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Pkw-Maut in Deutschland: Ramsauer hält Autobahn-Vignette für unausweichlich

Österreich, Polen, Frankreich, die Schweiz - in vielen unserer Nachbarländer kostet das Fahren auf Schnellstraßen Geld. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hält eine Pkw-Maut in Deutschland für notwendig. Konkrete Preisvorstellungen hat er auch schon.

:Mehr als 20 europäische Staaten bitten Autofahrer für die Benutzung von Autobahnen, Brücken oder Tunnels zur Kasse. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hält auch in Deutschland eine Pkw-Maut für denkbar - zum Beispiel als Jahresvignette für 76,50 Euro wie in Österreich.

Die Einführung einer Pkw-Maut in Deutschland ist nach Ansicht von Ramsauer unvermeidlich. "Alles spricht dafür", sagte er am Sonntag im ARD-"Bericht aus Berlin". Der Zustand des Straßennetzes sei teilweise verheerend. "Ein wesentlicher Ausweg ist die PKW-Maut." Die Maut sei auch sinnvoll, "um ausländische Autofahrer an der Finanzierung unserer Straßenkosten zu beteiligen", sagte Ramsauer. Die CSU werde auf ihrem Parteitag in wenigen Tagen eine Maut-Einführung fordern und er werde sich anschließend innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen.

Eine Entscheidung bis zum Jahr 2013 schloss der Minister nicht aus: "Erst müssen wir in der Koalitionsführung eine Grundsatzentscheidung treffen, dann werde ich verschiedene Modelle vorstellen, die ich in der Schublade habe." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich allerdings wiederholt gegen die Einführung einer Pkw-Maut in dieser Legislaturperiode ausgesprochen. In Europa gibt es unterschiedliche Maut-Abrechnungssysteme.

Vignette oder Mauthäuschen

Bei einem System mit Vignetten zahlen Autofahrer einen Pauschalbetrag für die Straßennutzung - neben Österreich zum Beispiel in Bulgarien, Rumänien, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien sowie in Tschechien und Ungarn. Viele Länder bieten neben Jahresgebühren auch kostengünstigere Wochen- oder Monats-Vignetten an. Nur die Schweiz erhebt immer eine Pauschalgebühr von 31,50 Euro. Die Jahresgebühren in anderen Staaten sind unterschiedlich hoch - von 28 Euro in Rumänien bis hin zu 148 Euro in Ungarn. Bei Ländern ohne Euro kommen Wechselkursschwankungen hinzu.

In anderen europäischen Ländern wird nur die tatsächlich gefahrene Strecke abgerechnet. In kleinen Tollhäuschen oder an Mautstationen wird beim Einfahren oder Verlassen von Autobahnen oder Schnellstraßen abkassiert. Die Gebühr für das Ticket berechnet sich nach den zurückgelegten Kilometern. Solche Systeme gibt es unter anderem in Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Mazedonien, Polen, Portugal, Serbien und Spanien.

Verstöße sind meist teuer

In einigen Ländern, die generell Maut-frei sind, wird nur an bestimmten Orten eine Gebühr fällig, z.B. beim der Fahrt über Brücken, durch Tunnel oder in Innenstädten mit hoher Verkehrsdichte. In Norwegen gibt es 140 solcher Mautstationen. Auf dem Weg zwischen Kopenhagen (Dänemark) und Malmö (Schweden) kostet zum Beispiel die Nutzung der Öresund-Brücke Maut. Auch einige Tunnel in den Alpen sind gebührenpflichtig.

Verstöße gegen die Maut-Regelungen können meist teuer werden. In der Slowakei ist beispielsweise eine Strafe bis zum Zehnfachen des Jahresvignetten-Preises möglich: 500 Euro. Slowenien kann bis zu 800 Euro kassieren, wenn Autofahrer nicht sofort 150 Euro Bußgeld zahlen. Auch Österreich versteht bei Mautprellern keinen Spaß. Hier wird eine Ersatzmaut von 120 Euro fällig. Zahlt ein Autofahrer nicht sofort, können Bußgelder mindestens 300 Euro kosten. Die Schweiz verlangt den Preis einer Jahresvignette und 70 Euro zusätzlich.

ono/AFP/DPA / DPA