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Wieder Pöbeleien gegen Flüchtlinge: NPD-Anhänger stören Einwohnerversammlung in Tröglitz

Durch NPD-Hetze gegen Flüchtlinge und den ehrenamtlichen Bürgermeister kam Tröglitz in die Schlagzeilen. Drei Wochen später wollen viele Bewohner etwas ändern. Doch die Rechten pöbeln weiter.

Die Stadt Tröglitz versucht gegen Rechts mobil zu machen - bisher mit eher mäßigem Erfolg

Die Stadt Tröglitz versucht gegen Rechts mobil zu machen - bisher mit eher mäßigem Erfolg

Nach den NPD-geführten Protesten gegen ein Asylbewerberheim formiert sich in Tröglitz im Süden Sachsen-Anhalts eine Bürgerinitiative. Sie soll für ein herzliches Willkommen der 40 Flüchtlinge werben, die Ende Mai in dem kleinen Ort erwartet werden.

Bei einer Einwohnerversammlung am Dienstagabend seien knapp 100 Unterschriften und 20 konkrete Hilfsangebote zusammengekommen, sagte Mitorganisator und Gemeindepfarrer Matthias Keilholz. Auch der zurückgetretene ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth unterstützt die Initiative "Miteinander füreinander". Er hatte sein Amt Anfang März niedergelegt, weil er sich von Politik und Verwaltung nicht ausreichend unterstützt und geschützt vor rechtsextremen Anfeindungen fühlte.

Auch NPD-Mitglieder im Saal

Rund 500 Menschen aus Tröglitz und Umgebung kamen in einem Tröglitzer Kulturhaus zusammen, um über das geplante Asylbewerberheim zu sprechen. Eingeladen hatte der zuständige Landrat Götz Ulrich (CDU) zusammen mit weiteren Kommunalpolitikern. Viele der Anwesenden warfen Ulrich vor, erst Monate nach den ersten Gerüchten offiziell zu einer Infoveranstaltung zu dem Bewerberheim eingeladen zu haben.

Ulrich räumte ein: "Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben." Er habe aus dem Fall Tröglitz gelernt und denke über frühere Möglichkeiten der Information nach.

Unter den Wortführern des Abends waren auch jene NPD-Mitglieder, die in den vergangenen Wochen jeden Sonntag zu Demos gegen das Asylbewerberheim aufgerufen hatten - darunter Steffen Thiel. Trotz aller Debatten blieb es am Abend friedlich.

"Warum so viel Geld für Asylanten?"

Dennoch gab es auch bei der Einwohnerversammlung Wiederstand gegen die geplante Aufnahme der Flüchtlinge. "Warum geben wir für die Asylanten so viel Geld aus? Was soll die Scheiße? Für uns selbst wird nichts ausgegeben", meldete sich beispielsweise laut "Spiegel Online" ein Einwohner zu Wort.

Auch als ein älterer Bewohner daran erinnerte, dass es in Tröglitz nach dem Zweiten Weltkrieg 1600 Flüchtlinge bei 4600 Einwohnern gab, kommt es zu Zwischenrufen: "Aber das waren Deutsche", hieß es aus der Ecke des NPD-Funktionärs Steffen Thiel. Rund 30 Anhänger hatte er an dem Abend versammelt. Er selbst fragte: "Wer wird da vor wem geschützt? Die Bürger vor den Asylbewerbern oder die Asylbewerber vor den Bürgern?"

Einen "Aufstand der Anständigen", wie ihn Ex-Bürgermeister Nierth bei seinem Rücktritt gefordert hat, gab es an diesem Abend nicht. "Das ist leider das Bild auch im Ort, eine pöbelnde Minderheit, die die Stimmung prägt", sagte der ehemalige Bürgermeister. Schon ab Mitte Mai sollen die ersten Flüchtlinge nach Tröglitz kommen. Dabei handele es sich überwiegend um Familien.

and/DPA / DPA
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