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Weltfußballer Lewandowskis Niederlage ist ein Scheitern der Bundesliga

Robert Lewandowski wurde als bester Stürmer ausgezeichnet, für den Titel als Weltfußballer reichte es aber erneut nicht.
Robert Lewandowski wurde als bester Stürmer ausgezeichnet, für den Titel als Weltfußballer reichte es aber erneut nicht.
© Franck Fife / AFP
Robert Lewandowski schaut bei der Wahl zum Weltfußballer in die Röhre. Das Problem ist aber nicht Lewandowskis Leistung, sondern viel mehr das Standing der Bundesliga.

Der zweite Platz ist der erste Verlierer – eine gängige Floskel im Sport. Selten hat sie aber so gut gepasst, wie am Montagabend. Als großer Favorit ins Rennen um den Ballon d’Or landete Robert Lewandowski nur auf dem zweiten Rang. Jubeln durfte mal wieder Lionel Messi, der seine siebte Auszeichnung als Weltfußballer entgegennahm. 613 Stimmen bekam Messi von den 180 Fachjournalisten, die den Weltfußballer wählen. Lewandowski lag mit 580 Stimmen nur knapp hinter dem Argentinier. Die neu eingeführte Kategorie als "Stürmer des Jahres" gewann zwar Lewandowski, doch wird das nur ein Trostpreis für den Polen sein. Zumal die Auszeichnung wenig Sinn macht, wenn Messi, ebenfalls Stürmer, zwar als Weltfußballer ausgezeichnet wird, gleichzeitig aber nicht bester Stürmer ist.

Ohne Frage, Messi den Titel als Weltfußballer zu geben, ist nie eine falsche Entscheidung. Zu sehr hat der Argentinier den Weltfußball in den vergangenen Jahren geprägt, als dass der Kelch einfach so an ihm oder einem Cristiano Ronaldo vorübergehen würde. In diesem Jahr aber schwächelte der als "La Pulga" (der Floh) verehrte Angreifer. In seiner letzten Saison mit dem FC Barcelona sprang nur der dritte Rang hinter Real Madrid und Atletico Madrid raus, in der Champions League scheiterte Barcelona kläglich an der Millionentruppe von Paris Saint-Germain, zu denen er im Sommer wechselte. An der Seine aber läuft es bislang noch nicht rund, erst gegen Nantes gelang Messi am 20. November sein erstes Ligator für PSG, in der Champions League gelangen dem 34-Jährigen bislang immerhin drei Tore in vier Partien. Die Auszeichnung ist viel mehr als eine Belohnung für sein Auftreten in der Nationalmannschaft zu sehen. Mit dem Triumph bei der Copa América feierte Messi seinen ersten großen Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft. Mit vier Toren und fünf Vorlagen hatte der Stürmer entscheidenden Anteil am Titelgewinn.

Ballon d'Or: Die Bundesliga ist der Makel in Lewandowskis Vita

Für Robert Lewandowski hätte im Jahr 2021 die Torausbeute gesprochen. 64 Pflichtspieltreffer erzielte Lewandowski in diesem Kalenderjahr. Der Pole ist der erste Spieler in den fünf europäischen Top-Ligen, der seit 2014 mehr als 60 Tore in einem Kalenderjahr erzielte. Mit seinen 41 Toren in nur 29 Ligaspielen brach Lewandowski sogar den Uralt-Rekord von Gerd Müller in der Bundesliga.

Die Zahlen sprechen für sich und doch haben sie einen Makel: Robert Lewandowski spielt in der Bundesliga. Auch wenn man es bei den Verantwortlichen von DFL und Bayern München ungern hört, so hat die Bundesliga nicht den Glamour, den andere europäische Ligen ausstrahlen. Clubs wie der FC Barcelona, Real Madrid, Juventus Turin oder Manchester United haben nicht nur weltweit eine große Anhängerschar, sie handeln auch anders als die Bundesligisten.

Wahl zum Weltfußballer: Geld regiert die Welt

Denn Geld spielt bei den meisten europäischen Topklubs keine Rolle, selbst wenn keins mehr da ist, wie beim FC Barcelona, der einen Schuldenberg in Milliardenhöhe vor sich herschiebt. Vereine wie PSG, Manchester City oder Chelsea sind zum Spielball der Multi-Milliardäre geworden, die sich reihenweise neue Vereine kaufen und sich nicht zu schade sind, Ablösesummen in schwindelerregender Höhe zu zahlen, um Superstars im eigenen Trikot zu sehen. In der Bundesliga verhindert das perverse Herumschleudern mit den Millionen (also noch perverser als ohnehin schon) glücklicherweise die 50+1-Regel, die Investoren aus dem deutschen Fußball ausschließt, aber damit auch die Superstars und somit die gehobene Qualität fernhält. Im Gegensatz zu den anderen vier Top-Ligen in Spanien, Italien, Frankreich und England fehlen der Bundesliga aber die Superstars, um den Wettbewerb auf ein neues Level zu heben.

Selbst die Bayern als deutscher Dauermeister wollen sich dem Verprassen des Geldes nicht anschließen, das solide Wirtschaften steht wie bei allen anderen deutschen Vereinen an erster Stelle. Stattdessen muss man in der eigenen Liga die Top-Spieler kaufen, um zumindest einen gewissen Starfaktor an die Isar zu holen oder alternativ junge Spieler wie Jamal Musiala langsam in eine Star-Rolle zu führen. Lewandowski selbst liebäugelte einst auch mit dem Wechsel nach Madrid, den die Bayern mit einer gewaltigen Lohnsteigerung verhinderten. Und so wird Lewandowskis Karriere immer die Frage begleiten, ob er auch in England oder Spanien 41 Tore in einer Saison erzielt hätte. 

Dortmund, Leipzig und Co. sind nur noch Talentschmieden für Europa

Die ärgsten Verfolger aus Dortmund, Leipzig und Leverkusen sind dagegen mittlerweile zum Dauerausbilder von Top-Talenten für europäische Vereine geworden. Spieler wie Christian Pulisic, Jadon Sancho, Kai Havertz oder Timo Werner werden in der Bundesliga groß, ihre Vereine aber bei den Millionablösen schwach. Auch ein Erling Haaland wird für Borussia Dortmund nicht mehr lange zu halten sein. Viel zu verlockend ist die Ablösesumme in dreistelliger Millionenhöhe für den BVB, viel zu verlockend das Gehalt von 25 Millionen Euro aufwärts für den norwegischen Ausnahmestürmer. Auch ein Florian Wirtz dürfte wohl kaum noch lange in Leverkusen spielen.

Das führt im Umkehrschluss dazu, dass auch die Bundesliga nicht die Aufmerksamkeit bei den internationalen Sportjournalisten bekommt, die nötig wäre, um die Auszeichnung zu gewinnen. Wenn die Bayern mit Lewandowski auf den VfL Bochum treffen, parallel aber Messi, Neymar und Kylian Mbappé für PSG auflaufen oder in der Premier League sich Liverpool und Chelsea duellieren, ist der Fokus der internationalen Journalisten und auch der internationalen Fußballfans klar gesetzt und fernab der Bundesliga. Diese befindet sich auch in Zukunft in der Zwickmühle: Geld regiert das Fußballgeschäft und für mehr Geld müsste die Bundesliga die 50+1-Regel kippen. Mit der Gefahr, es sich bei den deutschen Fans vollständig zu verscherzen, wie die Jahreshauptversammlung der Bayern und die Rolle des katarischen Sponsorings in der vergangenen Woche gezeigt hat. Ohne weitere Summen wird man es aber schwer haben, in den nächsten Jahren einen Weltfußballer aus einer deutschen Profiliga zu etablieren. Selbst wenn er es verdient hätte, so wie Lewandowski!


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