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1. Bundesliga: Bundesligaanalyse - Die noch ausstehenden Entscheidungen

Sie wissen, dass Dortmund Meister ist. Sie wissen, dass der HSV sich gerettet hat. Aber wissen Sie auch, wie der 1. FC Nürnberg noch in die Europa League kommen kann? Nachdem Sie unseren Guide zum Selbstausdrucken gelesen haben, schon. Alle Entscheidungen, um die es am letzten Spieltag geht, in einem handlichen Artikel für Stadion, IKEA-Besuch oder Familienfeier.

Borussia Dortmund stand als Meister schon seit einer Woche fest, nun hat Schalke 04 die Champions League-Gruppenphase erreicht, während Mönchengladbach in die Qualifikation muss. Zugleich wissen die Fohlen aber seit dem vergangenen Wochenende, dass sie ihre Startberechtigung in dieser sicher haben, was angesichts der Erwartungen vor der Saison ein gigantischer Erfolg ist.

Am unteren Ende der Nahrungskette stand Kaiserslauterns Abstieg schon vor dem 33. Spieltag fest, jetzt konnten sich mit dem HSV und dem FC Augsburg der älteste und der jüngste Bundesligist gleichzeitig retten. Dass mit Köln und Hertha die beiden aktuell wohl am dilettantischsten geführten Clubs am letzten Wochenende im Fernduell um den Einzug ins Relegationsspiel balgen, dürfte ebenfalls bekannt sein.

Wer sich nun unter dem Eindruck der großen Themen der Rückrunde, die entschieden scheinen, zurücklehnt, oder meint, es ginge nur noch um Hertha und den FC, der verpasst am letzten Wochenende womöglich noch relevante Weichenstellungen. Na gut, mehr oder minder relevant, aber in sechs von neun Spielen steht noch etwas anderes als Sommerfußball auf dem Programm.

Damit Sie nicht selbst die Tabelle neben die DFL-Regularien halten müssen und versuchen, sich einen Reim auf die Sache machen, haben wir Ihnen mal ein handliches Übersichtspaket zusammengestellt. Nein nein, keine Ursache, dafür werden wir ja bezahlt.

1) Direkte Qualifikation für die UEFA Europa League

Jetzt, da Bayern München im heimischen Stadion im Champions League-Finale steht, kann man sich kaum noch daran erinnern, aber im August 2011 stand der deutsche Clubfußball vor einem beispiellosen Kahlschlag und der Austragungsmodus sowie die Vergaberegularien der TV-Rechte in der Europa League vor dem Offenbarungseid. Damals nämlich hatte Schalke sein Qualifikationshinspiel in diesem Wettbewerb in Helsinki mit 0:2 verloren. Mainz war bereits zuvor in Rumänien bei einem Club namens Gaz Metan ausgeschieden, und Hannover hatte zwar Sevilla im Hinspiel mit 2:1 besiegt, aber ein sicheres Polster war das nicht.

So zeichnete sich das realistische Szenario einer kompletten Europa League ohne deutsche Beteiligung ab - für die Bundesliga blamabel, für die UEFA im wichtigsten Fernsehmarkt des Kontinents ein Debakel. Es kam bekanntlich anders, Schalke und Hannover schieden letztlich erst im Viertelfinale aus. Und in der kommenden Saison wird alles anders, denn dann ist der Tabellenfünfte der Bundesliga direkt für die Gruppenphase qualifiziert (eigentlich der Pokalsieger, aber der wird ja in jedem Fall in der Champions League antreten).

Wer ist noch im Rennen?

Bayer Leverkusen (51 Punkte) und der VfB Stuttgart (50) spielen am letzten Spieltag den glücklichen Vertreter aus, der sich die Qualifikationsrunde sparen kann und erst in der Gruppenphase einsteigt.

Welche Spiele sind zu beachten?

Nürnberg - Bayer Leverkusen, Stuttgart - Wolfsburg

Was muss passieren, damit...?

Fall 1: Leverkusen ist mit einem Sieg in Nürnberg sicher Fünfter.

Fall 2: Sollte Leverkusen nur unentschieden spielen, wäre der VfB Stuttgart mit einem Heimsieg gegen Wolfsburg an der Werkself vorbeigezogen.

Fall 3: Falls der Club gegen Bayer gewinnt, würde Stuttgart schon ein Unentschieden reichen, da der VfB das klar bessere Torverhältnis als Leverkusen aufweist.

2) Teilnahme an der dritten Qualifikationsrunde in der Europa League

Die verbesserte Position in der Fünfjahreswertung, kombiniert mit dem Pokalfinale zwischen Meister und Vizemeister, macht es möglich: Sogar der Siebte der Bundesliga wird in der kommenden Saison international spielen dürfen. Und das zunächst in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League, in der Mainz zu Anfang dieser Spielzeit an Gaz Metan scheiterte.

Wie sehr das die Ambitionen und die Spannung in der Bundesliga verändert, das kann man an der Anzahl der Clubs sehen, die bis zur letzten Minute um die Europa League-Startplätze kämpfen: Standen 2010/11 schon am vorletzten Spieltag alle fünf Starter fest (so wie auch jetzt die ersten fünf Plätze vergeben sind), so ist aktuell selbst für den Tabellenzehnten vor dem letzten Spieltag zumindest theoretisch noch der Europacup erreichbar.

Der Zehnte ist übrigens Nürnberg, der erst vor kaum mehr als zwei Wochen noch nicht den Klassenerhalt gesichert hatte. Aber kommen wir im Detail zu den Anwärtern:

Wer ist noch im Rennen?

Der letzte Startplatz wird unter vier Clubs ausgemacht: Hannover 96, Werder Bremen, VfL Wolfsburg und 1. FC Nürnberg.

Welche Spiele sind zu beachten?

Hannover - Kaiserslautern, Stuttgart - Wolfsburg, Werder Bremen - Schalke, Nürnberg - Bayer Leverkusen

Was muss passieren, damit...?

Jetzt haben wir Sie so enthusiastisch auf den großen Vierkampf am letzten Spieltag vorbereitet wie ein Sky-Moderator auf die Zweitligakonferenz, und dann das: Hannover reicht ein Heimsieg gegen Kaiserslautern, um sich Platz sieben zu sichern. Hmm.

Die berüchtigte Chronistenpflicht gebietet, dass wir an dieser Stelle dennoch alle Permutationen auflisten, die sich im unwahrscheinlichen Fall zutragen könnten, in dem die Roten nicht gegen die gleichfarbigen Teufel gewinnen. Nennen wir Hannovers Heimsieg Fall 1. Dann bleiben:

Fall 2: Hannover spielt gegen Kaiserslautern unentschieden. Hier ist die Lage noch relativ klar. Wolfsburg wäre mit einem Sieg in Stuttgart doch noch in der Europa League, Hannover draußen. Ein Remis würde den Wölfen in diesem Fall nicht reichen.

Fall 3: Hannover (ähem) verliert gegen Kaiserslautern. Klar, wir könnten auch schreiben: "Fall 3: Angela Merkel heiratet Rainer Brüderle". Wäre ähnlich wahrscheinlich. Hannover hat heute vor einem Jahr zuletzt ein Heimspiel verloren. Und Kaiserslautern erst letzte Woche sein allererstes Auswärtsspiel dieser Saison gewonnen. Aber soll hinterher niemand sagen, wir hätten zu früh die Füße hoch- und die Tastatur beiseite gelegt. Also hier die Folgen von Fall 3.

Fall 3a: Hannover verliert gegen den FCK, Wolfsburg gewinnt in Stuttgart. Klare Sache, Wolfsburg in der Europa League.

Fall 3b: Hannover verliert gegen den FCK, Wolfsburg spielt unentschieden in Stuttgart, Bremen gewinnt nicht gegen Schalke, Nürnberg gewinnt nicht gegen Leverkusen. Jetzt kommt es auf die Höhe der Hannoveraner Niederlage an. Verliert Hannover mit mindestens sieben Toren Differenz ("Fall 3b: Angela Merkel heiratet Oskar Lafontaine"), dann wäre Wolfsburg selbst mit einem Unentschieden Siebter.

Fall 3c: Hannover verliert gegen Kaiserslautern, Wolfsburg gewinnt nicht in Stuttgart, Bremen gewinnt gegen Schalke, Nürnberg gewinnt nicht gegen Leverkusen.
Werder Bremen wäre in diesem (und fast nur in diesem) Fall doch noch in der Europa League, und das mit nur drei Rückrundensiegen.

Fall 3d: Hannover verliert gegen Kaiserslautern, Wolfsburg gewinnt nicht in Stuttgart, Bremen gewinnt nicht gegen Schalke, Nürnberg gewinnt gegen Leverkusen.
Einige Bedingungen, die erfüllt werden müssen, aber nicht undenkbar: In diesem Fall wäre Nürnberg in der Europa League.

Fall 3e: Hannover verliert gegen Kaiserslautern, Wolfsburg gewinnt nicht in Stuttgart, Bremen gewinnt gegen Schalke, Nürnberg gewinnt gegen Leverkusen.
Hier käme es auf die Höhe der Siege von Werder und des Clubs an. Nürnberg müsste höher siegen als die Bremer, um Siebter zu werden, siegt Werder mindestens genauso hoch, ist Bremen dabei. (Im rein theoretisch denkbaren Fall, dass beide gleich hoch gewinnen, Nürnberg dabei aber mehr als zehn Tore mehr schießt als Bremen, wäre Nürnberg Siebter. Würde Nürnberg genau zehn Tore mehr erzielen, wären beide Clubs exakt punkt- und torgleich, dann entschiede der direkte Vergleich zugunsten von Nürnberg).

Drucken Sie sich unseren handlichen Guide gerne aus und legen ihn in die Schublade. Normalerweise reicht die Info: Hannover ist in der Europa League. Aber wenn Kaiserslautern zur Pause führt, kann man ja mal das Rechnen beginnen.

3) Die Relegation

Die Konstellation hier dürfte bekannt sein, aber der Übersicht halber hier auch im Abstiegskampf noch einmal die Anforderungen an die beiden Chaos-Clubs. Wer von beiden den Abstieg mehr verdient hätte (oder den Klassenerhalt weniger), ist kaum zu entscheiden.

Der eine entließ einen Erfolgs- und Aufstiegstrainer, feuerte dessen Nachfolger dann nach fünf Spielen und holte den ältesten Bundesligacoach aller Zeiten, der seit 12 Jahren keinen Club mehr trainiert hatte. Der andere hielt lange an seinem erfolglosen Trainer fest, trotz Sturzflug in der Tabelle und desolaten Leistungen, entließ stattdessen den Sportdirektor, nahm eine schon vermeldete Trainerentlassung dann noch einmal zurück, nur um den Coach dann mitten in einer englischen Woche (der einzigen der Saison) zu entlassen und dem Interimscoach ein beinhartes Restprogramm vor die Füße zu werfen wie einst Vercingetorix den Römern seine Waffen. Urteilen Sie selbst. Wir sind nur für die Rechenbeispiele da.

Wer ist noch im Rennen?

Hertha BSC und der 1. FC Köln ringen um die Chance, in der Relegation gegen Fortuna Düsseldorf, den SC Paderborn oder den FC St. Pauli zu spielen.

Welche Spiele sind zu beachten?

Hertha BSC - Hoffenheim, Köln - FC Bayern

Was muss passieren, damit...?

Nur zwei Teams in der Verlosung, das macht es wieder einfacher.

Fall 1: Köln gewinnt gegen Bayern. Köln ist in der Relegation, Hertha abgestiegen.

Fall 2: Köln gewinnt nicht gegen Bayern. Hertha wäre mit einem Sieg in der Relegation, egal, ob der FC unentschieden spielt oder verliert. Falls Hertha nicht gegen Hoffenheim (und Ex-Trainer Markus Babbel) gewinnt, sind die Berliner ohnehin weg vom Fenster, egal, was Köln macht.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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