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Europas Medien über US-Wahl "Donald Trump wird keine Apokalypse sein"

Donald Trump hält die Daumen hoch - Europas Presse fürchtet sein Sieg bei der US-Wahl
Donald Trump gibt sich notorisch optimistisch: Europas Zeitungen fürchten seinen Sieg bei der US-Wahl am Dienstag.
© Michael Reynolds/DPA
Das Rennen um das Weiße Haus ist auf der Zielgeraden. Vor allem ein möglicher Erfolg von Donald Trump wird in Europa gefürchtet. So äußern sich die meisten Kommentatoren europäischer Blätter sehr besorgt - mit einer Ausnahme. Eine Presseschau.

Donald Trump oder Hillary Clinton? Wer macht das Rennen ums Weiße Haus. Europa schaut mit Argusaugen auf die US-Wahl. Die Sympathien liegen klar bei Hillary Clinton, ein Sieg des unberechenbaren Republikaners Donald Trump gilt den meisten Kommentatoren als politische Katastrophe. Europäische Einschätzungen am Tag vor der Wahl um den derzeit mächtigsten Posten der Welt.

"Berliner Zeitung", Deutschland: "Düstere Zeiten - auch ohne Donald Trump"

"Für (den) Niedergang ließen sich viele Gründe nennen, von der amerikanischen Konfliktkultur über die soziale Spaltung und den Rassismus bis hin zu den Verlustängsten weißer Männer, die sich in einer multi-ethnischen und multi-religiösen, sich stetig globalisierenden Umwelt verloren fühlen. Klar ist nur: Am Zustand der US-Gesellschaft wird sich nichts ändern, egal, wie die Wahlen ausgehen. Auf absehbare Zeit dürfte das Land politisch gelähmt sein, wenn nicht gar Schlimmeres passiert. Einige nationalistische Milizen füllen schon ihre Waffenarsenale auf. Kurzum: Selbst ohne Donald Trump erwarten uns düstere Zeiten in Amerika."

"The Times", Großbritannien: "Von der Wahl hängt enorm viel ab"

(...) Trump kein normaler Kandidat. Seine persönlichen Vorstellungen rangieren zwischen Spaltung und Angriff. Einiges davon hätte man vor einigen Jahren noch abtun können als Träumereien von jemandem, der nie wirklich ein öffentliches Amt anstrebt. Doch manche seiner eigenartigen Vorstellungen - darunter ein Einreiseverbot für Muslime und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko - waren zentrale Themen seiner Wahlkampagne. (...)  Die Amerikaner müssen nun eine Entscheidung treffen und es fällt schwer, sie darum zu beneiden. Wenn Clinton gewinnt, wird man sagen, sie haben sich für die sicherere Wahl entscheiden und alles wird dann ungefähr so weitergehen wie bisher. Sollte Trump gewinnen, würde alles sehr viel anders werden. Von der Entscheidung am Dienstag hängt enorm viel ab."

"El Mundo", Spanien: "Dramatische Folgen"

"International würde absolute Ungewissheit ausbrechen. Man würde dann nur hoffen können, dass die Präsidentenberater ihn (Trump) von voreiligen Entscheidungen abhalten. Wie etwa den Beginn eines Handelskrieges gegen China oder der Ausarbeitung neuer strategischer Allianzen, die zu einer Annäherung an Putins Russland und zu einer Distanzierung von den traditionellen Alliierten der USA sowie von der Politik der Nato führen könnten. Die dramatischste Konsequenz wäre allerdings die Gefahr, dass sein Modell in Teilen der Welt als Vorbild genommen wird, in denen die Ursachen, die zu Trumps steilen Aufstieg geführt haben, besorgniserregende Parallelen aufweisen."

Europas Medien über US-Wahl: "Donald Trump wird keine Apokalypse sein"

"Neue Zürcher Zeitung", Schweiz: "Trump eine Art Putinist"

"So unterschiedlich die Persönlichkeiten, so verschieden ist deren Programm. Die Kandidatin der Demokraten steht für Kontinuität. Sie denkt und politisiert in der Tradition, die in der Nachkriegsordnung von 1945 verankert ist: Die USA verstehen sich als globale Führungsmacht... Liberale Demokratie, Menschenrechte, Freihandel, Privatwirtschaft sind Kernelemente dieses Programms; die Frontstellung gegen Diktatoren und Totalitarismen jeder Art ergibt sich automatisch daraus. (...) Donald Trump würde mit dieser Tradition brechen. Als Isolationist erhebt er keinen weltanschaulichen Führungsanspruch für die USA, handelspolitisch ist er Protektionist, von Menschenrechten hält er wenig, die Nato ist keine Wertegemeinschaft, sondern ein Geschäftsmodell. Und er ist eher Putinist als glühender Anhänger der liberalen Demokratie. So würde eine Wahl von Trump den Bruch mit einer politischen Kontinuität in der US-Politik bedeuten, die über 70 Jahre lang die Welt geprägt hat."

"L'Opinion", Frankreich: "Amerika ist krank"

"Die Botschaft des amerikanischen Volkes, das für das Duell Trump-Clinton gesorgt hat (...), ist klar: Amerika ist krank, sein Volk ist sauer auf seine Anführer, auf all die politischen und wirtschaftlichen Eliten. Es hat Angst. Vor dem Abstieg, der massiven Einwanderung, dem Verlust seiner Traditionen, seiner Werte. Dabei geht es Amerika in den wirtschaftlichen und sozialen Statistiken gut: die Arbeitslosigkeit nahe den historischen Tiefstständen, das Wachstum zurück auf in Europa ungekannten Höhen. Vor 25 Jahren hatte Bill Clinton mit seinem berühmten Slogan "It's the economy, stupid" George Bush eine fatale Debatte über die Wirtschaft und das Soziale aufgezwungen (...). Diesmal geht es nicht um die Wirtschaftskraft, sondern um all das, was sich auf das Alltagsleben und auf das innere Gefühl bezieht, dass dieses Land sich auflöst: It's the real life, stupid."

"Sydsvenskan": Trump - eine Katastrophe fürs Klima

"Trump könnte diese Woche zum 45. Präsidenten der USA gewählt werden - eine Katastrophe in vielerlei Hinsicht. Ein Klima-Leugner im Weißen Haus dürfte ein tödlicher Schlag für die internationalen Anstrengungen gegen den Treibhauseffekt sein. Ohne involvierte und engagierte USA dürften die Bemühungen, die Erderwärmung zu begrenzen, zum Scheitern verurteilt sein. Erstens stehen die USA für einen großen Teil der Emissionen, zweitens werden mehrere Länder das Klimaziel infrage stellen, wenn es die amerikanische Wirtschaft nicht länger beeinflusst. Darüber hinaus sind die USA ein wichtiges Vorbild für die Welt, auch in diesem Bereich, und könnten eine treibende Kraft für mehr grüne Technologie sein."

Europas Medien über US-Wahl: "Donald Trump wird keine Apokalypse sein"

"La Stampa", Italien: "Trump wäre keine Apokalypse"

"Würde seine Präsidentschaft wirklich so destabilisierend sein, wie viele befürchten? Die Person des Präsidenten der Vereinigten Staaten und die Menge der Interessen, die sie zum Ausdruck bringt, wirken sich zwangsläufig auf die Politik und ihr Krisenmanagement aus, mit beträchtlichen Konsequenzen für den Rest der Welt. Dennoch darf man das nicht überbewerten. (...) Der Präsident ist kein Einzelgänger: Die von der Verfassung vorgegebene Gewaltenteilung begrenzt sein Handeln; die Staats- und Verwaltungsstrukturen festigen seine Funktion und Qualität; geben Optionen vor, zwischen denen er wählen kann, wobei sie wenig Raum für Improvisation lassen; das Gleichgewicht im Kongress zwingt ihn zu ständiger Verhandlung (und es ist nicht gesagt, dass Trump dort bequem mit einer Mehrheit rechnen kann)."

"Neatkariga Rita Avize", Lettland: "Wahl der kleineren Übels"

"Bis zur US-Präsidentschaftswahl bleibt nur noch ein Tag. Doch kann man vorerst nur eins vorhersagen - in das Weiße Haus wird eine Person einziehen, die einen der geringsten Vertrauensvorschüsse in der bisherigen Geschichte des Landes haben wird. Die Amerikaner (außer natürlich die unverbesserlichen Unterstützer von Hillary Clinton oder Donald Trump) stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung, weil sie faktisch das kleinere Übel wählen müssen. Entweder stimmen sie für einen reichen Mann ohne politische Erfahrung, der nicht in der Lage ist, seine Zunge zu kontrollieren. Oder für die lästigste Vertreterin der politischen Elite, die viele so satt haben."

"Pravda", Slowakei: "Abstoßender Wahlkampf"

"Das Establishment der Republikaner hat so lange mit dem Feuer des Extremismus gespielt, bis es ihm in Gestalt von Donald Trump aus den Händen entglitten ist. Das demokratische Establishment wiederum hielt sich so lange an sein "Business as usual", bis es nun im letzten Moment nichts anderes mehr zu bieten hat als den entsetzten Slogan: "Entweder Hillary oder das Chaos!" Dieser Slogan ist zwar richtig, ändert aber nichts daran, dass die US-Wahl 2016 nur mehr eine einzige große Verzweiflung bedeutet."

dho

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