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CSU-Querelen: Hat Stoiber ein Problem mit Frauen?

Beruflich hat das Jahr für CSU-Chef Edmund Stoiber mäßig begonnen. Kritikerin Gabriele Pauli gibt immer noch keine Ruhe, 60 Prozent der Bayern wollen ihn nicht mehr. Jetzt wirft Pauli ihm auch noch vor, er habe ein Problem mit Frauen.

Auch die innerparteilichen Humoristen zweifeln schon lange, in bester Herrenwitz-Manier, an dem gesunden Verhältnis Edmund Stoibers zum anderen Geschlecht: "Dem Edmund Stoiber ist im Bett eine dicke Akte lieber als eine blonde Nackte", soll Günter Beckstein, Stoiber-Loyalist und bayerischer Innenminister, dereinst gereimt haben, um Stoibers Arbeitswut zu illustrieren. Der Vorwurf, dem sich der CSU-Chef nun gegenüber sieht, hat jedoch ein anderes, ein ernsthaftes Kaliber: Gabriele Pauli, Landrätin in Fürth und Stoiber-Chef-Kritikerin, hat Stoiber ein Defizit im Umgang mit Frauen in der Politik vorgeworfen. Dies werde auch an seinem Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel deutlich. "Männer, die noch ein klassisches Rollenbild haben, können oft nicht verstehen, dass Frauen auf gleicher Ebene mit gleicher Kompetenz mitreden", sagte Pauli der "Berliner Zeitung." Die Landrätin dürfte darauf anspielen, dass Stoiber beständige Probleme nachgesagt werden, die Führungsrolle von Kanzlerin Merkel zu akzeptieren.

Parteispitze dringt auf schnelle Nominierung

Spätestens seit der Woche vor Weihnachten steckt Stoiber mitten in einer schweren Krise. Pauli hatte ihm vorgeworfen, sie bespitzeln zu lassen, um sie politisch mundtot zu machen. Stoiber hatte die Vorwürfe bestritten, aber seinen Büroleiter entlassen, der sich in einem Telefonat angeblich nach Paulis Privatleben erkundigt hatte. Pauli dringt nun darauf, dass die CSU ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 in einer Urwahl bestimmt, an der alle Parteimitglieder teilnehmen können. Die Parteispitze lehnt dies ab. Sie will Stoiber als Kandidaten bereits im Januar durchdrücken. Am kommenden Montag soll das Parteipräsidium ein Votum für Stoiber abgeben. Mitte Januar soll die Landtagsfraktion auf bei ihrer Winterklausur in Wildbad Kreuth Stoiber zum Frontmann für 2008 küren.

Söder lehnt Urwahl ab

CSU-Generalsekretär Markus Söder lehnte am Donnerstag die von Pauli geforderte Mitgliederbefragung erneut strikt ab. Das sei Aufgabe der Landtagsfraktion, sagte Söder im ZDF. Der Vorstoß Paulis sei kein basisdemokratisches Element, "sondern Teil einer Kampagne". Trotz des Vorhabens der CSU-Spitze, Stoiber rasch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 auszurufen, hält Pauli an ihrem Vorhaben fest. "Ich werde auf dem nächsten Kleinen Parteitag einen Antrag auf Mitgliederbefragung einbringen. Auch wenn sich die Fraktion dann schon geäußert hat, die Partei hat das letzte Wort", sagte sie. Als beste Ersatzkandidaten für Stoiber nannte Pauli erneut Bayerns Innenminister Günther Beckstein und Bundesagrarminister Horst Seehofer.

"Das wird nicht gelingen"

Im ZDF-"Morgenmagazin" wiederholte Pauli zudem ihre Vorwürfe, sie sei nicht die einzige gewesen, die durch Erkundigungen über ihr Privatleben eingeschüchtert worden sei. "Es sind auf mich Personen zugekommen, die sagen, sie haben es ähnlich erlebt." Diese würden sich jedoch nicht äußern, weil sie Angst hätten, ebenfalls unter Druck gesetzt zu werden. Stoibers Büroleiter Michael Höhenberger hatte vor Weihnachten sein Amt abgegeben, nachdem er sich bei einem Parteifreund eingehend über das Privatleben Paulis erkundigt hatte. CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann stellte sich hinter Stoiber. Er erwarte von der Klausurtagung in Wildbad Kreuth ein klares Votum der Fraktion, "dass wir unserem Ministerpräsidenten Rückendeckung geben", sagte er im ZDF. Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget bezeichnete die geplante rasche Ernennung Stoibers zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl dagegen als "Notoperation". "Wer souverän und stark wäre, würde sich einem Mitgliedervotum stellen", sagte er im ZDF. Die CSU-Regierung in Bayern sei jedoch schwach geworden und versuche daher ganz schnell, die Dinge aus der Welt zu schaffen. "Das wird nicht gelingen."

fgue mit DPA