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NPD: Bieder, brav und brandgefährlich

Ihre Repräsentanten geben sich bürgerlich und volksnah. Nun aber zeigte die NPD im Sächsischen Landtag, wie sie wirklich ist: antisemitisch, system- und ausländerfeindlich.

Die Schweigeminute für alle Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft hat er mit seinen Kameraden draußen verstreichen lassen. Aus Protest. Dann sind sie wieder einmarschiert, und er hat sich ans Rednerpult gestellt, die Füße parallel, ganz gerade, ganz stramm. Hat von "alliiertem Bombenterror" gesprochen und davon, dass die Massenmörder anglo-amerikanischer Gangsterpolitik auch heute keine Skrupel kennen. Hat hasserfüllte Sätze intoniert: "Offensichtlich sind auch wir die Einzigen, die heute noch gegen Kriegstreiber ..." - hasserfüllte, grelle, grellgermanische Sätze. Da hat ihm der Landtagspräsident das Mikrofon abgedreht. Doch er, der Herr Apfel, er hörte einfach nicht auf. Redete, nein, schrie, nein, kreischte sich weiter die Babybäckchen rot. Weil seine Anhänger von der Tribüne Begeisterung johlten! Weil die verhassten Demokraten reihenweise abrückten! Weil dies hier die Bühne, die Arena seines öffentlichen Triumphes werden sollte - die achte Sitzung des Sächsischen Landtages.

Seit September 2004

sitzt Fraktionschef Holger Apfel mit elf Nationalen auf grünen Sesseln und spielt Demokrat. Seit September 2004 suhlen sich die zwölf NPDler mit ihren 17 Mitarbeitern im Entsetzen der Republik. Beschwören die 9,2 Prozent der Sachsenwahl als Fanal des Aufbruchs. Predigen den Beginn des Marsches auf Berlin. Glauben und beteuern, dass endlich, endlich die Deutschen wieder richtig deutsch sein wollen. Dass das "System" abgewickelt wird. Dass die Neger und Asylbetrüger verschwinden. Dass diese ganze verdammte "Verausländerung" gestoppt wird. Das Wort "Verausländerung" mögen die NPDler sehr. "Ganze Städte verausländern", sagen sie, die Verausländerung mache sie wütend. Einige von ihnen haben sich früher einmal auch die Junge Union angeschaut, in Nordrhein-Westfalen oder Bayern. National und gegen Ausländer waren die da auch - aber die wollten das System nicht überwinden. Das aber will die NPD unbedingt.

Rechtsextremisten wie der Herr Apfel sind dumm und grobschlächtig, ungebildet, spießig oder wütende Wendeverlierer - in diesem bequemen Sessel, gut gepolstert mit Arroganz und Häme, haben sich die Demokraten der anderen Parteien in den vergangenen Jahren ausgeruht. Doch die Ergebnisse der Wahlen in Sachsen und im Saarland, wo die NPD im September vier Prozent holte, zeichnen ein anderes Bild. In Ost wie West haben sich die Rechtsextremisten fest in den Kommunen verwurzelt - in Feuerwehr, Sport-vereinen und Kegelklubs und vor allem und am schlimmsten: in den Köpfen vieler Wähler. Sich angeekelt abzuwenden reicht schon lange nicht mehr, denn die Rechten sind weiter. DVU und NPD wärmen sich inzwischen vereint am politischen Lagerfeuer. Sie sind angetreten, um die Demokratie mit den Demokratie-eigenen Waffen zu schlagen - mit dem Schwert der Parlamentsreden und der Machete der Meinungsfreiheit und immer verborgen hinter dem schützenden Schild des Grundgesetzes.

Es ist eine merkwürdige Truppe

, die sich da morgens im gläsernen Kasten der Landtagskantine zum Frühstück trifft. Sie bewegen sich locker - betont locker. Sie lachen - laut und mit Ausrufezeichen. Sie gefallen sich, sie, die Heroen der völkischen Bewegung, sie, diese Mitglieder des historischen Kaders, das angetreten ist zur nationalrevolutionären Rettung des Vaterlandes und der deutschen Rasse. Doch erst einmal köpfen sie das Frühstücksei.

Der aus dem Rheinland stammende Fraktionschef Holger Apfel mit hellem Anzug und kleinen Äuglein, der sächsische Abgeordnete Uwe Leichsenring mit dunklem Anzug, strammem Seitenscheitel und roten Flecken im Gesicht, Sekretärin Susann Starke, sehr blond und rankschlank, der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Stratege Karl Richter mit Lederweste und silberner Nickelbrille, und immer in unmittelbarer Nähe dieser kurzgeschorene stille Herr mit Tattoo am Kopf und Zwirbelbart am Mund. Er ist fürs Papierschreddern zuständig und der gehorsame Lakai von Fraktionsgeschäftsführer Peter Marx, dem Einpeitscher, dem Treiber.

"In Sachsen werden jetzt Initiativen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus gefördert. Aus Steuermitteln! Zur Bekämpfung der NPD. Das halte ich für unglaublich, das ist illegal, die Leute machen sich strafbar, wenn sie das tun. Die müssen damit rechnen, dass sie dafür irgendwann zur Verantwortung gezogen werden. Der Tag wird kommen, an dem den Kartellparteien die Rechnung präsentiert wird, das prophezeie ich," sagt Peter Marx, Fraktionsgeschäftsführer.

Peter Marx ist ein bisschen

klein gewachsen, und wie so viele kleine Männer macht sich der kleine Herr Marx gern ein bisschen größer. Deshalb mag er es, sich ordentlich zu plustern. Deshalb liebt er es, in den Augen seiner Feinde die Angst zu sehen. Deshalb bemüht er sich, diese Angst zu schüren. Zurzeit kostet das allerdings keine allzu große Mühe. Seit Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt erst im zweiten Durchgang gewählt wurde, weil zwei - vermutlich aus den Reihen der Regierungskoalition - den NPD-Kandidaten wählten, seit auch bei der Wahl zum Ausländerbeauftragten zwei von der demokratischen Fahne gingen, seit bei der Wahl zum Landesjugendausschuss gleich fünf Nicht-NPDler die NPD-Kandidatin unterstützten und spätestens seit dem Skandal der Vorwoche - seither muss Peter Marx wahrlich nicht viel tun, um für echte, nackte Panik zu sorgen.

Ein bisschen was tut er dafür aber trotzdem gern. Ein ums andere Mal zeigt er den goldenen Schlüsselanhänger, den er immer in seiner Tasche trägt - in der Mitte prangt der Reichstag in Schwarz-Rot-Gold. Diesen Anhänger will Herr Marx den Mitgliedern der "NPD-Arbeitsgruppe Reichstag" schenken - zur Motivation für die Bundestagswahl 2006. Nun ja, die Zeiten ändern sich eben schneller, als es manchen lieb ist. Gestern noch die Parias, die das Bundesverfassungsgericht ins politische Nirwana urteilen sollte, heute schon mit schwarzen Landtagsmappen unterm Arm. Gestern noch belächelt als ewig gestrig, heute schon mit Spendengeldern und Wahlkampfkostenhilfe für die Zukunft ausgestattet. Gestern noch verlacht, heute schon gefürchtet.

Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Herr Marx und lächelt sanft. Wir haben unsere Leute in vielen Ministerien geparkt, sagt Herr Marx und faltet seine Hände. Wir sind gut über die Interna der anderen Fraktionen unterrichtet, sagt Herr Marx und fasst sich an die großen Ohren. Wir nutzen die Mittel des parlamentarischen Systems, um unsere Kader auszubilden, sagt Herr Marx und feixt innerlich weiter und zupft am Knie der grauen Hose und lehnt sich entspannt zurück. Er isst am liebsten deftigen Saumagen. Er ist nun mal auch ein Pfälzer mit großem Bauch. Den streichelt er sich gern.

Es ist nicht zu übersehen - zurzeit ist der kleine Herr Marx ungeheuer entspannt. Aus dem ganzen Bundesgebiet ist die nationale Elite nach Dresden gezogen, um diesmal wirklich ernst zu machen. Als eines der fähigsten unter seinen fähigen Truppenmitgliedern gilt Herrn Marx der nickelbebrillte Karl Richter, der gerade eifrig an einer "NPD-Denkfabrik" im Landtag bastelt. Der vor allem nicht nur studiert ist, sondern dem "BRD-System" ein Schnippchen geschlagen hat, über das selbst der Führer in seinen letzten Bunkertagen noch geschmunzelt hätte. Richter hatte sich beim Filmteam des Mammutwerkes "Der Untergang" beworben und tatsächlich die Rolle des Adjutanten von Generalfeldmarschall Keitel ergattert. Zum Filmstart erfreute er dann die nationale Szene mit einer launigen Beschreibung seines Wirkens in der rechtsextremen Zeitschrift "Nation & Europa".

Besonders die Anprobe der Uniform mit Eisernem Kreuz amüsiert die Szene bis heute prächtig. "Heben Sie mal den rechten Arm", hatte die "rotbackige" Kostümbildnerin befohlen. "Mach ich", hatte Karl Richter später süffisant geschrieben. Was hatten er und seine Kameraden ein Späßchen an diesem Hitlergruß! Der Nazi als Nazi in den großen Kinos der Welt. "Der Film gefällt mir. Endlich werden auch mal die anderen Opfer der Geschichte gewürdigt", sagt Richter. Die Stimmung in Deutschland drehe sich allmählich. Das sehe man an den Vertriebenengeschichten, an der Multikulti-Debatte, an diesem ganzen neuen Selbstbewusstsein der deutschen Patrioten.

"Im Alter wird mancher weise. Jetzt sagt auch Altkanzler Helmut Schmidt, dass die Gastarbeiterpolitik ein Fehler war, und die CDU entdeckt plötzlich ihre deutschen Gefühle. Das bringt mich zum Kotzen. Bis vor kurzem wurden wir noch dafür verprügelt, wenn wir genau das den Menschen gesagt haben. Aber die Kehrtwende wird den Systemparteien nichts nutzen. Das wird den Menschen nur zeigen, dass wir, die NPD, das Original sind. Wir werden die Einzigen sein, die bei dieser Debatte gewinnen", sagt Andreas Molau, Redakteur bei "Deutsche Stimme".

Vor gar nicht allzu langer

Zeit, da war Andreas Molau noch Lehrer an einer Waldorfschule in Braunschweig. Da gingen seine beiden Kinder noch auf eben diese Schule. Da hatte Andreas Molau noch Angst, sein Arbeitgeber könnte hinter seine rechtsextreme Gesinnung kommen. Heute sitzt er in einem kahlen Büro im Gewerbegebiet von Riesa und ist Märtyrer. Bitterer Märtyrer. Weil die geschockten Waldorf-Eltern und Kollegen seine Kinder von der Schule warfen. Weil er sich noch enger an den nährenden Busen der Partei drückte. Seit zwei Monaten arbeitet er als Redakteur der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme". Er hat keine Angst mehr. Er hat Wut.

Einmal im Monat erscheint die "Deutsche Stimme" mit einer Auflage von 12 000 Stück. Unter der Redaktion liegen die Verkaufsräume eines Devotionalienhandels für beliebte Accessoires der Szene. CDs mit Titeln wie "Stoppt die Roten", "Soldaten, Helden, Vaterland" und "Hits mit Witz", ein großes Messer in lederner Scheide, Fahnen, Poster und Pullover, auf denen gern die 88 prangt. Die 8 steht für "H", den achten Buchstaben des Alphabets, acht plus acht gleich 88 gleich Heil Hitler - beliebtes Rechenspiel der Neonazis. Und auf der Theke bettelt eine Sammeldose um Spenden für die NPD.

Andreas Molau mag die martialische Neonazi-Mode nicht. Er sieht sich mehr als sentimentalen Lagerfeuertyp, der Lieder zur Gitarre singt: "Wir rütteln an allen Türen, ein jeder soll Deutschland spüren. Wir werden die Berge berennen, bis überall Feuer brennen. Was ist aus uns Jungen geworden - ein stürmender Schwerterorden" - solche Liedertexte haben ihn fasziniert, als er mit 16 Jahren zur Jugendorganisation der NPD stieß und sein sozialdemokratisches Elternhaus geistig für immer verließ.

Er trägt ein blaues Kordhemd und redet leise. Sanft. Milde. Isst am liebsten Salat und keine kleinen Kinder. Hört außer dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennicke besonders gern Reinhard Mey. Fühlt sich politisch verfolgt, gejagt, um die Existenz gebracht - weil in diesem Lande einfach keine Auseinandersetzung stattfinde mit seiner Ideologie, mit sei-nen Befreiungsfantasien, seinen Träumen vom großen, stolzen Deutschland, vom neuen großdeutschen Reich. An der Waldorfschule hat Molau Deutsch und Politik unterrichtet. Und Geschichte. Einmal, erzählt er, kam ein Vater zu ihm und fragte: "Behandeln Sie in Ihrem Unterricht auch diese Sache mit den Juden?" Und er antwortete: "Ja, das ist Thema, weil das obligatorisch ist." Da sagte der Vater: "Nein, ich meine diese Tatsache, dass die Juden uns immer am Gängelband führen, dass wir immer erpresst werden von denen." Andreas Molau kann viele solcher Geschichten erzählen. Er findet, diese Geschichten beweisen, dass viele denken wie er, auch wenn sie bisher nicht die NPD wählen. Bisher.

Es sind Leute wie Andreas Molau

, die die heutige NPD so unheimlich machen. Es sind diese Leute, die so gar nicht passen zu den stumpfen, besoffenen Skinheads, die bisher das Bild der rechtsextremen Szene prägten. Es sind diese Leute, die genau analysieren und detaillierte Strategien entwickeln: Wie macht man aus realsozialistischen PDS-Wählern nationalsozialistische NPD-Wähler? Wie erobert man die Kommunen? Wie bringt man den Rechtsextremismus zum Volk, ohne als verfassungsfeindlich verurteilt zu werden? Der NPD-Kampf um Straßen, Köpfe und Parlamente bewegt sich auf einem schmalen Grat, doch Leute wie Molau haben lange geübt, schwindelfrei zu balancieren.

"Die rechte Bewegung steht generell für eine andere Gesellschaftsform. Deshalb bringen auch Gespräche mit anderen demokratischen Institutionen nichts. Es wird nie einen Konsens geben. Wenn man nationaler Sozialist ist, dann ist die Gesinnung schlicht nicht zu vereinen mit der Demokratie. Ich kenne viele NPDler seit Jahren, auch höhere wie den Leichsenring. Die sind nicht weichgespült. Die denken genau wie ich. Wir wollen ein anderes Land", sagt Thomas Rackow, NPD-Mitglied.

Sächsische Schweiz, südlich von Dresden. Herzallerliebste Landschaft - freie Felder, wohlige Hügel, gemächliche Elbe, die eisvogelfarben aus Richtung Tschechien glitzert. Nirgends sonst im ganzen Land hat die NPD so hohe Ergebnisse erzielt wie in dieser liebreizenden Modellbahnlandschaft. Nirgends sonst glauben so viele Menschen der NPD-Propaganda wie in diesem von Gott geküssten Idyll.

Die bekannten Erklärungsversuche für extremes Wahlverhalten treffen hier nicht zu: Die Arbeitslosigkeit ist nicht höher, die Wahlbeteiligung nicht niedriger, und trotzdem tanzen die Menschen Stehblues mit den Rechtsextremen - seit Jahren schon. 23,1 Prozent in Reinhardtsdorf-Schöna, 18,3 Prozent in Hohnstein, 17,9 Prozent in Rathmannsdorf. "Die Menschen hier sind eben heimatverbunden", sagt Thomas Rackow. Er ist 26 Jahre alt und froh, seit einem Monat, seit er seine Arbeit als Kfz-Mechaniker in Bayern verlor, wieder zurück in seinem geliebten nationalen Heimatdorf Struppen zu sein. Mit den Jugendlichen im Westen konnte er nichts anfangen. Discogänger. Wollten nur Spaß, und sonst ging ihnen alles am Arsch vorbei. Rackow ist Wehrsportfan. Wandern, singen, Natur - das ist seine Welt. Kürzlich hat ihn wieder der Staatsschutz im Hause seines Vaters besucht. Zum vierten Mal. Standen am Tor, drängten sich durch den schmalen Kellereingang in seine winzige, mit Kiefernholz ausgekleidete Bude, sein Reich.

Aus toten Steinaugen glotzt Adolf Hitler auf den Schreibtisch. An den Wänden hängen Fotos von SS-Kampfverbänden, über dem Bett das Bild "Der letzte Kämpfer": Ein deutscher Soldat kauert auf dem fast versunkenen Schiff und reckt die Reichskriegsflagge gegen den feindlichen Zerstörer. "Ich mag das Bild. Der Soldat hat ausgeharrt, bis er abgeholt wurde", sagt Thomas Rackow. Von wem bloß? Ihn jedenfalls holt keiner mehr ab - Thomas Rackow ist für die Demokratie verloren. Er fühlt keine Wut, er fühlt wohlüberlegten, kalten, zielgerichteten Hass. 2003 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung - als Rädelsführer der inzwischen verbotenen Schlägertruppe "Skinheads Sächsische Schweiz", als Schuldiger für schweren Landfriedensbruch, Nötigung, Körperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Er selbst sagt: "Meine Freunde und ich haben nur unsere Freizeit nach den eigenen Vorstellungen gestaltet." Er ist kein Außenseiter hier. Er ist mittendrin. Er ist der gute Junge von nebenan, der als Erster zur Schippe griff, als die Heimat in den Wasserfluten versank. Solche Geschichten vergessen die Leute von Struppen nicht.

Die SSS-Jungs trafen sich gern in dem alten Schuppen, den Vater Klaus Rackow zum Getränkehandel ausgebaut hatte, bevor er Pleite ging. Vater Rackow sitzt inzwischen für die NPD im Gemeinderat von Struppen. "Ausländer sollte man konsequent aussondern. Mein Sohn drückt sich da vielleicht ein bisschen weniger labil aus, aber eigentlich sind wir einer Meinung", sagt Vater Rackow. Wenn er mit seinem ein bisschen bissigen Dalmatiner in den Feldern spazieren geht, trägt er Armeehose und Schirmmütze, auf der in Grün und Lila die Werbeaufschrift "Kleiner Feigling" prangt.

Als sein Sohn mit Glatze, Maske, SSS-Bomberjacke und über 100 Mann auszog, um die Heimat von Ausländern und Linken zu säubern, achtete Vater Rackow vor allem darauf, dass sein Junge nicht "das Gesetz an den Hals bekommt". Als sein Sohn dann doch das Gesetz an den Hals bekam, zehn Monate vor Gericht saß und sich für brutale Überfälle, die systematische Computererfassung der erkorenen Feinde und ein Trainingsprogramm für Übergriffe auf Einzelpersonen und die Erstürmung von Gebäuden verantworten musste, erregte sich Vater Rackow vor allem über dieses undemokratische System. "Das war ein Schauprozess. Die wollten ein Exempel statuieren, um in Zukunft noch besser politisch Andersdenkende verfolgen zu können", sagt Vater Rackow. Auch er ist verloren.

Vor sechs Jahren wurde Thomas Rackow

Mitglied der SSS. Seither sorgte er mit seinen Kameraden auf NPD-Veranstaltungen für Ordnung. Seither ist er Mitglied der NPD. Heute Morgen hat er auf der Tribüne des Landtages gesessen und sich die parlamentarischen Spielchen angeschaut. Er hat auch schon mal angefragt, ob er in der Fraktion mitarbeiten könne. Sein guter Freund, der Abgeordnete Uwe Leichsenring, hat seine SSS-Jungs doch noch nie im Stich gelassen. Bisher aber gibt es noch keinen Job. Thomas Rackow wird also erst einmal mit seinem Vater und den anderen NPDlern das Denkmal für die Struppener Gefallenen der beiden Weltkriege pflegen. Wird sich erst einmal weiter mit seinen im Geiste der Hitler Jugend gestalteten Homepages beschäftigen. Wird erst einmal weiter warten auf das Ende dieser Vasallenrepublik, auf ein neues Deutsches Reich.

"Wir müssen diese jungen Menschen in unsere Mitte holen und sie resozialisieren, das ist doch ein sehr sozialpädagogischer Ansatz. Wir müssen ihre Kräfte umleiten und ihnen sagen: Dein Gegner ist nicht der Ausländer, der dir den Arbeitsplatz wegnimmt, sondern der Politiker, der ihm das ermöglicht. Diese jungen Menschen sind wichtig für unseren Parteinachwuchs. Sie haben nichts zu verlieren und können die gesellschaftliche Ausgrenzung und die Repressalien des Staates locker wegstecken", sagt Udo Voigt, Parteivorsitzender der NPD.

Gitter. Sicherheitstüren. Stacheldraht. Videolinse im Spion. Die NPD-Parteizentrale in Berlin-Köpenick ist gesichert wie ein Bunker im Feindesland. Die unteren Chargen tragen schwarze Hosen zu schwarzen Sweatshirts mit der Aufschrift "NPD - Die Nationalen", Udo Voigt trägt Krawatte im V-Ausschnitt und ein kühles Blau in den Augen. Neulich hat ihn der Drucker angerufen. Die Postwurfsendungen für die 36 Millionen Haushalte Deutschlands werden fünf Tonnen wiegen und einen Güterwaggon füllen. Zehn Monate wird der Drucker daran arbeiten, bis die Parteidiener die Werbebroschüren für die Bundestagswahl unters Volk bringen können. "Wir schaffen das schon. Wir sind ja jetzt viele. Und zum Platzen motiviert", sagt Herr Voigt.

Sein Schreibtisch steht

sehr nah an der Tür, weil das Zimmer eigentlich zu klein ist für den gebührenden Abstand zu den drei Fahnen in seinem Rücken - die Deutschland-Fahne, die Lorbeer-umkränzte NPD-Fahne, die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reiches. Herr Voigt macht keinen Hehl aus seinen Absichten. Er bezeichnet sich als "Nationalrevolutionär" - und Revolution ist nun einmal etwas anderes als Evolution, nicht wahr. Revolution beinhaltet, dass der Umsturz schnell geht, verdammt schnell. Aber natürlich ehrt und achtet Herr Voigt das Grundgesetz. Das versichert er. Immer wieder.

Er isst gern Steak und liebt die Volksmusik. Ein ganz normaler Deutscher eben. Er hat nichts gegen einschlägig vorbestrafte Mitglieder im Parteivorstand, denn gerade in einer Demokratie widerspräche es doch der Würde des Menschen, wenn man Geläuterte nicht wieder in die Gemeinschaft aufnähme. Und wenn seine Landtagskandidaten in Schleswig-Holstein Linke auf offener Straße zusammenschlagen, so ist das im Jargon seiner Partei nicht mehr als eine "Abwehrmaßnahme". Nein, Herr Voigt fühlt keine Angst mehr vor Parteiverbot. Im Gegenteil, in letzter Zeit fühlt er häufig und ausgiebig Freude - besonders wegen des Schulungszentrums, das gerade im Hinterhof seines Bunkers entsteht. Herr Voigt hat ein Faible für Schulungen. Bis in die 90er Jahre hinein hat er im norditalienischen Iseo Hunderte NPD-Hoffnungsträger in Sachen Basisarbeit, Staatskunde und Argumentation unterrichtet. "Die meisten sitzen heute in führenden Positionen", sagt er.

Seit der Sachsenwahl läuft die nationale Sache ziemlich rund. Im sächsischen Landtag haben sie als erste Maßnahme Rhetorik-Drill verabreicht, um sich ja nicht zu blamieren. Diesmal muss es einfach klappen. Sachsen soll alle national Gesinnten Deutschlands aufrütteln, sie wie ein Blitz durchfahren, sie Mitgliedsanträge stellen und Spendengelder lockermachen lassen! Zurzeit führt Herr Voigt viele Gespräche. Es gibt mehr und mehr, die sich Plätze auf den Wahllisten sichern wollen - für Schleswig-Holstein, für Nordrhein-Westfalen, für Berlin, das Herz dieser verhassten Republik.

Herr Voigt weiss,

dass das bisherige Klischee vom bösen, ekelhaften Rechtsextremisten seiner Partei nützt. Die Leute treffen seine Kameraden und denken sich: Mensch, so ekelhaft ist der doch gar nicht. Der ist doch Arzt und kann gut reden! Der ist doch Fahrlehrer und hat gute Manieren! Der ist doch Bauer und trägt einen schicken Anzug! Diese Überraschungen öffnen Türen. Diese Überraschungen führen dazu, dass die Menschen nicht mehr glauben, dass die NPD den Untergang ihres beschaulichen, deutschen, kleinen Lebens will. Darauf setzt Herr Voigt. Daran glaubt er fest.

An seiner Wand hängt eine "Adolf-Gedenk-Marke für besondere Verdienste für das Vaterland" und die sauber gerahmte "Geschichte einer besonderen Flagge": die Flagge des Kaiserreiches, die Flagge der Weimarer Republik und die Flagge des Dritten Reiches. Herr Voigt hat eben einen kleinen Flaggen-Tick. Die Hakenkreuze in den Erläuterungsbildern zu Hitlers Fahne sind selbstverständlich nur angedeutet, und Herr Voigt sagt: "Wir wollen uns nicht immer mit dem Vergangenen beschäftigen. Wir sind die Partei der Zukunft."

Franziska Reich
Mitarbeit: Dieter Krause

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.