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20. Juni 2010, 18:41 Uhr

BP-Chef Hayward geht segeln

Er wollte sein altes Leben zurück, nun hat er es. BP-Chef Tony Hayward genießt eine Regatta mit seiner Yacht – während der Golf von Mexiko weiter voller Öl läuft. Unterdessen könnten die Kosten für den Konzern weit höher ausfallen, als geplant.

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BP-Chef Hayward wird arrogantes, verletzendes Verhalten vorgeworfen© Getty Images

Er gilt als Buhmann des Ölpest-Dramas im Golf von Mexiko - und von diesem Image scheint BP-Chef Tony Haywards auch nicht mehr so schnell wegzukommen. Gerade erst ist er von seinen Pflichten als Krisenmanager entbunden worden, denn, so sagte er oft, er wolle sein altes Leben zurück. Nun hat er es zurück - und, statt sich ein wenig aus der Schusslinie zu bringen, sorgt er sofort mit einem erneuten taktlosen Auftritt für die nächste Negativschlagzeile.

Denn: Während das Öl weiter ins Meer sprudelt, nahm Hayward an einer Yacht-Regatta in seiner englischen Heimat teil - und sorgte damit für große Empörung. Er wurde am Samstag, keine 24 Stunden nachdem er den Hut als Krisenmanager hingeworfen hatte, von Fotografen auf seinem luxuriösen Segelschiff "Bob" bei der Regatta vor der Isle of Wight im Ärmelkanal abgelichtet.

Obama entspannt bei einer Runde Golf

Das Weiße Haus in Washington kritisierte Haywards Verhalten scharf. "Das ist Teil einer langen Liste von Ausrutschern und PR-Fehlern", sagte der Stabschef von US-Präsident Barack Obama, Rahm Emanuel. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Denn auch für US-Präsident Barack Obama entwickelt sich die Ölpest immer mehr zum PR-Desaster. Küstenbewohner von Louisiana bis Florida reagierten empört darauf, dass Obama und Vizepräsident Joe Biden sich am Samstag in Washington bei einer Runde Golf entspannten. In Twitter-Diskussionen wurde ihr Verhalten mit dem von Hayward verglichen.

Die sich ausbreitende Empörung über das Verhalten der Oberen spiegelte sich auch in Umfragen wider: Mehr als die Hälfte - 52 Prozent - der in einer Umfrage von AP-GfK befragten US-Bürger bezeichneten Obamas Krisenmanagement als unzureichend. Ein Fischer in Grand Isle in Louisiana, Dwayne Price, reagierte sarkastisch: "Es sieht so aus, als ob sich unsere Regierung und die Chefs von BP später drum kümmerten."

"Es ist der Gipfel der Arroganz"

Die BP-Presseabteilung versuchte unterdessen, für Verständnis für Haywards Ausflug zur Jacht-Regatta zu werben: Sprecher Robert Wine wies darauf hin, dass es Haywards erste Pause seit der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" am 20. April sei, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen.

Doch das Unverständnis darüber bleibt: Der Senator aus Alabama Richard Shelby, dessen Bundesstaat mit den Folgen der Ölpest zu kämpfen hat, nannte Haywards Teilnahme an der Regatta im TV-Sender Fox News "den Gipfel der Arroganz". Die Umweltschutzorganisation Greenpeace prangerte das "verletztende" Verhalten des BP-Chefs an. "Das streut Salz in die Wunden", sagte Sprecher Charlie Kronick.

Hayward war in einer Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag äußerst scharf angegangen worden und hatte schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Ölunfall im Golf von Mexiko eingestanden. Am folgenden Tag wurde er vom Krisenmanagement der Ölpest abgezogen. Die Aufgabe soll nun BP-Manager Robert Dudley übernehmen.

Kosten könnten auf 100 Milliarden Dollar explodieren

Unterdessen wappnet sich BP gegen die hohen Kosten der Beseitigung der Ölpest. Der Konzern will laut "Sunday Times" 50 Milliarden US-Dollar (40 Mrd Euro) eintreiben. Direktoren des Konzerns hätten dem Plan zugestimmt, um ausreichend Barreserven für mögliche Schadensforderungen zur Verfügung zu haben.

Die Summe setzt sich dem Bericht zufolge aus drei Posten zusammen. Ein Verkauf von Anleihen soll 10 Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Der finanziell angeschlagene Konzern will außerdem Darlehen in Höhe von 20 Milliarden Dollar aufnehmen. Durch den Verkauf von Vermögenswerten in den kommenden zwei Jahren sollen weitere 20 Milliarden Dollar eingenommen werden.

BP hatte bereits der Zahlung von 20 Milliarden Dollar in einen Treuhandfonds für die Opfer der Ölpest zugestimmt. Analysten warnten jedoch davor, dass die Kosten der Umweltkatastrophe am Ende auf bis zu 100 Milliarden Dollar anschwellen könnten.

zen/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 62)
 
hugosalias-stern@yahoo.com (22.06.2010, 21:37 Uhr)
Verantwortung tun !
Ich stimme der Wahrnehmung von "der2groeste" zu und frage mich wie es zu diesem Verantwortungsschwund kommt, in einer Zeit, in der so viel über unternehmerische Verantwortung gesprochen wird. Noch nie war dieses Thema so populär wie heute. Befinden wir uns heute in einem Irrgarten von Strukturen dass wir nicht zum verantwortungsvollen handeln kommen ?
butcher99 (22.06.2010, 15:13 Uhr)
jetzt mal etwas mehr Veständnis bitte
ich möchte am Wochenende auch nicht auf den Törn mit meiner Segeljacht, äh Luftmatratze verzichten
Wahrhyde (22.06.2010, 02:43 Uhr)
add: So lief es auch bei der Finanzkrise. Erst waren es die Banker, ach nee, dann doch die Politicians, oder: wer denn nun?

Während wir noch debattieren, läuft alles seinen gewohnten Gang..

Teile und herrsche!
Wahrhyde (22.06.2010, 02:37 Uhr)
Come on, Ladies and Gentleman!
Wer die Worte 'Golf' und 'Obama' in den Mund nimmt, ist der PR-Propaganda bereits aufgesessen!

Ihr schießt der einzigen Macht in die Knie, die noch etwas reißen kann. Auch ein US-Präsi kann nicht alles einfach so befehlen.

Macht Euch nicht zum Büttel der Strippenzieher!
LaoLu (22.06.2010, 02:12 Uhr)
Geil, Lothar! Einfach Abschiebern!
Schraube etwas lösen, Schieber zwischen, Schraube wieder fest, Banane.

Das da von den "Experten" keiner drauf gekommen ist!
der2groeste (22.06.2010, 00:36 Uhr)
Der Kommentar
Habe gerade einen Kommentar in der BBC über BP gesehen. Es ist dort genauso wie ich gesagt habe. Wegen Profitgier wurden minderwertige Teile eingebaut. Fehlerhafter Beton,fehlerhafte Sicherheitsventile und vernachlässigte Reparaturen, wegen Produktionsausfall.
Risikomanagement schief gelaufen. Ein paar Herren von BP haben jetzt einen kriminellen Tatbestand am Nacken und könnten in den Knast wandern. Das sollte jedem Management auf dieser Erde eine Warnung sein.
MMSterling (21.06.2010, 23:31 Uhr)
Das Problem ist nicht EIN Manager
sondern daß man Bohrungen im Meer überhaupt zuläßt, und dann noch nicht mal unter Verwendung der vorhandenen Technik. Daß man weiter Öl fördert, anstatt mehr Geld in alternative Technik zu investieren.

Auch in einem Jahr werden diese Firmen wieder bohren, werden USA und Bundesstaaten wieder Geld für Lizenzen einnehmen. Und ob der Manager nun segelt oder Obama eine Runde Golf spielt, ist doch völlig Wurst. Das Öl wird noch Monate ins Meer fliessen, ob die beiden nun am Strand um totte Vögel herumhopsen oder nicht.

Und nächstes Jahr heißt es dann wieder...ach, war doch nur halb so schlimm.
master_of_chaos (21.06.2010, 22:47 Uhr)
Also ich tank nicht mehr bei B.. Aral..

Was mir bei Thema einfällt, hatte als Kind m,al ein tolles Buch, was mit den Südseefischen zu tun hatte, war von Esso... mit Bildern zum einkleben.. in Farbe...
Jetzt reicht da ja wohl schwarz weiss.. muha..


Stones60 (21.06.2010, 21:51 Uhr)
zweierlei Maß bei Umweltsünden
Haywards hat einen ganz wichtigen Punkt übersehen. BP hat im Garten der USA eine Ferkelei angerichtet und nicht wie Shell im Dunklen Afrika (Nigeria).
siehe bei Jean Ziegler "Der Hass auf den Westen"
der2groeste (21.06.2010, 20:15 Uhr)
Die Kaste
Es gab eine Zeit, da waren Führungskräfte, Manager in einem bestimmten reifen Alter mit Verantwortungsbewusstsein. Dann wurden diese immer Jünger mit immer höherer Risikobereitschaft. Zocker Management. Alles Riskieren und nichts Verantworten. Das ist das Motto, bei BP, bei den Banken und bei den Regierenden Parteibonzen. Verantwortung ist schon lange gestorben, es sind immer die anderen Schuld.
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