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Ratgeber Allergie

Genuss mit Reue

Diagnose

Die Suche nach möglichen Auslösern erfordert viel Geduld. Welche Speisenüberhaupt in Frage kommen, lässt sich mithilfe einer guter Selbstbeobachtung und eines ausführlichen Gesprächs mit einem Arzt eingrenzen. Tatsächlich suchen aber nur wenige Menschen einen Allergologen auf, um abklären zu lassen, ob sie an einer Nahrungsmittelallergie leiden – obwohl viele es vermuten.

Am leichtesten ist die Zuordnung von Auslöser zu Symptom bei allergischen Sofortreaktionen, die meist innerhalb weniger Minuten auftreten. Spätreaktionen sind schwerer zu erfassen. Dazu zählt zum Beispiel die Verschlechterung der Haut bei einer Neurodermitis, daher denken viele Betroffene, Eltern oder Ärzte gar nicht daran, dass bestimmte Speisen die Beschwerden verstärken könnten. Gleichzeitig ist die Vermutung, dass ein Nahrungsmittel wie Kuhmilch an der Neurodermitis beteiligt ist, meist nicht richtig. Vor allem bei verzögerten Reaktionen ist ein Ernährungstagebuch, das für mehrere Wochen geführt wird, oft hilfreich, um Zusammenhänge zu erkennen.

Haut- und Bluttests

Bei Verdacht auf eine echte Nahrungsmittelallergie prüft der Arzt, ob der Patient gegen bestimmte Nahrungsmittel bereits Antikörper gebildet hat. Unter den zahlreichen Methoden können zur Zeit nur zwei Allergietests empfohlen werden: die Messung der spezifischen IgE-Antikörper im Blut und der Pricktest, bei dem verdächtige Lebensmittelallergene in sehr geringer Dosis in die Haut gegeben werden, wo sie eine typische Rötung und Quaddelbildung verursachen.

Leider gibt es noch kein Testverfahren, das alleine zuverlässig genug wäre, um eine Nahrungsmittelallergie eindeutig zu belegen. Auch die beiden bewährten Methoden reichen meist nicht aus, um die Diagnose zu sichern. Sie grenzen zunächst einmal nur die möglichen allergieauslösenden Nahrungsmittel ein, gegen die der Patient sensibilisiert ist. Es folgt eine Auslassungsdiät: Nach Rücksprache mit dem Arzt oder Ernährungsberater wird probehalber für ein bis vier Wochen auf die vermutlichen Auslöser verzichtet. Gehen die Beschwerden in dieser Zeit zurück, wird der Speiseplan langsam um einige Lebensmittel erweitert. Die Diagnostik ähnelt einem Detektivspiel: Es können Wochen oder Monate vergehen, bis eindeutig feststeht, welche Nahrungsmittel die Allergie hervorrufen.

Den endgültigen Nachweis für eine spezielle Nahrungsmittelallergie liefert erst ein Provokationstest nach der Auslassungsdiät. Hier werden die Beschwerden gezielt durch das verdächtige Nahrungsmittel ausgelöst. Je nach Schwere der Allergie wird dieser Test in der Praxis oder Klinik unter Notfallbereitschaft durchgeführt. Ein großer Fehler in der Diagnostik ist es, aufgrund eines positiven IgE-Tests oder eines positiven Pricktests gegen ein Lebensmittel eine Diät einzuleiten: "Die Rate derjenigen, die aufgrund falsch positiver Testergebnisse als Kuhmilchallergiker durchs Leben gehen, ist vermutlich viel zu hoch", schätzt der Allergologe Thomas Werfel.

In der Diskussion ist immer wieder auch die Bestimmung von Bestimmung von IgG-Antikörpern zum Nachweis einer Nahrungsmittelallergie. Diese Untersuchungen werden von zahlreichen Labors als Privatleistung angeboten, sind aber nicht geeignet, um eine praktisch relevante Nahrungsmittelallergie nachzuweisen. Für die Patienten entstehen Kosten von etwa mehreren hundert Euro.

Andere Ursachen für eine Unverträglichkeit

Nicht jede Reaktion auf ein Nahrungsmittel ist eine Allergie. Es kann auch schlicht um eine vorübergehende Unverträglichkeit handeln. Auch sind gar nicht so selten verdorbene Lebensmittel für die vermeintlich allergischen Beschwerden verantwortlich. Schließlich kann auch eine andere Erkrankung wie ein anhaltender Magen-Darm-Infekt zu der Vermutung führen, fortan an einer Allergie gegen einen bestimmten Stoff zu leiden. Aber auch wenn man einfach zu viel von einem Nahrungsmittel verzehrt hat, rebelliert der Körper - ähnlich wie bei einer Nebenwirkung auf bestimmte Medikamente, die sich bei einer zu hohen Dosis einstellt. Sehr häufig ist zum Beispiel ein Hautausschlag nach exzessivem Genuss von Zitrusfrüchten. Dosisabhängig können empfindliche Menschen nach einem Restaurantbesuch beim Chinesen auch auf den Geschmacksverstärker Glutamat reagieren (sogenanntes Chinese-Food-Syndrom). Sehr häufig werden Unverträglichkeiten auf Lebensmittelzusatzstoffe oder auf biogene Amine wie das Histamin als Lebensmittelallergie eingestuft. Die Abgrenzung dieser Pseudoallergie zur echten Nahrungsmittelallergie ist sehr schwierig, da bei ihnen alle Allergietests unauffällig bleiben.

Bei chronischen, immer wiederkehrenden Beschwerden muss man auch noch an chronisch-entzündliche Darmerkrankungen denken (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa). Bei Kindern kann auch eine Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) oder eine schlechte Aufnahme von Fruchtzucker über den Darm (Fruktosemalabsorbtion) die Probleme verursachen.

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