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#PorscheGate Nach Vorwurf der Klüngelei mit Lindner: Jetzt rudert auch Porsche-Chef Oliver Blume zurück

Porsche-Chef Oliver Blume
Porsche-Chef Oliver Blume muss seine eigenen Aussagen korrigieren.
© Sebastian Gollnow/dpa
Neue Wendung im sogenannten Porschegate: Jetzt will Porsche-Chef Oliver Blume selbst plötzlich keinen engen Kontakt mehr zu Lindner gehabt haben. Er habe schlicht "falsche Worte gewählt".

Hat Finanzminister Christian Linder mit Porsche-Chef Oliver Blume geklüngelt, sich von den Autobauern zum Büttel machen lassen? Die Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen hochkochten, haben es in sich. Die ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" hatte am Dienstag mit der Veröffentlichung von angeblichen Aussagen Blumes auf einer internen Betriebssitzung den Stein ins Rollen gebracht. Danach brannte, wie man so schön sagt, nicht nur im FDP-Lager die Hütte. Die Netzwelt quittierte die Vorwürfe auf Twitter umgehend mit den Hashtags #PorscheGate und #lindnerruecktritt. Schnell hagelte es Dementis. Nun ruderte auch Blume zurück.

Die Aussagen von Blume, die in den vergangenen Tagen die Runde machten, waren brisant. Demnach soll er Ende Juni vor seinen Mitarbeitern davon gesprochen haben, dass das Unternehmen "einen sehr großen Anteil daran [habe], dass die E-Fuels in den Koalitionsvertrag eingeflossen sind. Da sind wir ein Haupttreiber gewesen, mit ganz engem Kontakt mit den Koalitionsparteien." "Fast stündlich" habe Lindner ihn über die Koalitionsverhandlungen auf dem Laufenden gehalten. Sätze, die eine Nähe zwischen Politik und Wirtschaft suggerieren, die nach Einflussnahme riechen.

Porschegate: Dementis von allen Seiten

Die FDP reagierte schnell, wies die Vorwürfe einer engen Zusammenarbeit zwischen Lindner und Blume zurück. Es habe "im Oktober 2021 lediglich ein kurzes Telefonat zwischen Herrn Blume und Herrn Lindner zu Fragen der Verwendung von E-Fuels" gegeben, teilte der Sprecher der FDP am Samstag mit. Solche Gespräche hätten auch die übrigen Verhandler der Koalitionspartner geführt, was angesichts der Bedeutung der deutschen Automobilindustrie auch richtig sei.

Das ZDF jedenfalls hatte mitgeteilt, Belege für die Aussagen Blumes zu haben. Was die Frage aufwarf, ob der Porsche-Chef möglicherweise seine Kontakte in die Politik aufgebauscht, seinen Einfluss vor den Mitarbeitern größer gemacht hatte, als er ist. Selbst ein Porsche-Sprecher erklärte bereits am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur, dass es den fraglichen Austausch "so nicht gegeben" habe.

Porsche-Chef Blume: "Habe falsche Worte gewählt"

Am Samstag legte das Unternehmen sogar noch einmal nach. "Im Rahmen einer internen Veranstaltung im Juni ist überspitzt formuliert worden, dafür entschuldigen wir uns", so ein Sprecher. "Die Wortwahl entspricht nicht den Tatsachen. Der Austausch hat so nicht stattgefunden und es gab keine Einflussnahme." Zur genauen Wortwahl von Blume machte der Sprecher keine Angaben. Nach Tagen des Aufruhrs meldete sich Blume nun endlich selbst in der "Bild am Sonntag" zu Wort. Er sagte, er habe bei einer internen Veranstaltung "falsche Worte gewählt". Dadurch sei ein "falscher Eindruck" entstanden. "Das tut mir leid."

Ende Juni hatte es innerhalb der Ampel-Koalition Streit über ein Verbot für die Neuzulassung von Verbrennerautos ab 2035 auf EU-Ebene gegeben. Lindner hatte die Verbotspläne abgelehnt. Vor dieser Entscheidung, so teilte die FDP mit,  habe es "keinerlei Kontakt in der Sache mit Herrn Blume" gegeben.

Ob die Sache damit gegessen ist? Die Linke im Bundestag warnte angesichts der Berichte vor einer Gefährdung der Demokratie. "Es kann nicht sein, dass der Porsche-Chef augenscheinlich besser über den Stand der Koalitionsverhandlungen informiert wurde als der Rest der Bevölkerung. Das wäre eine weitere Aushöhlung der Demokratie", sagte der Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte der "Welt am Sonntag". "Die Sache hat mindestens ein 'Geschmäckle'." Und eine Sprecherin der Transparenz-Organisation Lobby Control, Christina Deckwirth, sagte der Zeitung: "Es ist hochproblematisch, wenn es bei Koalitionsverhandlungen Sonderzugänge für große finanzstarke Konzerne gibt."

tpo / mit Agenturen

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