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Hans-Peter Friedrich in den USA "Dem Tschännerell Alexander muss I wos sogn"


Im Namen der deutschen Bürger! Innenminister Friedrich reist in die USA, um sich die Lauscher von der NSA vorzuknöpfen. Wir ahnen schon, wie das Gespräch ablaufen wird. Eine Prophezeiung.
Von Lutz Kinkel

Cryptocity, Maryland. Vor der Tür des gigantischen, abhörsicheren und mit Spiegelglas verblendeten Bürokomplexes der NSA wartet der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Nach einer halben Stunde öffnet sich neben dem Haupteingang eine Seitentür. Zwei Agenten in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen treten heraus und winken Friedrich zu sich. Irritiert zeigt der Innenminister auf seine Reisegruppe. Doch die Agenten signalisieren ihm unmissverständlich: Er darf nur alleine ins Gebäude. Dort verbinden sie ihm die Augen und führen ihn über Umwege zu seinem Zielort: die Kantine. Ein kleiner Tisch vor den Besteckkästen. Dort sitzt bereits sein Gesprächspartner von der NSA.

Hans-Peter Friedrich

: Grüß Gott und Servus mitanand! Schön habt ihrs hier. Großer Parkplatz! Und die vielen…

Agent Smith

: Thank you, Hans-Peter, thank you.

Hans-Peter Friedrich

: Jo, haha, I wollt nur sogn, dass mir die Maderln in den Uniformen super gefolln, die schauen ja aus wie die Änschelina Scholie, des is a ganz großer Star in Bayern!

Agent Smith

: Thank you, Hans Peter.

Hans-Peter Friedrich

: Nu sogns amol: Wo is denn nu der Tschännerell Alexander? I muss dem wos sogn.

Agent Smith

: General Alexander is not avaible right now. You are authorised to talk to me.

Hans-Peter Friedrich

: Wos? I bin der deutsche Innenminister! I come from Bayern!

Agent Smith

: Exactly.

Hans-Peter Friedrich

[schon merklich kleinlauter]: Und wie hoaßn Sie? Und wos soll des jetzt mit der Sonnenbrilln, die's da aufhobn?

Agent Smith

: You are authorised to call me Smith, Agent Smith.

Hans-Peter Friedrich: Ja, des is aber…

Agent Smith

: Hans-Peter, my time is limited.

Hans-Peter Friedrich

: Und warum müss ma hier in der Kantine hockn? Tausend Leut rennen da rum. Des nervt mi! Hobt's ihr koan Konferenzraum net?

Agent Smith

: Safety reasons, Hans-Peter. Only safety reasons.

Hans-Peter Friedrich

: Jetz leck mi, wieder so aan Agententrick! A Hund san's scho, Mister Smith. Hahaha.

Agent Smith

: Thank you, Hans Peter. Get to the point.

Hans-Peter Friedrich

: Ja, also, ich soll hier wos vorlesn. So a Protestnotn, weil ihr jo alles ausspioniert in Deutschland.

Agent Smith

: We know the protest note already. Our answer is: All our activities are in harmony with the German law - as you know.

Hans-Peter Friedrich

[wütend]: Des is mir jetzt Wurscht! Des müssans jetzt anhörn, Herr Schmidt, jetzt sperrens mal die Lauscher auf. Und hörens auf zu essen. Ja wo bin I denn hier!

Agent Smith

: Talk to the hand.

Hans Peter Friedrich zieht die Protestnote raus und liest sie der Hand von Agent Smith vor. Er endet mit den Worten:

"… und so fordern wir unsere amerikanischen Freunde auf, die deutsche Verfassung zu achten, die Unverletzlichkeit der Privatsphäre und den deutschen Datenschutz."

Agent Smith [zieht sich eine Faser kaltes Roastbeef aus der Zahnlücke]: Thank you, Hans-Peter.

Hans-Peter Friedrich

: Jo aber wos nu? I muss was mit hoam bringen. A Statement from you oder irgendwas. Die Leut müssan wissn, dos I hier war und für sie kämpft hob! Ihr müssat mir scho wos gebn, I muss wos erzählen kenna, auch der Angie und dem Horst.

Agent Smith

: I can guarantee your chancellor two secret text messages per month.

Hans-Peter Friedrich

: Bittschön? Zwo Stückerl nur? Is des ois? Mir homm die Wahl dahoahm, die Elecktschons, des kennt ihr doch!

Agent Smith

: Your time is up, Hans-Peter. It was a pleasure talking to you. You are authorised to leave the building now.

Hans-Peter Friedrich

: Aber, des …

Agent Smith

: Now.

Die zwei Agenten, die Friedrich zur Kantine gebracht hatten, stehen plötzlich wieder am Tisch. Zögernd steht Hans-Peter Friedrich auf.

"I wos a net, was I noch sogn soll, des is …"

Agent Smith

: Pleasure, Hans-Peter. Pleasure.

Die Agenten bringen Friedrich, nachdem sie ihm wieder die Augen verbunden haben, über Umwege zum Ausgang. Kurz vor der Tür treten sie zur Seite. Friedrich strafft sich, setzt ein staatsmännisches Gesicht auf und geht hinaus. Auf dem riesigen Parkplatz vor dem NSA-Headquarter ist ein Rednerpult für den Innenminister aufgebaut. Friedrich winkt seine Delegation herbei, sie stellt sich hinter ihn. Vor dem Pult haben sich die Kameramänner von ARD und ZDF in Position gebracht.

Hans-Peter Friedrich rückt das Mikrofon zurecht:

"Meine Damen und Herren, ich bin heute mit hochrangigen Vertretern der NSA zusammengekommen, um das Thema Prism aufzuarbeiten. Die Gespräche waren äußerst konstruktiv. Das war nicht der Besuch eines Bittstellers, das war ein Besuch bei Freunden. Ein Gespräch auf Augenhöhe. Ich möchte betonen, dass die USA und Deutschland auf ganzer Linie miteinander kooperieren, um den Terror in der Welt zu bekämpfen. Das ist nicht selbstverständlich, und daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, allen Beteiligten zu danken. Mit den Antworten, die ich heute gehört habe, ist für mich die Angelegenheit vollständig geklärt. Die Amerikaner haben sich an deutsche Gesetze gehalten und werden das auch künftig tun. Daher kann ich Ihnen und uns nur den Rat geben: Glauben Sie nicht alles, was in der Presse steht."

Mitarbeit: Katharina Grimm, Dialektberatung: Susanne Schütz

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