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Nach dem Benzingipfel: Verbraucherschützer fordert Garantie für jedes Auto

Eine geplante "Info-Offensive" ist das Ergebnis des gestrigen Benzin-Gipfels. Doch die Kritik am Biosprit geht weiter; denn Verbraucherschützern geht das nicht weit genug. Sie wollen den Autobauern Versprechen abringen.

Die Kritik an den Ergebnissen des Benzingipfel zur Einführung des Bio-Sprits E10 hält an. Der Ausgang des Treffens sei enttäuschend, sagte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Gerd Billen, der "Bild"-Zeitung. Gebraucht werde eine Garantieerklärung der Hersteller für jeden Wagen. Der Chef des Bundesverbandes der freien Kfz-Händler, Ansgar Klein, sagte der Zeitung, seine Branche befürchte weiterhin Schäden durch E10, die erst mit erheblicher Verzögerung aufträten und an den Autofahrern und Gebrauchtwagenhändlern hängen blieben.

"E10 löst unsere Probleme nicht"

Regierung und Wirtschaft hatten am Dienstag beschlossen, trotz des Chaos bei der Einführung des E10-Benzins den Biosprit gemeinsam an der Zapfsäule durchsetzen zu wollen. Dazu sollen die verunsicherten Autofahrer direkt an den Tankstellen besser informiert werden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erklärte, die von den Autoproduzenten für E10 freigegebenen Fahrzeuge würden dies garantiert auch vertragen. Grüne und Umweltverbände forderten indes erneut ein Aus für den Biosprit, da er der Umwelt nicht helfe und Lebensmittel verteuere.

Grünen-Chef Cem Özdemir warf der Bundesregierung vor, ihre Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr auf den Biosprit E10 zu reduzieren. "E10 löst unsere Probleme nicht", kritisierte Özdemir im ZDF-"Morgenmagazin". Der Biokraftstoff E10 sei die uneffizienteste Weise, den CO2-Ausstoß zu verringern. Auch der Autoverkehr müsse seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten: "Dazu gehört ein Tempolimit, Elektromobilität, Hybridfahrzeuge und die Förderung des öffentlichen Verkehrs", sagte Özdemir. Am Dienstag hatten Regierung und Wirtschaft beschlossen, an dem umstrittenen Biosprit festzuhalten.

Vereinbarungen des Benzingipfel rasch umsetzen

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Einführung des E10-Benzins kritisiert. "Es ist überstürzt, überzogen und nicht ausreichend vorbereitet gehandelt worden", sagte Hundt dem "Flensburger Tageblatt". Er verwies darauf, dass die EU für die Einführung des umstrittenen Biosprits längere Zeit geplant habe als die Bundesregierung.

Zugleich äußerte Hundt "energiepolitische Zweifel" an der Einführung des E10-Benzins, das einen zehnprozentigen Ethanolanteil enthält. Die Bundesregierung erwecke den Eindruck eines "übereifrigen Musterschülers". "Eine solche forsche Gangart wünschte ich mir eher für andere Vorhaben", sagte Hundt.

Währenddessen hat Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Autohersteller aufgefordert, den Autofahrern nun schnell ausreichend Informationsmaterial über die Verträglichkeit von E10-Biosprit zur Verfügung zu stellen. Die Vereinbarungen des "Benzingipfels" müssten rasch umgesetzt werden, sagte Aigner in Berlin. "Wichtig ist jetzt, dass die Verbraucher verlässliche Angaben bekommen, und zwar sowohl vor Ort bei den Tankstellen als auch bei den Kfz-Werkstätten zum Beispiel oder über das Internet oder über eine Hotline".

Verständnis für den E10-Boykott mancher Autofahrer

Die Autofahrer könnten per Seriennummer oder Fahrzeugnummer feststellen, ob ihr Autohersteller verbindlich erklärt, dass das Auto den Sprit mit zehn Prozent Ethanol vertrage, sagte die Verbraucherministerin. Regierung, Wirtschaft und Verbände hatten sich am Dienstag darauf geeinigt, die Autofahrer besser über die Verträglichkeit von E10 aufzuklären. Alle Beteiligten halten aber an dem Biosprit fest.

Ein Aussetzen der weiteren Einführung war für Regierung, Wirtschaft und Verbraucherschützer nach Angaben der Ministerin kein Thema: "Eine Verschiebung wurde einhellig abgelehnt, weil man jetzt die Kommunikation forcieren muss und auch die Information forcieren muss", sagte die CSU-Politikerin. "Dazu haben sich alle Beteiligten, die anwesend waren, auch dringend verpflichtet, um beim Ziel erneuerbarer Energien voranzugehen."

Die Verbraucherministerin zeigte Verständnis für den bisherigen E10-Boykott mancher Autofahrer: "Ich würde mich genauso verhalten als Verbraucher, wenn ich nicht verbindlich weiß, ob mein Auto das verträgt oder nicht." Aigner fährt selbst einen Diesel, war aber nach eigenen Angaben immer auf dem neuesten Stand über die E10-Debatte.

ins/DPA / DPA