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Kommentar

Verfrühter Abgesang auf Schulz: Hundert Euro auf Martin - wer hält dagegen?

Jetzt wissen natürlich schon wieder alle: Für Martin Schulz und die SPD ist die Bundestagswahl gelaufen. Ich sage: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht - wetten!

Martin Schulz steht am Tag nach der NRW-Pleite in Berlin Rede und Antwort

Martin Schulz und die SPD haben schon bessere Tage gesehen. Aber warum soll sich das Blatt nicht binnen vier Monaten noch einmal wenden können?

Am Tag der Eisheiligen Sophia ("Kalte Sophie"), gleich nach dem schwarzen NRW-Sonntag wissen natürlich schon wieder alle: Die Wahl ist gelaufen. Die, die in viereinhalb Monaten kommt. Die Merkel-gegen-Martin-Wahl. Die Bundestagswahl am 24. September.

Schulz habe nun keine Chance mehr gegen die beinerne Kanzlerin, heißt es. Er werde ebenso schmachvoll untergehen wie seine beiden Vorgänger, wie Steinmeier und Steinbrück. Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, sein Roß, das trug ihn fort geschwind. Er werde nun seinen Mantel noch so oft und gerecht mit den Armen des Landes teilen können - es werde bei der Bundestagswahl Ende September nicht reichen. Nicht für Martin Schulz, nicht für die SPD.

Mal 'ne Frage:

Woher wissen die das?

Vielleicht gibt es kurz vor der Wahl eine zweite "Halleluja"-Welle für Martin Schulz

Der Brexit kommt nie, so doof sind die Engländer nicht! Trump wird niemals Präsident! Die Türken in Deutschland votieren niemals für Erdogans Präsidialdiktatur! Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Und irren ist männlich.

Warum soll sich das Blatt nicht binnen vier Monaten noch einmal wenden können? Warum sollen die Wähler nicht im Bund anders wählen als in Düsseldorf, Kiel und Saarbrücken? Warum sollte die Lust des Wählers am "Halleluja" und "Kreuziget ihn!" bereits vorbei sein? Vielleicht gibt es kurz vor der Wahl eine zweite "Halleluja"-Welle für Martin Schulz. Irgendeinen Hype, den ein Satz oder eine lustige Krawatte auslöst, oder ein frecher Ton gegen Donald Trump. Möglicherweise setzt sich die griffige Zeile eines Juso-Poeten als Sound des Sommers durch. Vielleicht gibt der Martin ein tolles Interview mit seiner Frau in der "Bunte", das sowohl symbiotisch verheirateten Wählerinnen wie auch den Gerade-Geschiedenen Tränen der Rührung in die Augen treibt: "Martin Schulz - das Liebesbekenntnis". Erst weinen, dann das X bei SPD machen. Alles ist möglich.


Am Ende kommt noch raus, dass die bildungspolitische Sprecherin der FDP ihr Kind lieber auf ein Elite-Internat gesteckt hat als auf ein normales Gymnasium. Kann doch sein, dass die Leute das verärgert und doch lieber Schulz statt Lindner wählen lässt. Wer weiß.

Schröder war auch schon abgeschrieben - dann kam die Flut

Schließlich, um auch einmal eine Prognose für die Zukunft aus den Gewissheiten der Vergangenheit abzuleiten: Wie sicher waren wir uns im Sommer 2002, dass Edmund Stoiber von der CSU den amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder von der SPD aus dem Amt scheuchen würde! Und dann kam einen Monat vor der Wahl die Flut. Schröder hatte Gummistiefel parat und stapfte zu den Abgesoffenen an die Elbe. Stoiber glotzte tatenlos. Schröder hat dann bekanntlich auf den letzten Metern die Wahl gewonnen. So kann's gehen.

Vielleicht wächst ja in den Wählern irgendwann auch die Erkenntnis, dass sie eben nicht nur Angela Merkel, die Ewigkanzlerin, wählen, wenn sie ihr Kreuzchen bei der CDU machen. Sondern auch den großmäuligen CDU-Sprecher Peter Tauber. Und den großleibigen Kanzleramtsminister Peter Altmaier. Dass sie dem großkotzigen Fraktionschef Volker Kauder zum Triumph verhelfen und der Groß-Mutter Ursula von der Leyen (Sieben Kinder, 180.000 Rekruten). Huch, die wollte ich aber gar nicht!

Die Wahl ist noch nicht entschieden

Was ich sagen will: Der Drops ist noch lange nicht gelutscht. Und die Wahl im September noch lange nicht entschieden. Die Wähler haben Spaß daran gefunden, "die da oben" zu verunsichern, zu überraschen. Sie wollen unberechenbar sein, unplanbar und spontan. Tun wir also nicht so, als wüssten wir hellseherisch um die Entscheidungen der Zukunft. Stellen wir uns lieber auf Surprises ein.

Es gibt da unter Wirtschaftsleuten und Anlegern den Spruch "Put the Money where the Mouth is" - lass' Deinen Worten Taten folgen. Hier also: Ich wette 100 Euro (für einen guten Zweck), dass Schulz die Bundestagswahl nicht verliert.

Wer hält dagegen?