Muskelspiele am Lake St. Clair

15. Januar 2013, 00:40 Uhr

Bei der North American International Auto Show in Detroit strotzen die amerikanischen Autobauer vor Optimismus. Die deutsche Konkurrenz hält kräftig dagegen.

Die North American International Autoshow in Detroit brummt wieder. Die Messestände sind ausgebucht und von der Endzeitstimmung der Jahre 2009 / 2010 ist nichts mehr zu spüren. Bei allem Umweltbewussten, das sich auch jenseits des Atlantiks manifestiert hat, ist die PS-Lust wieder größer denn je. Elektroautos und neue Hybriden stehen allenfalls am Rande. Bestes Beispiel ist die neue Corvette C7 Stingway. Als seinerzeit zur Diskussion stand, die neue Corvette mit einem kleineren, aufgeladenen Sechszylinder zu bestücken, schrie die Fangemeinde um Hilfe. So bietet der coole US-Sportler nicht nur ein scharfes Aussehen, sondern auch einen 6,2 Liter großen Achtzylinder mit 450 PS. That\'s America! Es geht wieder etwas auf dem US-Markt. Nach einem sehr guten Jahr 2012 mit 14,5 Millionen verkauften Neuwagen erwarten die Experten für 2013 bis zu 15,5 Millionen Autos. Die deutschen Hersteller konnten ihren Absatz in den USA zuletzt um fast 66 Prozent auf knapp 1,3 Millionen Fahrzeuge steigern.

Bei so viel Pferdestärken-Protzerei lassen sich die deutschen Autobauer natürlich auch nicht lumpen und ließen ihrerseits ein paar Pferde von der Leine. Zwei der Haupt-Protagonisten stehen in der Cobo Hall in Sichtweite zueinander: Das BMW M6 Gran Coupé und der Audi RS7 haben beide 560 PS und sind beide wie gemacht für eilige Reisen. Was dem BMW M6 Gran Coupé fehlt? Ein Allradantrieb, den der Audi RS 7 serienmäßig hat. Was Audi und BMW recht ist, kann Porsche nur billig sein. Die Zuffenhausener schicken den Cayenne Turbo S mit 550 PS als Weltpremiere ins Rennen. Wem das nicht reicht, gönnt sich mit dem Bentley Continental GT Speed Cabrio den schnellsten offenen Viersitzer auf der Welt. Und sonst? Neben dem aufgefrischten Roadster Z4 präsentieren die Münchner die bereits bekannte Studie BMW 4 Concept Coupé und die Tochter Mini frönt der PS-Freude mit der 218-PS-starken John-Cooper-Works-Version des Pacemans. Audi hat seinem Kompressor-Dreiliter-Motor noch 21 Zusatz-PS geschenkt und befeuert den SUV SQ5 mit 354 PS. Allerdings wird dieser Kraftprotz nicht nach Deutschland kommen. Hier muss der 313 PS starke Diesel SQ5 reichen. Eine Klasse darüber tritt der frisch überarbeitete Jeep Grand Cherokee an.

Volkswagen demonstriert mit der 4,99-Meter-Studie CrossBlue wie ein zukünftiger SUV neben dem Edel-SUV Touareg aussehen könnte. Der kantige Siebensitzer ist mit seinen betont ausgestellten Radläufen trotz aller teutonischen Design-DNA auf den amerikanischen Markt ausgerichtet. Der Siebensitzer basiert auf dem modularen Querbaukasten und zeigt mit einem Radstand von 2,98 Metern und einer Länge von 4,99 Metern, welches Potential in der neuen VW-Architektur steckt. Der CrossBlue dürfte 2015 zu Discountpreisen auf den US-Markt kommen und die Rolle des verlängerten Tiguan einnehmen. Der Antrieb erlaubt ebenfalls einen Blick in die Zukunft. Unter der bläulich schimmernden Motorhaube steckt eine Kombination aus einem TDI-Diesel, zwei Elektromotoren und einem Doppelkupplungsgetriebe. Insgesamt ergibt das 305 PS und ein Drehmoment von 700 Newtonmetern. Trotz dieser Kraft soll der Dieselhybrid einen Verbrauch von 2,1 Liter pro 100 Kilometer schaffen.

Den neuen kleinen CLA als Parallelmodell zur C-Klasse gibt es nur für ausgesuchte Beobachter abseits der Messe zu sehen. So dreht sich auf der Messe selbst alles um die E-Klasse. Um der E-Klasse einen angemessenen Start zu verschaffen, holten die Schwaben die Troja-Helena Diane Krüger zusammen mit ihrem Schauspiel-Lebensgefährten Joshua Jackson und den amerikanischen Sänger Bruce Hornsby auf die Bühne. Neben der Limousine und dem T-Modell Star auf dem Messestand: der 585 PS starke E 63 AMG S mit Allradpower. Für Mercedes-Benz ist die USA mit 304.000 Verkäufen im letzten Jahr wieder der wichtigste Automarkt. Da ist es ganz entscheidend, dass die E-Klasse wieder Erfolg hat. "2013 wird ein gutes Jahr für Mercedes"; stimmt Mercedes-Chef Zetsche in die Optimismus-Arie ein. "Das Premium-Segment ist in den entscheidenden Märkten der Welt immer mehr eine Domäne der deutschen Automobilhersteller. Deutschlands Autobauer punkten sowohl in Europa und Asien als auch in den USA mit ihren Premium-Produkten. Es zahlt sich aus, dass die deutsche Automobilindustrie konsequent auf Innovationen setzt, um ihre Kunden zu begeistern und neue Kundengruppen zu erschließen", kommentiert Felix Kuhnert, Partner und Leiter des Bereichs Automotive bei PwC in Deutschland und Europa.

Lexus bläst mit dem neuen IS zur BMW 3er Attacke. Der Mittelklasse-Japaner will mit seinem auffälligen Diablo-Grill und einer Hybrid-Version mit die 210 PS endlich Fahrspaß und Spritsparen miteinander verbinden. Die Obere-Mittelklasse-Limousine Toyota Avalon wird es nur in Amerika geben. Anders schaut die Sache beim Honda Urban SUV Concept aus. Der kompakte Crossover, der sich mit dem Honda Jazz die Technik teilt, wird im nächsten Jahr nach Europa und die USA kommen. Der Cadillac ELR ist im Grunde ein luxuriöser Chevrolet Volt/Opel Ampera, die weltweit nach wie vor wie Blei in den Autohäusern stehen. Deutlich interessanter ist das Pick-Up-Doppel aus Chevrolet Silverado und GMC Sierra. Der Bestseller Silverado auf Platz zwei der amerikanischen Verkaufsstatistik hinter dem noch erfolgreicheren Ford F-150 bietet neues Design und drei neue verbrauchsgünstigere Motoren (einen V6 und zwei V8), die mit Zylinderabschaltung ausgestattet sind. Mary Barra, verantwortlich für die Entwicklungen bei GM: "Chevrolet ist weltweit die am stärksten wachsende Marke. Mit unserer neuen Strategie "New Roads" wollen wir weiter nach vorn." Ansonsten nutzt Chevrolet das automobile Stelldichein als Schaufenster seiner globalen Produktpalette und präsentiert mit dem Onix, Spin, Trax, Sail und dem Orlando gleich fünf Modelle, die außerhalb der USA produziert und verkauft werden.

Der Sail ist das erste Auto, das in China von einem Joint Venture mit ausländischer Beteiligung entwickelt und produziert wird. Jetzt soll die Segeltour weiter um die Welt gehen und der Kleinwagen soll in Chile, Peru, Bolivien Indien, Kolumbien und Ekuador verkauft werden. Ähnliches wird vom Spin erwartet: Der kompakte Van bildet die Sperrspitze für GM im aufstrebenden ASEAN-Markt. Der Spin bietet Platz für sieben Passagiere und wird ab diesem Jahr in Thailand und Indonesien verkauft. Der Kompakt-SUV Trax ist der Bruder des Opel Mokka und wird bereits seit dem letzten Jahr in Kanada und Mexiko angeboten. Auch der Orlando ist ein Van mit Crossover-Genen. Der Onix wird schon seit letztem Jahr in Brasilien verkauft. Der Fließheck-Kleinwagen hat 1,0- und 1,4 Liter-Motoren, die mit bis zu 100prozentigem Ethanol betrieben werden können.

Dodge führt mit dem Dart die neue Generation der Multiair-2-Motoren ein. Die viertürige Stufenheck-Limousine hat 184 PS. Im SUV-Rodeo gegen den Silverado und dem Ford F-150 hält der Dodge Ram mit der Auszeichung "Truck of the Year 2103" dagegen. Hyundai atmet in Europa durch, aber in den USA sind die Koreaner weiter im Angriffsmodus. Die sportliche Studie HCD-14 gibt einen Ausblick auf Hyundais nächste Generation der Premium-Limousine Genesis mit einem Bedienkonzept, das auf Gesten reagiert. Nissan versuchte, alle Sinne der Messe-Besucher anzusprechen: Durch den futuristisch gestalteten neuen Messestand waberte der Duft von grünem Tee. Dieses Aroma soll bei allen Nissan-Händlern in den USA für gute Luft sorgen. Der neue Nissan Leaf ging trotzdem bei der Reizüberflutung nicht unter. Die Premium-Tochter Infiniti startet mit der Detroit Autoshow eine neue Nomenklatur: Das Kürzel QX kennzeichnet die SUVs und Crossover, während die Limousinen und Cabrios zukünftig mit dem Q beginnen. Den Auftakt macht die Stufenheck-Limousine Q 50 auf der Detroiter Messe.

Detroit Motorshow 2013
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