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20. Februar 2009, 13:03 Uhr

Zu klein, zu schlecht, zu teuer

Das Imperium von General Motors beginnt sich aufzulösen. Als erste Tochter geht Saab in die Insolvenz. Die Mutter sorgt sich nicht um den Fortbestand des schwedischen Autobauers, sondern nur darum, wie die Kosten des Zusammenbruchs abgewälzt werden können. Wer Opel retten will, muss jetzt handeln, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Von Gernot Kramper

Vor der Ehe mit GM war Saab ein kleiner, aber feiner Autohersteller. Jetzt kommt das Aus.© Oliver Berg/DPA

Der schwedische Autobauer Saab hat die Konsequenz gezogen und Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte die schwedische Regierung weitere Staatshilfen rigoros abgelehnt. Zu Recht, sagt der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "So bitter es ist, es ist vollkommen richtig, dass die schwedische Regierung sich nicht erpressen lässt und Saab in die Insolvenz gehen lässt. Saab ist nicht zu retten." Schon zuvor hatte GM bei der Vorlage seines Sanierungskonzepts verkündet, der Konzern brauche etwa 6 Milliarden Dollar direkte Unterstützung von Kanada, Deutschland, Großbritannien, Schweden und Thailand, damit die GM-Töchter ausreichend Liquidität zur Verfügung hätten. Eine Summe, die nur den Fortgang der Geschäfte ermöglicht hätte. Eine Zukunftsperspektive wäre damit nicht gesichert.

Und für die kleine Tochter Saab schon gar nicht. "Saab ist einfach zu klein. Und in dieser Zeit mit einer so schlechten Produktpalette von 100.00 verkauften Einheiten auf die benötigten 400.000 Einheiten gehen zu wollen, das ist vollkommen illusorisch", so Dudenhöffer. Für Westschweden ist der bevorstehende Untergang von Saab eine Katastrophe, aber nicht mehr zu vermeiden. Seit Jahren wurde kein Gewinn erzielt und am Beispiel Saab lässt sich wie im Lehrbuch zeigen, wie die Detroiter Mutter die schwedischen Tochter ruinierte. "Saab war einmal eine hochinnovative, starke Marke und dann kam GM. Jetzt sind die Fahrzeuge umgestaltete, alte Vectras, die mit Premiumanspruch verkauft werden wollen und gegen BMW und Audi antreten sollen", erläutert Dudenhöffer. "Das geht natürlich nicht gut."

Die Pläne des geschäftsführenden Saab-Direktors Jan-Ake Jonssons, Saab nach einer Neuorganisation als selbstständige Marke weiter führen zu wollen, beurteilt Dudenhöffer skeptisch. Eine Lösung der strukturellen Probleme von unattraktiven Modellen und geringen Stückzahlen sei so nicht zu lösen. Das Manöver einer Saab-Loslösung in der Insolvenz könnte gar kein Versuch sein, einen Neuanfang für den Traditionshersteller zu ermöglichen, viel näher liege die Annahme, dass sich GM damit nur einen Mühlstein vom Hals schaffen will. Der unvermeidliche Saab-Zusammenbruch werde enorme Insolvenzkosten verursachen. "Aber auch wenn Saab sich trennen will und in die Insolvenz geht, schüttelt GM damit die Kosten natürlich nicht ab. Das wird alles etwas komplizierter und wird viele Anwälte beschäftigen. Aber GM gewinnt Zeit, bevor die Kosten in den USA ankommen. Die Fortexistenz von Saab ist eine Fiktion, wenn Saab jetzt noch weiter produzieren will, sind die Fahrzeuge doch spätestens seit heute nicht mehr verkäuflich."

Die Stockholmer Zeitung "Expressen" berichtet über Verhandlungen, die mit Opel über ein Zusammengehen ohne die bisherige US-Konzernmutter GM geführt würden. So eine Kooperation wäre ein gefährliches Geschenk. Wer Opel retten will, darf laut Dudenhöffer nicht auf die GM-Pläne vertrauen. "In Deutschland müsste die Politik viel aktiver daran arbeiten, eine Opel-AG aus dem Konzern GM herauszulösen. Stattdessen, wird gar nichts getan und erst einmal abgewartet." Der Blick der Politik verenge sich viel zu sehr auf die Standorte und vernachlässige die komplexe Aufgabe, wie man Opel aus dem Konzern herauslösen könne. "Die Öffentlichkeit schaut auf Arbeitsplätze, Standorte und Fabriken. Dabei sind die Fabriken in der Hochlohnzone Westeuropa genau das, was keiner haben will. Wichtig sind Entwicklung, Vertrieb und das Know-How der Marke Opel."

Zeit darf nicht mehr verloren werden, denn das Beispiel Saab zeigt, wie wacklig das gesamte Konstrukt von General Motors bereits ist. "Ohne die Milliarden der US-Regierung läuft gar nichts mehr und wo GM mit diesem Geld hingeht, dass weiß niemand", so Dudenhöffer. "Es ist also zu verstehen, dass die schwedische Regierung diesen Unsinn nicht mitmacht." Der Zusammenbruch von Saab wird erst der Anfang, das Jahr 2009 wird voraussichtlich das Verschwinden weiterer Automarken erleben. Das Ende von GM-Marken wie Pontiac und Saturn ist bereits angekündigt. Darum wird der Markt aber nicht übersichtlicher, sagt Dudenhöffer. "Nach 2011 werden die Chinesen weltweit viel präsenter werden. Da wird der Kunde dann ganz neue Namen lernen müssen."

Von Gernot Kramper
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
Politix (21.02.2009, 18:53 Uhr)
@Medley
jaaaaa, ich weiß! Das ist völlig korrekt, was Sie sagen!
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Aber europäische Ingenieurskunst ist damals WIE heute noch führend in Sachen Innovationen und einem Unternehmen, wie Saab kann es nur gut tun, wenn es sich als kleiner aber feiner Spezialist hervortut. Wenn wir eines gelernt haben in den Krisen, dann, dass Spezialisten immer ihr Geld verdient haben und Innovation sich ausbezahlt hat.
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Ganz grauenhaft sind diese ständigen Kastrationen innovativer Ideen durch amerikanisches Management!.
Siehe IBM und der PC! Diese Geschichte finde ich immer noch köstlich, wenn ich darin sehe, wie kurzfristiges Denken ganze Unternehmen um die Früchte ihrer innovativer Mitarbeiter bringt.
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Auf der anderen Seite muss man auch sagen, die Amerikaner haben wenigstens die Firmen mit ihren innivatioven Ideen gekauft. Der Chinese hätte einfach nur kopiert!
Medley (21.02.2009, 17:39 Uhr)
@Politix
Die zweifelsohe tollen Technikinovationen von Saab wurden VOR der GM Übernahme von schwedischen Ingieneuren entwickelt, nach der GM Übernahme wurde bei Saab nur noch die GM Großmassenserientechnik von Opel und Sonstigen bei Saab verwendet. Siehe auch den aktuellen Spiegel-Online Artikel von heutigen Tag.
Politix (21.02.2009, 17:14 Uhr)
@Der-nette-Nachbar
bevor Sie hier solch schlaue Sprüche verlauten lassen, sollten Sie besser mal in die Geschichte des Autos und in den Beitrag von Saab tief eintauchen. Und schon recht schnell werden Sie feststellen,dass die Innovation "Turbo-Motor" von...
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na können SIe's erraten???
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Richtiiiiiig: SAAAAAAAB entwickelt wurde.
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Na wenn das keine Innovation war, dann weees ick oooch nüsch!
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Weiterhin, die Technik und die Sicherheitskonzepte von Saab sind bis heute richtungsweisend.
Bsp: Zündschlos in der Mittelkonsole, zur Vermeidung von Trümmerbrüchen im Knie- und Beinbereich bei Frontalzusammentößen!
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Saab-Motoren halten übrigens locker 400.000 - 500.000 Km und das bei gar nichtmal so guter Wartung! Das muss Ihnen erstmal ein BMW, Benz oder sonst eine Marke nachmachen.
hq79 (21.02.2009, 01:24 Uhr)
Billigargumentation
Man macht es sich immer schön einfach. Opel muß herausgelöst werden. Ein simpler und scheinbar schlauer Spruch. Dabei läßt man schnell unter den Tisch fallen, daß hier in Deutschland bei Opel die Plattformen für fast sämtliche GM Töchter entwickelt werden, und daß die Hälfte der GM Strom- und Hybridforschung auch hier in Deutschland liegt. Ja, wie soll denn da bitte ein schnelles Herauslösen funktionieren? In jedem Saturn, Vauxhall, Holden, Saab, Buick und Chevrolet steckt ein Opel. Der neue tolle Insignia steht auf der GM Epsilon II Plattform. Wenn man Opel aus GM rauslöst, bastelt man sich dann fix ein neues rein deutsches Entwicklungszentrum? Oder teilt man sie sich dann doch wieder? Glaubt denn wirklich jemand GM gäbe dann eins seiner wichtigsten Entwicklungszentren auf? Hat her Dudenhöffer hier auch nen schlauen Kommentar?
Corazito3333 (20.02.2009, 19:04 Uhr)
hörte die Glocken läuten
hoffentlich informieren sich unsere Politiker auch mal, bevor noch ein Milliarden den Abfluß runtergehen.
Nursery (20.02.2009, 15:10 Uhr)
Dominosteine fallen
Erste Auflösungserscheinungen bei GM zeigt das Opel bald der nächste Sein kann.
Der-nette-Nachbar (20.02.2009, 15:09 Uhr)
edit:
"Wäre _mir_ selbst TATA noch vor SAAB eingefallen" hätte es natürlich heissen müssen. Sorry, hatte am Satzbau gefeilt und das "ich" übersehen.
Der-nette-Nachbar (20.02.2009, 15:07 Uhr)
Saab vs. Tata
Mal von einem ganz anderen Standpunkt aus betrachtet:
Würde mich jemand nach einem Autobauer mit 4 Buchstaben fragen, wäre ich wohl selbst "TATA" noch vor "SAAB" eingefallen. Die Marke hat keine Öffentlichkeitswirkung, keine Innovationen usw hevorgebracht. Kurz: Bevor es um die PleiteNews ging, hatte ich sie eh schon vergessen. Traurig aber wahr.
Pixelschubser (20.02.2009, 14:44 Uhr)
Zu klein, zu schlecht, zu teuer?
Ist klar.
Saab war schon immer klein. Sind andere "Premiumanbieter" auch, aber die werden nicht zugemacht. Warum?
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Saab war nicht nicht immer so schlecht - erst seit der Übernahme durch die GM-Blase. Warum?
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Auch teuer war es schon immer, einen Saab zu fahren. Aber man bekam dafür (zumindest früher) ordentlich was geboten. Seit GM nun nicht mehr. Warum?
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GM scheint, was die traurige Entwicklung auf dem Automarkt angeht, eine der Mütter allen Übels zu sein. Und jetzt, wo man nicht mehr kann, muss ein solches traditionsreiches Unternhmen darunter leiden - genau wie Opel.
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Also ganz ehrlich - von so viel Glockengeläute bekomme ich Kopfschmerzen!
Benkku (20.02.2009, 14:22 Uhr)
Hört die Glocken läuten!
Keinen Cent den Pleitegeiern! Keine Veruntreuung von Steuergeld!
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