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Die Höhle der Löwen auf Vox: Jochen Schweizer bei DHDL: "Für mich war die Sendung ein Risiko"

Jochen Schweizer sitzt auch in der dritten Staffel von "Die Höhle der Löwen" auf dem Jury-Stuhl. Mit dem stern spricht er über die neuen Juroren, was Gründer von ihm lernen können - und warum die Sendung eine Gefahr für sein Unternehmen war.

Jochen Schweizer: Juror bei Die Höhle der Löwen von Vox

Jochen Schweizer ist als Juror bei "Die Höhle der Löwen" von Vox auch in der dritten Staffel dabei.

Obst und frische Luft - mehr scheint Jochen Schweizer nicht zu brauchen. Also schnappt sich der Unternehmer mitten im Gespräch in den Hamburger Schanzenhöfen kurzerhand den Obstkorb. Nichts wie raus aus dem Konferenzraum und rauf auf die Terrasse. Dass er sich dort entspannt hinsetzt und auch sitzen bleibt, ist kaum zu erwarten: Zwei Schlücke Wasser, einen Espresso, eine Handvoll Heidelbeeren und schon steht er wieder, läuft um den Tisch, zeigt Videos auf dem Smartphone, rennt ins Haus, kommt wieder raus. Man kommt nicht umhin, sich neben Jochen Schweizer träge zu fühlen, neben einem 59-Jährigen mit Knie-Prothese.

Die Höhle der Löwen mit neuer Jury

In diesem Jahr sitzt Jochen Schweizer zum dritten Mal in der Jury der Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen". Von der alten Juroren-Crew sind nur Jochen Schweizer, Judith Williams und Frank Thelen geblieben, nachdem Vural Öger nach zwei Insolvenzen seiner Reisefirmen Anfang des Jahres seinen Hut nahm und auch Lencke Steiner keine Lust mehr hatte. Auf ihren Stühlen nehmen Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer Platz. "Die neuen Jurymitglieder sorgen für eine neue Dynamik in der Sendung. Jeder von ihnen bringt etwas mit, was es vorher nicht gab", so Schweizer. Das mache die Sendung reicher und gehaltvoller. Allerdings: "Wir haben auch zwei Charaktere verloren, die polarisiert haben", sagt Schweizer. 

Er selbst konzentriert sich auf seinen Job in der Sendung: In Start-ups investieren, wenn ihn das Geschäftsmodell überzeugt. Das hat in den ersten beiden Staffeln gut geklappt. Rund 970.000 Euro hat er locker gemacht, um junge Unternehmer anzuschieben. "Ich setze mir vor jeder Staffel ein Budget", sagt Jochen Schweizer dem stern. "Aber bis heute habe ich das nicht ausschöpfen können." Wie hoch der Maximalbetrag für Investitionen ist, will er nicht sagen. Doch offenbar blieb regelmäßig Geld über. Er investiere eben nicht nur in Ideen oder Produkte, sondern in Gründer. Und die müssen ihn wirklich überzeugen. "Gründer müssen einen richtig guten Auftritt hinlegen, ein starkes Team präsentieren und ein intelligentes Geschäftsmodell haben", sagt Schweizer.

Andere Jury-Mitglieder hätten es da leichter, glaubt Schweizer. So der Neuzugang Ralf Dümmel, als Unternehmer unbekannt, obwohl ganz Deutschland seine Produkte kennt. "Ralf hat die beste Ausgangsposition", sagt Schweizer. Da müsse eher das Produkt überzeugen, nicht unbedingt der Gründer, glaubt Schweizer.

Dritte Staffel auf Vox: Das sollten Sie über "Die Höhle der Löwen" wissen

Jochen Schweizer will Werte vermitteln

Schweizer will mehr sein als bloßer Geldgeber. Er will Werte vermitteln. "Haltung ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Schweizer. Er spricht von unternehmerischer Verantwortung, von Grundwerten, die man als Firmeneigner haben müsse, von Freiheit als Antrieb. Klingt ein wenig pathetisch - sagt er selbst. Doch es passt zum Selbstverständnis des Unternehmers. Nach seiner Schulzeit auf der Waldorfschule, die ihn stark prägte, reiste er sechs Monate auf einem Motorrad durch Afrika. "Ich sage immer: Ich bin als Halbstarker losgefahren und als Mann zurückgekommen", erzählt Schweizer. Danach habe er nicht mehr ins kleinbürgerliche Leben in Heidelberg gepasst. 

Weltrekorde und Erlebnispionier: Jochen Schweizer startet durch

Schweizer wählte das größtmögliche Kontrastprogramm. Er arbeitete als Stuntman und stellte mehrere Weltrekorde auf, beispielsweise einen Bungeesprung aus einem Helikopter aus über einem Kilometer Höhe. Ein Leben am Limit, das Kern seines Geschäfts werden sollte. Heute zählt Schweizer zu den Pionieren der Erlebnisreisen. Rund 600.000 Menschen haben bereits durch ihn Bungeejumping ausprobiert. Seit 2004 verkauft er auf dem Erlebnisportal, das seinen Namen trägt, allerlei Extremes: Husky-Workshops, Jetflüge oder Rafting können Kunden als Gutschein verschenken. Ein lohnendes Geschäft: Inzwischen  regiert Schweizer ein Imperium aus 28 eigenen Firmen und rund drei Dutzend Beteiligungen. Seine Unternehmensgruppe erzielte zuletzt einen Umsatz vom mehr als 85 Millionen Euro. Tendenz steigend.

Fragt man Schweizer nach beruflichem Scheitern, weicht er aus. Dabei soll das Scheitern das neue Gewinnen bei Unternehmen sein. "Sie fragen mich gerade nach Fehlern", sagt Schweizer. Ganz klar: das ist nicht sein Lieblingsthema. Und windet sich philosophisch aus der Antwort. "Natürlich habe ich Fehler gemacht, die mich in ausweglose Situationen gebracht haben", so Schweizer. "Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: daran kaputt gehen oder sie meistern."


Ein Todesfall wird Schweizers Super-Gau

Kämpfen oder aufgeben - vor dieser Frage steht Schweizer vor ziemlich genau 13 Jahren. "Wir haben einen Toten in Dortmund – den Satz werde ich nie vergessen", berichtet Schweizer der "Zeit". Ein Bungeeseil war gerissen, ein Mann in den Tod gestürzt. Für Schweizer der Super-Gau. Alle Anlagen wurden binnen Minuten stillgelegt, nach der Ursache geforscht, während sich der Firmenwert pulverisierte. Schweizers Anwalt rät zur Insolvenz, Schweizer winkt ab. Lieber verkauft er Haus und Hof, um die Firma zu retten.

Mit einer Mini-Mannschaft legt er von Neuem los. Am Ende hatte er Erfolg, ging nicht kaputt. Vom Postamt bis zur Tankstelle, bei 6000 Handelspartnern gibt es heute 2000 Erlebnisse an mehr als 10.000 Orten zu buchen. Allein 2015 bestellten rund 800.000 Menschen bei Schweizer ein Erlebnis. "Am Ende hängt es von dir ab, ob du Erfolg hast. Nicht von anderen", sagt Schweizer gerne zu den Gründern - auch denen aus der "Höhle der Löwen".

Erfolg, das verspricht sich Schweizer auch von seinem neuesten Projekt. Die "Jochen Schweizer Arena" soll als Erlebnisimmobilie im kommenden Jahr die Pforten öffnen. Vom Abenteuer-Kinderspielplatz bis zum Windkanal entsteht südlich von München ein "freizeit-wirtschaftliches Technologieprojekt", wie Schweizer in einem Interview mit "Euro am Sonntag" sagte. "Eine niedrige zweistellige Summe", so ein Sprecher, kostet Jochen Schweizer das Projekt - ein aus Beton, Glas und Holz geschaffenes Lebenswerk. 

Von Jochen Schweizer und Martin Luther

Dass Schweizer in der Sendung "Die Höhle der Löwen" auf dem Jury-Stuhl gelandet ist, war kein Selbstläufer. "Ich bin von allen Jury-Mitgliedern das größte Risiko eingegangen", sagt Schweizer. Der Unterschied zu den anderen Unternehmern: Seine Firma trägt seinen Namen, Jochen Schweizer ist eine Publikumsmarke, die 70 Prozent aller Deutschen kennen. Das ist fantastisch - und birgt eine große Gefahr. Floppt die Sendung, beschädigt Schweizer auch gleichzeitig sein Unternehmen. "Ich habe alles dafür getan, dass die Sendung gut und authentisch wird", sagt er. Und Schweizer lernt auf dem Juroren-Stuhl: Denn die jungen Unternehmer, die dort ihre Ideen präsentieren, brennen für ihr Projekt. "Was ich von Start-ups lernen kann? Es lohnt sich aufzustehen, anzupacken, Neues zu probieren", sagt Schweizer. Um frei nach Martin Luther nachzulegen: "Ich bin der Typ Mensch, der sich sagt: Wenn morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch einen Baum pflanzen."