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"Die Höhle der Löwen": Geld für den Seifenkaiser - aber nicht für die leuchtenden Eier

In dieser Woche konnte sich die "Höhle der Löwen"-Jury zwischen Papier-Tigern, veganem Dünger und "Made-in-Germany"-Kinderwagen entscheiden. Und es zeigt sich, dass selbst abgefahrene Ideen die Löwen überzeugen können. 

"Die Höhle der Löwen" hat hohen Besuch: Der Seifenkaiser will die Jury für seine Cosmetic Kitchen begeistern. 

"Die Höhle der Löwen" hat hohen Besuch: Der Seifenkaiser will die Jury für seine Cosmetic Kitchen begeistern. 

Schwere Zeiten für die Damen bei "Die Höhle der Löwen". Denn vor allem Lencke Steiner und Judith Williams waren in den vergangenen Folgen kulinarisch immer wieder auf ihre Kosten gekommen. Zu essen gibt's in dieser Woche nichts. Dafür sind überraschend ungewöhnliche Geschäftsideen dabei - und selbst wenn die Jury von den Gründern, ihren Ideen und den Zahlen angetan sind, heißt das noch lange nicht, dass sie auch investieren. 

Die leuchtenden Eier gehen leer aus

Die ersten Gründer bei "Die Höhle der Löwen" wollen die Jury mit Eier-förmigen Lampen beeindrucken. Das Besondere: Durch eine App kann der Farbverlauf der Lampe gesteuert werden. Von Rot zu Grün und weiter bis Blau - die Eier können bieten das gesamte Farbspektrum auf. Allerdings klappt das auch manuell: Wer das Ei hin- und herschaukelt, kann ebenfalls die Farbe verändern. Das wirkt alles ganz witzig und spielerisch - aber kann man mit solch einer Lampe Geld verdienen?

Klar, das fragt sich vor allem Vural Öger, der immer ganz genau nach Zahlen fragt. Ja, doch, tatsächlich konnten die Gründer schon 30 Lampen verkaufen. 30? Ja, genau. Da fragt so ziemlich jedes Jury-Mitglied noch mal nach. 30? Ja, wirklich nur 30. Da muss die Lampe ja ganz schön teuer sein. Und tatsächlich: 1180 Euro verlangen die Rocky-Gründer vom Kunden, es seien "hochwertige Materialen verbaut worden". "Tausend einhundert achtzig?", fragt da auch Lencke Steiner abermals ungläubig nach - und steigt dann aus. Für Öger ist das Ei nichts. "Sie überzeugen mich", sagt er zum Unternehmer-Team, "aber ihr Produkt nicht." Am Ende winken alle Löwen ab: Nettes Produkt, aber als Investment taugt das Ei nicht.

Österreichs Seifenkaiser überzeugt

Dass es nicht nur um das richtige Produkt, sondern vor allem um die Verkäufe geht, zeigt der  Gründer Alexander Kraml - oder wie er sich inzwischen nennt: der Seifenkaiser. Und so kommt der Österreicher auch stilecht in kaiserlicher Uniform ins Studio und stellt sich der Jury als "Alexander, der Erste, Seifenkaiser von Österreich" vor. Ganz falsch ist das nicht, tatsächlich herrscht er über ein Imperium aus Seifen, Badezusätzen und Duschgels, die er an Drogerien und Parfümerien verkauft.

Inzwischen macht er Millionenumsätze mit der Kosmetikmanufaktur Bademeisterei. Aber ist "Die Höhle der Löwen" nicht eher für aufstrebende Jungunternehmen gedacht? Sicherlich - daher will Kraml ja auch Geld für eine vegane Produktlinie haben: die Cosmetic Kitchen. Konkret: Im Studio rührt eine Assistentin eine "Prosecco-Litschi"-Bodylotion zusammen, die Judith Williams sehr interessiert. "Lecker", lautet ihr Urteil, als sie die Creme auf ihrem Arm verreibt. Doch nicht alle sind von dieser Idee ganz angetan: Frank Thelen mosert herum, als die Gründer ihm eine Geschenkbox überreichen. "In Pink, oh, da freu ich mich aber", sagt Thelen und es ist kaum zu überhören, dass er eben genau das nicht tut. Doch nicht der Seifen-Schischi lässt den Deal mit Thelen platzen, sondern der höchst fragwürdige Umgang mit den Gewinnen. Zwar erzielt das Unternehmen Erlöse, nämlich rund 350.000 Euro, doch statt das Geld zu reinvestieren, haben die Gründer sich selbst eine Dividende von knapp 150.000 Euro ausgeschüttet. Das macht Thelen sauer. "Du bist in der Aufbauphase. Und du hast deinem Unternehmen Kapital entzogen, um damit einen höheren Lebensstandard für dich privat zu haben", poltert Thelen.

Doch dann folgt die Überraschung: Kraml hat das Geld nicht selbst verpulvert, sondern brauchte das Kapital, um seine Ex-Frau auszuzahlen, die einst die Firma mit ihm gegründet hatte. Thelen gibt sich kleinlaut: "Ich nehme alles zurück." Am Ende gibt es ein Happy End für den Seifenkaiser: Judith Williams, Vural Öger und Jochen Schweizer steigen gemeinsam mit 350.000 Euro für 30 Prozent der Unternehmensanteile ein.

Bastel-Stunde? Die Jury ist raus

Während Kraml schon mit Gewinnen arbeitet, sind die Macher von Paper Shape noch ganz am Anfang. In den eigenen vier Wänden entstehen 3-D-Origami-Tiertrophäen zum Selberbasteln. Die Löwen sind wenig angetan von der Idee. "Ich sag euch ganz ehrlich: Ich mache mir Sorgen", sagt Judith Williams. "Das ist Liebhaberei und kein Geschäft." Letztendlich steigt keiner der Löwen bei dem Projekt ein.

Ein Bett im Flughafen

Auch für die Gründer von Stay2day ist der Gang in die Höhle der Löwen nicht ganz einfach. Denn das Unternehmen will Mini-Zimmerchen in Flughäfen und Bahnhöfen aufstellen. Diese Schlafboxen sollen gestrandeten Reisenden eine Übernachtungs- und Ausruhemöglichkeit bieten. Doch noch hat das Unternehmen keine nennenswerten Geschäftszahlen - und es gibt schon andere Hersteller in dem Bereich. Die aber haben die Gründer nicht beobachtet.  "Mir fehlt bei euch der Biss", stellt Thelen fest. Auch Jochen Schweizer ist genervt: "Sorry, so kommen wir nicht zusammen, es ist einfach falsch." Und sogar Lencke Steiner, die auch am absurdesten Geschäftsmodell noch etwas Positives finden kann, zählt nur eine ellenlange Liste an Fragen auf, die nicht von den Gründern beantwortet wurden. Judith Williams bringt den verpatzten Pitch auf den Punkt: "So ein Business muss wie ein schönes Stück Schwarzwälder Kirschtorte vor dem Trüffelschwein-Näschen des Investors hin- und her wedeln. Und ich sitze hier und bin so überhaupt nicht angeregt." Keiner der Löwen steigt bei Stay2day ein.

Schadstofffreie Kinderwagen kriegen kein Geld

Deutlich alltagstauglicher ist die Geschäftsidee von AngelCab. Die Brüder Vincent und Louis wollen schadstofffreie Kinderwagen bauen. Sie brauchen dafür 75.000 Euro von den Löwen und bieten im Gegenzug 10 Prozent Firmenanteile. Kunden können bei den Gründern einen individuell zusammengestellten Kinderwagen ordern. Die Materialen sind alle hochwertig, urteilt auch Judith Williams, die einen der Kinderwagen genauer unter die Lupe nimmt. Aber die Marge schmeckt den Löwen so gar nicht: Die Produktionskosten sind ihnen zu hoch. Doch die Gründer halten dagegen. Sicherlich könnten sie auch in der Ukraine die Körbe für die Kinderwagen flechten lassen, doch sie setzen mit ihrem Unternehmen auf Qualität aus Deutschland. Und können damit überzeugen. "Wir sehen nicht viele Gründer, die so gut aufgestellt sind wie ihr", sagt sogar Frank Thelen. Die beiden Gründer und Noch-Studenten haben 80.000 Euro bei der Familie geliehen, um ihr Unternehmen aufzubauen und verzichten auch auf ein üppiges Gehalt für sich selbst. Das beeindruckt die Löwen, sie überschütten die beiden Jungs mit Lob und Anerkennung - aber irgendwie scheinen die Investoren so gar nicht auf Kinderwagen zu stehen, denn keiner gibt den Gründern Geld.

GreenLab findet Investoren

Der letzte Gründer in der Show hat eine überraschende Idee: Statt aus Chemie oder Mist macht Daniel von GreenLab veganen Dünger aus Kakaoschalen. Gerade für Städter, bei denen das Thema Urban Gardening boomt und die auch mit Kindern gärtnern, könnte der Dünger gut ankommen. Ein trendiges Produkt - aber überzeugt so etwas die Löwen? "Total brillant", lautet das erste Urteil von Frank Thelen. Allerdings rechnen die Gründer noch mit Verlusten, erst 2017 wird das Unternehmen Gewinne einfahren.

Und das schreckt ab: Am Ende wollen nur Vural Öger und Jochen Schweizer investieren. Sie würden für 26 Prozent Firmenanteile 110.000 Euro ausgeben, fordern aber für jeden verkauften Artikel einen Euro, bis das Investment zurückgezahlt wurde. Am Ende einigen sich Gründer und Investoren: Für jeden Artikel, der im Handel über den Ladentisch geht, zahlt GreenLab nur 50 Cent - verkaufen die Gründer in ihrem Online-Shop den Dünger, wird der eine Euro fällig. Ein fairer Kompromiss, finden beide Seiten.