institut für Humor jetzt den Kursteilnehmern vermitteln soll.