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Hass-Tiraden gegen Israel: Auswärtiges Amt bestellt Irans Botschafter ein

Die Hasstiraden des iranischen Präsidenten haben ein diplomatisches Nachspiel. Der Zentralrat der Juden fordert derweil die europäischen Regierungen zu Sanktionen gegenüber dem Iran auf.

Nach anti-israelischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad hat das Auswärtige Amt in Berlin den Botschafter des Landes einbestellt. Dem Diplomat solle dargelegt werden, dass die Äußerungen nicht akzeptabel seien, sagte Außenamtssprecher Martin Jäger am Freitag. Jedem, der Israels Existenzrecht in Frage stelle, müsse auf Schärfste widersprochen werden. Auch in Österreich wurde der Botschafter einbestellt. Ahmadinedschad hatte in Mekka unter anderem das Ausmaß der Judenverfolgung während der Nazizeit geleugnet.

UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich "schockiert" über die Äußerungen. Erst im vergangenen Monat habe die UN-Vollversammlung eine Resolution angenommen, die sich gegen jede Leugnung des Holocaust wende, teilte Annan am Freitag in New York mit.

Spiegel fordert Konsequenzen von den Regierungen

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, rief die europäischen Regierungen dazu auf, Konsequenzen zu ziehen. "Sämtliche Möglichkeiten der politischen Einflussnahme, von politischen und wirtschaftlichen Sanktionen, bis hin zum Ausschluss aus den Vereinten Nationen müssen endlich ernsthaft geprüft und auch umgesetzt werden." Wer auf der weltpolitischen Bühne ernst genommen werden wolle, der müsse seinen Forderungen endlich auch Taten folgen lassen. Auch die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Renate Künast und Fritz Kuhn, reagierten mit Empörung auf die Äußerungen des Iraners.

Verlegung Israels nach Europa gefordert

Ahmadinedschads hatte während einer Pressekonferenz gesagt, er akzeptiere die Behauptung nicht, dass Adolf Hitler Millionen Juden getötet habe. "Einige europäische Länder pochen darauf, dass Hitler Millionen unschuldiger Juden in Öfen getötet hat, und sie pochen darauf so sehr, dass sie jeden verurteilen und ins Gefängnis werfen, der etwas Gegenteiliges beweist", erklärte er. "Wir akzeptieren diese Behauptung nicht. Aber wenn wir davon ausgehen, dass sie wahr ist, dann haben wir folgende Frage an die Europäer: ’Ist die Tötung unschuldiger jüdischer Menschen durch Hitler der Grund für eure Unterstützung für die Besatzer Jerusalems?’" Die Aussagen waren von der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna verbreitet worden.

Anschließend hatte Ahmadinedschad andere Staaten aufgefordert, Teile ihres Landes an die Juden abzugeben und damit einen zionistischen Staat in Europa zu ermöglichen. "Wenn die Europäer ehrlich sind, dann sollten sie einige ihrer Gebiete in Europa - zum Beispiel in Deutschland, Österreich oder anderen Ländern - den Zionisten geben, und dann können die Zionisten ihren Staat in Europa bilden. Bieten sie einen Teil Europas an, und wir werden das unterstützen." Der Zionismus war die jüdische Nationalbewegung, die zur Gründung des Staates Israel führte. Jerusalem gehört zu den heiligsten Städten des Islams und ist Hauptstadt Israels.

Erst vor wenigen Wochen hatte der iranische Staatschefs weltweit Empörung mit seiner Forderung ausgelöst, Israel von der Landkarte zu tilgen. Er war im Juni überraschend als Vertreter der erzkonservativen Strömung in das Präsidentenamt gewählt worden. Die religiöse Führung des Landes betrachtet Israel, das in Reichweite iranischer Raketen liegt, als Erzfeind.

DPA / DPA