Die Allergie-Experten von stern.de beantworten Ihre Fragen:
Werden der Darm und das Immunsystem von Kindern relativ früh mit fremden Eiweißen konfrontiert, kann sich bei vorbelasteten Kindern eine Allergie entwickeln. Das noch unreife Immunsystem ist gerade dabei zu lernen, welche Eiweiße zum eigenen Körper gehören und welche schädlich sind und abgewehrt werden müssen. Kommen in diesem Prozess zu früh große Eiweißmoleküle ins Spiel, stuft der kindliche Darm die Proteine fälschlicherweise als gefährlich ein und entwickelt dagegen eventuell IgE-Antikörper.
Ja, vor allem bei Kindern geschieht das häufig. Aus verschiedenen Studien weiß man, dass ein großer Teil der Kinder, die als Säugling auf Kuhmilcheiweiß allergisch reagierten, diese Empfindlichkeit nach wenigen Jahren wieder verlieren. Deshalb sollte alle ein bis zwei Jahre der Kinderarzt eine bestehende Allergie kontrollieren. Bei den meisten Kindern bilden sich Nahrungsmittelallergien bis zum Schulalter wieder zurück. Eine Forschergruppe aus Wien behauptet, dass ältere Menschen wieder erneut ein erhöhtes Risiko haben, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. Die Wissenschaftler erklären das Phänomen damit, dass die Verdauung der Eiweiße im Alter wieder schlechter wird. Dadurch werden unverdaute Eiweißmoleküle über die Lymphe in den Blutkreislauf aufgenommen und kommen mit dem Immunsystem in Kontakt. Eine ähnliche Situation wie bei den Kindern: Allergiegefährdete Menschen (Atopiker) könnten wieder neue Antikörper gegen bestimmte Nahrungsmittel bilden. Diese Hypothese ist aber noch nicht ausreichend bewiesen.
Wie stark die allergische Reaktion ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählt die Art des Allergens. Besonders aggressive Allergieauslöser sind zum Beispiel Fischeiweiß, Erdnüsse und Sellerie. Aber auch die Menge spielt eine wichtige Rolle. Und manche Lebensmittel verlieren ihre allergene Wirkung, wenn sie zubereitet werden. Co-Faktoren wie körperliche Anstrengung oder Alkohol können in manchen Fällen eine allergische Reaktion fördern. Inwieweit die Psyche bei Nahrungsmittelallergien eine Rolle spielt, ist noch nicht geklärt. Fest steht, dass chronische Entzündungen, zu denen man eine Allergie im weitesten Sinne auch zählen kann, durch lang andauernden Stress verstärkt werden. Aber es gibt keine typische Stresspersönlichkeit, die eine besondere Anfälligkeit für Allergien besitzt.
Einflussfaktoren bei Nahrungsmittelallergien sind:
Wenn Sie schon einmal sehr schwer auf ein Nahrungsmittel reagierten, also unter Kreislaufbeschwerden, Atemnot, Schwindel oder sogar einem anaphylaktischen Schock gelitten haben, sollten Sie immer ein Notfallset bei sich haben und vor allem auch zu Essen außer Haus mitnehmen. Zum Notfallset gehören ein Kortison, Antihistaminika und eine Fertigspritze, mit der Sie das Notfallmedikament Adrenalin selbst direkt unter die Haut in den Muskel spritzen können. Ihr Arzt sollte Ihnen mögliche Frühsymptome einer schweren allergischen Reaktion und die genaue Handhabung erklären.
Bei einer Milcheiweißallergie reagiert das Immunsystem nur auf ein oder mehrere Eiweiße aus der Kuhmilch. Sowohl Milchzucker als auch Milchsäure sind in der Regel gut verträglich. Milchzucker (Laktose) ist das Kohlenhydrat der Milch, er wird bei der Herstellung von Medikamenten und in der Lebensmittelindustrie verwendet und von den Eiweißbestandteilen getrennt. Nur bei einer sehr ausgeprägten Allergie gegen Milcheiweiß ist Vorsicht geboten. Die Milchsäure (Laktat) hat im eigentlichen Sinne nichts mit der Milch zu tun und ist deshalb für Milcheiweißallergiker unbedenklich. In der Lebensmittelindustrie entsteht aus Kartoffel- oder Getreidestärke mit Hilfe eines Enzyms Maltose, danach vergärt das Abbauprodukt mit Hilfe von Milchsäure-Bakterienkulturen zur Milchsäure.