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Landtagswahl in Bayern: Söders geschickte Zurückhaltung: Wie der Verlierer am Ende der große Gewinner sein könnte

Absolute Mehrheit weg, Ergebnis historisch schlecht: Die Wähler in Bayern haben die CSU mächtig abgestraft. Markus Söder wird dennoch Ministerpräsident bleiben - und am Ende womöglich sogar noch belohnt werden.

Ministerpräsident Markus Söder

Ministerpräsident Markus Söder

DPA

Das Jahr 2018 begann gut für Markus Söder: Im März wählte ihn der Landtag nach einem erbitterten CSU-internen Machtkampf als Nachfolger von Horst Seehofer zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten. Seit der 38-Prozent-Pleite bei der Bundestagswahl im September 2017 hatte Söder am Stuhl seines ewigen Rivalen gesägt, um ihn mindestens aus der Staatskanzlei zu vertreiben. Nun hatte er sein großes Ziel erreicht. Vielleicht hätte Söder, wenn er es darauf angelegt hätte, Seehofer damals auch den Parteivorsitz entreißen können. Hat er aber nicht. Und das zahlt sich jetzt aus.

Seehofer ist Söders Blitzableiter

Wäre Söder nicht nur Ministerpräsident und Spitzenkandidat der CSU, sondern auch noch deren Vorsitzender geworden, könnte er die Hauptschuld am historisch schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl am Sonntag kaum glaubhaft von sich weisen. So aber dient ihm Seehofer als Blitzableiter für innerparteiliche Kritik. Zwar haben sich beide nach der 37,2-Prozent-Watschn bislang nicht an Personaldiskussionen beteiligt. Söder wich Journalistenfragen nach der Verantwortung von Seehofer aus. Und der CSU-Chef bekräftigte am Montag seine Position vom Wahlabend: "Ich führe auch heute keine Personaldiskussion über mich." Gleichwohl machte Seehofer deutlich, dass er keine Diskussion abwürgen wolle. "Ich stehe für jede Debatte zur Verfügung", sagte der Bundesinnenminister vor der CSU-Vorstandssitzung.

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Auf dieser zeigte sich denn auch, dass Söder nach dem Wahldebakel weiterhin fest im Sattel sitzt - auch mangels personeller Alternativen. Seine Ankündigung, trotz der erheblichen Verluste als Regierungschef weitermachen zu wollen, wurde mit starkem Applaus quittiert. Anschließend nominierte ihn der Parteivorstand einstimmig für das Ministerpräsidentenamt auch in der neuen Legislaturperiode.

Mit derlei Begeisterung kann Host Seehofer nicht rechnen - zumindest nicht an der Parteibasis. Dort machten 70 bis 80 Prozent der CSU-Anhänger den 69-Jährigen für den dramatischen Absturz verantwortlich, heißt es. Und auch 65 Prozent der bayerischen Wähler meinen laut einer Befragung der Forschungsgruppe Wahlen vom Sonntag, Seehofer habe dem Abschneiden geschadet. Nicht einmal an den anstehenden Koalitionsverhandlungen soll der Parteichef nun teilnehmen. Der Bundesinnenminister selbst sagte dazu, dies sei auch wegen seiner Verpflichtungen in Berlin nicht möglich.

Für Seehofer könnte es noch eng werden

Zurücktreten vom Amt des CSU-Vorsitzenden will Seehofer nicht. Sollte das Scherbengericht in München aber zu dem Schluss kommen, die Hauptverantwortung für das Desaster liege an dem verheerenden Bild, das die Große Koalition in Berlin abgibt, könnte es für den Parteichef doch noch eng werden. Für den Fall eines Wechsels an der CSU-Spitze machte der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer schon mal klar, wer dann zum Zug kommen müsste. Nach seiner Erfahrung und Gesamteinschätzung der Lage könne sich Söder nicht den Parteivorsitz nehmen lassen, sagte Ramsauer im Deutschlandfunk. "Da muss er selbst zugreifen, wenn sich diese Situation stellen sollte."

Dann wäre Söder seinen Dauerrivalen endgültig los und das Jahr, dass so gut für den 51-jährigen Franken begann, würde für ihn ungeachtet - oder gerade wegen - der Wahlpleite auf dem Gipfel der Macht in Bayern enden. Hatte Söder das alles von Anfang an so durchdacht? Unmöglich ist das nicht. Schon lange heißt es über den Juristen, er habe seine Karriere penibel geplant. Und wer Wegebegleiter des vierfachen Vaters - auch aus anderen politischen Lagern - nach dessen besonderer Stärke fragt, der hört oft folgendes: "Söder beherrscht wie kaum ein anderer die Klaviatur aus Provokation, Ehrgeiz und Blick in die Zukunft."

mit DPA/AFP