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Gran Hotel Manzana: Die Oase des Luxus mitten im kubanischen Sozialismus

Fünf-Sterne-Zimmer, Nobel-Boutiquen und vier Bars: In Kubas Hauptstadt Havanna wurde das erste Luxushotel unter der Regie von Kempinski eröffnet. Eine Nacht kostet das fünfzehnfache Monatseinkommen eines Kubaners.

Kempinski Grand Hotel Manzana in Havanna

Hinter der in frischem Weiß getünchten Fassade verbirgt sich das erste Luxushotel auf Kuba. Das historische Gebäude aus dem Jahre 1917 am Parque Central wird von der Kempinski-Gruppe betrieben.

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Die Stadt Havanna ist für ihren morbiden Charme, für klapprige Oldtimer und für den heruntergekommenen Zustand ihrer Immobilien bekannt. Doch jetzt strahlt in zentraler Lage in der Nähe des Art-déco-Gebäudes von Bacardi und dem Museum der Schönen Künste das schwanenweiße Grand Hotel Manzana.

Der ursprünglich fünf Stockwerke umfassende Prachtbau wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als Einkaufspassage nach europäischem Vorbild errichtet und jetzt in ein Luxushotel umgewandelt. Dazu hat die Grupo de Turismo Gaviota, ein vom Militär kontrollierter kubanischen Reiseveranstalter, mit einer in der Schweiz ansässigen Hotelgruppe einen Managementvertrag geschlossen.

"Damit sind wir auch in Kuba wegweisend unterwegs, denn mit dem Gran Hotel Manzana Kempinski La Habana entsteht das erste moderne Fünf-Sterne-Luxushotel des Karibikstaates", sagte Markus Semer, der neue Vorstandsvorsitzende der Kempinski AG. "Es ist das aktuell exklusivste Hotelprojekt in Old Havanna."

Neben den knapp 250 Zimmern befinden sich zusätzlich im Erdgeschoss des Hauses am Zentralpark diverse Edelboutiquen westlicher Prestige-Marken von Armani über Montblanc bis Versace, an deren Schaufenster sich die Menschen die Nasen platt drücken. Die die zum Teil fünfstelligen Beträge, die für die Luxusgüter in US-Dollar verlangt werden, kann sich kein Kubaner leisten.

Ebenso eine Nacht im Hotel. Denn die Zimmerpreise betragen zwischen 440 US-Dollar und knapp 2500 Dollar, umgerechnet 390 Euro bis 2200 Euro. Dabei liegt das durchschnittliche Einkommen in Kuba bei rund 30 US-Dollar - pro Monat.

Ende des Embargos

Damit ist die Zielgruppe des Edelhotels klar umrissen: gut betuchte Nordamerikaner. Denn seit dem Tauwetter zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten wächst der Tourismus zweistellig - doch es mangelt an Hotels. 2014 hatten Kubas Präsident Raúl Castro und der damalige US-Präsident Barack Obama die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen ihren Ländern angekündigt und eine Lockerung des durch die USA verhängten Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargos verkündet.

Im vergangenen Jahr besuchten bereits vier Millionen Touristen das Land. Neben den auch bei Europäern beliebten Strandresorts bei Varadero kamen vor allem Kanadier. Bei Reisenden aus den USA haben sich Kreuzfahrten zum Renner entwickelt, da die US-Reedereien gleich mehrere Schiffe auf Routen zu Häfen rund um Kuba eingesetzt haben und es keine Unterkunftsprobleme gibt.

Auch die US-Fluggesellschaften hatten auf den Boom gesetzt, doch inzwischen haben einige Airlines ihre Kapazitäten reduzieren müssen. Ihre Erwartungen waren zu hoch gesteckt. Jet Blue ist mit 50 wöchentlichen Flügen aus den USA nach Kuba der größte Anbieter und hat angekündigt, kleine Flugzeuge einzusetzen. Und American Airlines bietet statt ursprünglich 13 noch nur zehn Flüge pro Tag an.


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