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1. BUNDESLIGA: Dreikampf zum Finale

Eigentlich war für Bayer Leverkusen der Titel als deutscher Fußball-Meister 2002 so gut wie sicher. Doch am vorletzten Bundesliga-Spieltag hat sich das Blatt noch einmal überraschend gewendet.

Das Titel-Trauma von Bayer Leverkusen sorgt für tiefe Depressionen am Rhein, unerwartete Freude bei der Konkurrenz und beschert der Liga auf der Zielgeraden Spannung pur. Durch den erneuten Einbruch des zuvor souveränen Titelfavoriten haben erstmals nach zehn Jahren und erst zum fünften Male überhaupt in der Bundesliga-Geschichte wieder drei Clubs am letzten Spieltag die Chance auf den Gewinn der Meisterschale. Von Bayers 0:1-Niederlage in Nürnberg profitierte vor allem Borussia Dortmund, das sich durch den 4:3-Erfolg beim Hamburger SV mit 67 Punkten vor Bayer (66) und Titelverteidiger Bayern München (65) die beste Ausgangsposition verschaffte.

Absteiger stehen fest

Eine Woche vor Saisonschluss sind bereits die ersten Entscheidungen gefallen. Mit dem 1. FC Köln, dem FC St. Pauli und dem SC Freiburg stehen alle drei Absteiger in die Zweite Liga vorzeitig fest, der 1. FC Nürnberg konnte sich aus eigener Kraft retten. Während der Titelträger noch gesucht wird, sind die drei Champions-League-Plätze an das Führungstrio fest vergeben. Zwei der drei UEFA-Cup-Plätze sicherten sich Hertha BSC und der FC Schalke 04. Werder Bremen und der 1. FC Kaiserslautern kämpfen um den dritten internationalen Startplatz. Dem Verlierer des Fernduells bleibt der UI-Cup, um den sich auch noch der VfB Stuttgart und München 1860 (3:3 im direkten Duell) bewerben.

Zwei Jahre nach der »Schmach von Unterhaching« und insgesamt drei zweiten Plätzen in den letzten fünf Jahren setzte sich die Serie der verpassten Titel-Träume bei Bayer Leverkusen fort. »Wenn man in der ganzen Saison so großartigen Fußball gespielt hat, tut das sehr, sehr weh«, sagte Manager Reiner Calmund deprimiert. Auch die Spieler waren nach der 0:1-Pleite durch den Treffer von Marek Nikl frustriert. »Das war eine ganz bittere Niederlage, die wir erst einmal wegstecken müssen«, meinte Neu-Nationalspieler Thomas Brdaric. »Ich hoffe, dass die Mannschaft nicht in ein Loch fällt. Aber wir haben viele schöne Siege gefeiert, da müssen wir auch nach dieser Niederlage unseren Mann stehen«, sagte Trainer Klaus Toppmöller.

Die Konkurrenz nahm den Leverkusener Patzer vor der Ziellinie gerne auf. »Jetzt will ich alle drei Titel gewinnen«, jubelte Borussia Dortmunds Brasilianer Amoroso, der neben Meisterschaft und UEFA-Cup mit 18 Treffern auch vom Gewinn der Torjägerkanone träumt. Zwei Treffer des brillanten Ballkünstlers bildeten die Grundlage für den 4:3-Erfolg des BVB an der Alster. »Wir haben die ganze Zeit gepredigt, dass der Jäger am Ende gewinnen wird. Unsere Position ist nun ideal, um den Blattschuss zu setzen«, meinte Manager Michael Meier, dessen Team vor dem sechsten Meistertitel steht.

Erstmals in zehn Jahren - Dreikampf um Titel

Durch den 1:0-Erfolg von Titelverteidiger Bayern München beim VfL Wolfsburg erlebt die Liga erstmals nach dem dramatischen Saisonfinale von 1992 wieder einen Dreikampf kurz vor der Ziellinie. Insgesamt gab es in den bisherigen 37 Bundesligajahren vier Mal die Situation, dass drei Mannschaften am letzten Spieltag noch die Chance auf den Meistertitel haben. Und nur 1992 wurde der damalige Tabellenführer Eintracht Frankfurt noch vom VfB Stuttgart eingeholt. Damals im Trio mit dabei: Borussia Dortmund als Tabellenzweiter in der Endabrechnung. Das Eigentor des Wolfsburgers Marino Biliskov brachte auch den Rekordmeister aus München wieder in die Spur und sorgte selbst bei Trainer Ottmar Hitzfeld für Optimismus: »Ich glaube fest daran, dass wir deutscher Meister werden.«

Mit Neuling St. Pauli, Altmeister 1. FC Köln und dem SC Freiburg haben alle drei Abstiegskandidaten das Klassenziel vorzeitig verfehlt und müssen den Gang in die Zweite Liga antreten. Den Kölnern half dabei auch der 2:0-Erfolg gegen Freiburg nichts mehr. FC-Coach Friedhelm Funkel: »Wir wollen zusammen mit Freiburg wieder aufsteigen.«

Während sich Hertha BSC ebenso wie der durch die Tore von Michael Preetz und Alex Alves mit 2:0 bezwungene FC Schalke 04 für den UEFA- Cup qualifiziert haben, streiten sich die punktgleichen Teams von Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern (beide 56) im Fernduell um einen weiteren internationalen Startplatz. Die Bremer hatten beim 3:2 gegen St. Pauli große Mühe, die Pfälzer fuhren mit 4:0 gegen Cottbus einen ungefährdeten Sieg ein. Hansa Rostock beseitigte mit dem 1:1 gegen die bereits geretteten Mönchengladbacher Borussen auch die letzten Zweifel am Klassenverbleib.

Morten Ritter

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