HOME

Nach Lafontaine-Rücktritt: Ost- und West-Linke bringen sich in Stellung

Wie geht es weiter nach dem Abgang von Oskar Lafontaine? Die Linke will die diese Führungsfrage schnellstmöglich klären. Das bewährte Modell der Doppelspitze findet dabei Befürworter in Ost und West - allerdings aus unterschiedlichen Motiven.

Nach dem Rückzug des Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine erklingt in der Partei vielfach der Ruf nach Beibehaltung der Doppelspitze aus Ost und West. Dafür sprachen sich in Interviews der Vize-Vorsitzende Klaus Ernst, Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow und Sachsens Landeschef Rico Gebhardt aus. Ursprünglich hatte die Partei die Doppelspitze mit dem im Mai anstehenden Parteitag eigentlich beenden wollen. Neben dem an Krebs erkrankten Lafontaine tritt auch der ins Europaparlament gewechselte Co-Vorsitzende Lothar Bisky nicht wieder an. Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi will heute mit den Landesvorsitzenden nach einer Lösung der Nachfolgefrage suchen.

Ernst warnt vor Machtkampf der Flügel

Ernst warnte in der "Frankfurter Rundschau" vor weiteren Flügelkämpfen und sagte: "Wir müssen jetzt keine neue Galionsfigur finden, sondern eine Führung, die in Ost und West akzeptiert ist und mit einer geschlossenen Partei und mit klarer Strategie weiter arbeitet." Zugleich bestand er auf der Vertretung der West-Verbände in der Doppelspitze - eine Position für die der Bayer selbst in der Partei gehandelt wird. Es sei "auch im Führungspersonal deutlich zu machen, dass wir keine Ost-Partei sind", forderte er in der Münchner Zeitung "tz".

Ramelow verlangte in den "Ruhr Nachrichten", einen der beiden Spitzenposten an eine Frau zu vergeben. Erneut schlug er dafür Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, Fraktionsvize Gesine Lötzsch und die Parlamentarische Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann vor. Sachsen-Chef Gebhardt brachte in der "Leipziger Volkszeitung" neben Ernst auch dessen Vize-Kollegin Katja Kipping ins Gespräch.

Weg für Rot-Rot-Grün frei?

Der niedersächsische Landesvorsitzende Dieter Dehm dagegen sprach sich für Bundestagsfraktionschef Gysi als alleinigen Parteichef aus. "Gysi kann wie kein anderer zwischen Ost und West vermitteln, ebenso zwischen dem gemäßigten und radikalen Flügel der Partei", erklärte er in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Gebhardt widersprach dem mit Hinweis auf Gysis gesundheitliche Probleme. "Er hat mit der Organisation der Bundestagsfraktion auch bisher schon genug zu tun", sagte er weiter.

Gebhardt sieht auch gestiegene Chancen für eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit auf Bundesebene. Lafontaine sei nur ein von der SPD vorgeschobener Hinderungsgrund gewesen. "Jetzt kommt es vielmehr darauf an, wie sich Linke und SPD positionieren. Und da sehe ich Bewegung auf beiden Seiten." Die SPD brauche die Linke als eine von mehreren Bündnisoptionen, um auf Dauer überleben zu können. Parteivize Halina Wawzynik sprach sich für eine intensive Debatte über solche Bündnisse aus. Es gehe darum, "ob gesellschaftliche Mehrheiten gegen Schwarz-Gelb organisiert werden können", sagte sie der "Berliner Zeitung".

DPA / DPA