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Röttgens Nachfolger: Gauck ernennt Altmaier zum Bundesumweltminister

Die Kanzlerin wirkt wie versteinert: Bei der Entlassung ihres bei der NRW-Wahl gescheiterten Umweltministers Röttgen zeigt sie kaum eine Regung. Nachfolger Altmaier muss dicke Bretter bohren.

Eine Woche nach dem Rauswurf von Umweltminister Norbert Röttgen hat sein Nachfolger Peter Altmaier seine Ernennungsurkunde erhalten. Bundespräsident Joachim Gauck verabschiedete Röttgen am Dienstag in seinem Amtssitz Schloss Bellevue in Berlin mit viel Lob für dessen Verdienste. Kanzlerin Angela Merkel, die kurz zuvor von einer USA-Reise zurückgekehrt war, verfolgte die Zeremonie ohne große Regung. Zum Schluss gab es für Röttgen einen kurzen und für ihren Vertrauten Altmaier einen innigen Händedruck Merkels.

Gauck dankte Röttgen für dessen Jahrzehnte langes politisches Engagement und seinen Einsatz für das politische Gemeinwesen: "Ich wünsche mir, dass Sie das auch künftig tun können." Merkel hatte Röttgen nach dem Wahldesaster der CDU in Nordrhein-Westfalen überraschend entlassen, weil sie ihm nach Darstellung aus der Union die Umsetzung der Energiewende als eines der wichtigsten schwarz-gelben Projekte nicht mehr zutraute. Röttgen wurde von seiner Frau Ebba begleitet und bemühte sich, während der Rede Gaucks Haltung zu bewahren. Gelegentlich zeigte er ein Lächeln.

Gauck nannte den Ministerwechsel einen Ausdruck der Demokratie. Dort gelte: "Verantwortung ist Verantwortung auf Zeit." Er bescheinigte Röttgen, dieser habe sich mit seinem Einsatz für den weltweiten Klimaschutz einen Namen gemacht und Forschung sowie die Nutzung erneuerbarer Energien leidenschaftlich vorangetrieben. "Früher als andere haben Sie erkannt, dass es Zeit für die Energiewende ist. Dafür sind wir dankbar." Röttgen habe zudem Bewegung in die Suche nach einem Endlager für Atommüll gebracht.

"Ihre geistige Kraft wird Ihnen dabei helfen"

Röttgen, der Bundestagsabgeordneter und zumindest vorerst auch stellvertretender CDU-Vorsitzender bleiben will, erwiderte: "Herzlichen Dank für ihre Worte. Danke Ihnen sehr."

Gauck wünschte Altmaier viel Erfolg bei der Umsetzung der Energiewende. "Das Wort vom Bohren dicker Bretter traf selten so deutlich zu wie in diesem Zusammenhang", sagte der Bundespräsident. Für Wissenschaft und Technik, Wirtschaft und Gesellschaft bringe das Vorhaben national wie auf europäischer Ebene immense Herausforderungen. "Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen gemeinsam handeln, um das gesetzte Ziel zu erreichen."

Angesichts des weltweiten Aufstiegs neuer großer Volkswirtschaften "brauchen wir umso dringlicher ein verbindliches, globales Klimaabkommen", forderte Gauck. Die Bürger wünschten sich hier Fortschritte. Zu Altmaier sagte er: "Ihre geistige Kraft und ihre innere Ruhe, die viele an Ihnen schätzen, werden Ihnen dabei helfen."

Altmaier hat im Umweltbereich bisher wenig Erfahrung

Altmaier hat im Umweltbereich bisher wenig Erfahrung – eine Einarbeitungszeit bleibt ihm angesichts der vielen Baustellen kaum. Bereits am Mittwoch nimmt der neue Minister am Treffen Merkels mit den 16 Ministerpräsidenten zur Umsetzung von Atomausstieg und Energiewende im Kanzleramt teil. Der bisherige parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion ist der siebte Bundesumweltminister. Die Hauptaufgabe des 53-Jährigen liegt in der Umsetzung von Energiewende und Atomausstieg.

Der interne Stabswechsel im Bundesumweltministerium war für den Mittag geplant, am Abend wollte Altmaier bei einer Windenergie-Konferenz in Berlin bereits seine erste Ministerrede halten.

jar/DPA/AFP / DPA