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27. März 2008, 17:25 Uhr

Mit 400 Sachen in die Blamage

Die gute Nachricht ist: Der Transrapid zwischen München und München wird nicht gebaut. Die schlechte Nachricht ist: Das hätte man früher und billiger haben können, wenn nicht größenwahnsinnige Politiker und unfähige Konzerne wären. Von Andreas Hoidn-Borchers

Milliardengrab Transrapid© Jörg Koch/DDP

Es gibt ja Feinschmecker, die in der Imbissbude ihre Currywurst mit Champagner runterspülen müssen. Oder Amerikaner, die im Tempolimitland USA partout mit einem Ferrari über die Highways zockeln wollen. Man nennt das Luxus. Es ist überflüssig und schweineteuer, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Für irgendwas muss man schließlich seine Kohle verprassen.

Deshalb gibt es auch Landesfürsten, die glauben, man müsse seinen Flughafen und seinen, äh, äh, Hauptbahnhof mit einer Art S- Bahn de luxe verbinden. Sie gehören zur Gattung homo politicus stoibergensis. Sie forcieren unsinnige Projekte, dass man sich fragen muss: Leiden sie nur an bisschen zuviel Größenwahn? Oder schon an Realitätsverweigerung? Und man freut sich dann doch ziemlich diebisch, wenn einer dieser Pläne irgendwann dahin geht, wo er hingehört: in die Lederhose. Und zwar so krachend, wie er es verdient hat.

Gehobener Schwachsinn

München und Hamburg mit dem Transrapid verbinden zu wollen, war mal eine schöne Idee. Sie war sogar noch einigermaßen sinnvoll. Sie war nur nicht zu realisieren. Stattdessen eine Transrapidstrecke von Hamburg nach Berlin bauen zu wollen, grenzte dagegen schon an gehobenen Schwachsinn. Die Steigerung war schließlich der Plan von Wolfgang Clement (Noch-SPD), die Magnetschwebebahn dann eben zwischen ein paar Ruhrgebietsstädten fahren zu lassen, zwar eher trans als rapid, aber was soll der Geiz.

Tja, und dann kam Edmund Stoiber. Ach, nur so nebenbei: Gescheitert ist nicht die Steigerungsform von gescheit. Das gilt auch Stoibers politischen Nachfahren Erwin Huber und Günter Beckstein. Wären sie bei vollem politischen Verstand gewesen, hätten sie die Idee von der 37-Kilometer-Strecke sofort nach Amtsübernahme beerdigt.

Nun wollte Beckstein die aus seiner Sicht schlechte Nachricht dann lieber doch im fernen Berlin unters Volk bringen, dass man den Transrapid doch nicht fahren lassen wird in und um München herum. Kann man auch gar nicht. Geht nämlich nicht. Es ist nämlich zu teuer. Nicht nur einfach zu teuer, das war es schon immer. Sondern plötzlich unverschämt doppelt so teuer, dass es nicht mal die CSU mehr von den Steuerzahlern bezahlen lassen will. Jedenfalls nicht von den bayerischen. Stattdessen haben sie noch versucht, soviel Chuzpe muss sein, dem Bund eine weitere Milliarde Euro dafür aus dem Kreuz zu leiern. Das ist ihnen zum Glück nicht gelungen.

Beerdigung dritter Klasse

So ist das Ende des Transrapid in Deutschland eine Beerdigung dritter Klasse geworden - und ein Lehrstück zugleich. Es zeigt, wie vernagelt Politiker sein können, wenn sie glauben, sie könnten sich mit Ruhm und Prestige bekleckern und zugleich der Industrie zu Gefallen sein. Es zeigt aber auch, wie unverschämt vermeintliche Spitzenkonzerne agieren, wenn sie Staatsknete für sich und ihre Projekte herausholen wollen und dass man ihnen und ihren Kostenvoranschlägen besser aufs energischste misstraut.

Dass Siemens und ThyssenKrupp innerhalb weniger Monate Berechnungen präsentieren, die um bescheidene 1,6 Milliarden Euro voneinander abweichen, ist, vorsichtig formuliert, kein Ausweis von Seriosität. Entweder sie können nicht rechnen. Oder sie wollten lange Zeit nicht richtig rechnen. Man weiß nicht, was schlimmer ist.

Wenigstens ist Deutschland nun eine gigantische Steuergeldverschwendung erspart geblieben. Die Bayern können die vorgesehene halbe Milliarde sinnvoller ausgeben, und auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat nun 925 Millionen Euro übrig, um die sich seine Kabinettskollegen kloppen können. Und potenzielle Interessenten an der Transrapid-Technik dürfen weiter im Emsland proberauschen.

Es könnten also viele glücklich sein. Nur in der Haut von Günther Oettinger möchte man jetzt nicht stecken. Der baden-württembergische Ministerpräsident hat ein ähnlich ambitioniertes Schienen-Großprojekt vor sich: Stuttgart 21. Und mit Sicherheit seit heute die Frage im Kopf, was das wirklich einmal kosten wird.

Von Andreas Hoidn-Borchers
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
heiner5362 (30.03.2008, 13:50 Uhr)
und, vergessen
wer zahlt und die mrds an subventionen zurück, die die kapitaleigner so überaus beglückt haben ???
heiner5362 (30.03.2008, 13:47 Uhr)
schon mal gerechnet...???
was da an tonnen von kupferspulen verballert würde, die zudem auch erst noch unter äusserst hohem einsatz von energie produziert werden müssten(hochofen PLUS elektrolyse!!!)
das ganze prinzip des hebens per magnetfeld ist energetisch ein fass ohne boden, solang es keine hochtemperatur-supraleiter gibt.
es sei denn man stampft mal eben 30-50 AKWs aus dem boden.
na, das wollen wir ja auch nicht,gelle??
man berechne die differenz 1km stahlschiene zu 1km kupferspulen, die das tonnenschwere gerät heben und in spur halten kann.
dazu die differenz e-motor eines ice zu transrapid energieaufwandsmässig.
heraus kommt irrwitz.
bloss weil das ding magnetschwebt, ist das kein wunderhut.
37 kilometer weit kupferspulen mit einer feldstärke von einigen tesla, ja die hätt ich gern.der schrotthändler würde arm bei den rohstoffpreisen.
demnächst erfindet ein deutsches unternehmen eine railgun mit der man satelliten in den orbit ballern kann, nachteil allerdings :
deutschland müsste für einen schuss ins all ein jahr lang auf strom verzichten, um die kondensatoren aufzuladen.
also hirnverbrannt ist hier noch als höflichkeitsfloskel zu bezeichnen, was den kosten/nutzen-effekt betrifft.
ein ice auf 37km tuts auch meinetwegen alles 1.klasse.
und technologie hin und her, manches lässt sich eben nicht rechnen.
was bei stoiber und konsorten auf den geisteszustand schliessen lässt,respktive deren schwarzgeldkonten.
frilasvegas (29.03.2008, 11:22 Uhr)
die Krone aufgesetzt
Das Kapitel Transrapid ist schon traurig genug - wie auch immer man dazu stehen möchte. Aber dieser primitive und einfallslose Kommentar setzt dem ganzen die Krone auf.
auwei (28.03.2008, 12:23 Uhr)
Politik, dein Name sei Peinlichkeit
Tja, es tut weh, sich von etwas verabschieden zu müssen - das lässt sich prima an den Brüllzwergen unter den Kommentatoren ablesen, die Deutschland schon wieder auf dem Weg in die Steinzeit wähnen. Tatsache ist nunmal, dass die Technologie, so faszinierend sie sein mag, nicht recht in die (nationale und internationale) Verkehrspraxis passen will - sie hat den Praxistest schlicht nicht bestanden. So weit kein Drama (außer für Katastrophen-Siemens). Lustig (oder - je nach Standpunkt - traurig) ist die blind-dämliche Rolle der bayerischen Politik bei der ganzen Angelegenheit, genau das - und nur das - rechtfertigt die Häme, mit der der Stern-Kommentator die Großkopferten CSUler bedenkt. Das haben sich die Herren redlich verdient...äähh.
Aurum (28.03.2008, 09:00 Uhr)
Deutschland ein Wintermärchen
Wenn man beobachtet, wie lange in D die Projektplanung und die Genehmigungsverfahren dauern, kommt einen wirklich das Kotzen! Die Bürokratie hat Ausmaße angenommen, welche kaum noch zu übertreffen sind. Dieser aufgeblähte Apperat schluckt unsummen an Geldern, ohne Leistung zu erbringen. Schmarotzer sind dies! Und dann wundert man sich, daß eine Firma nach der Anderen Deutschland lebewohl sagt. Aber eine andere Alternative gibt es nicht.
danny2410 (28.03.2008, 08:26 Uhr)
Watschdog39 & ThomasA
Technologieland und Ahnung von Wirtschaft? Könnt Ihr auch mal realistisch bleiben? Deutschland war schon immer und wird auch immer ein Technologieland bleiben, mit oder ohne Transrapid. Nur man kann ganz einfach nicht etwas verkaufen, für das kein Markt da ist. Das weiss eigentlich jeder BWL-Student. Tagtäglich werden neue Sachen erfunden, manche setzen sich durch andere nicht. Der Transrapid ist ganz einfach nicht bezahlbar. Die Technologie ist ja klasse, das bestreitet niemand. Aber es will ihn keiner weil er nicht finanzierbar ist mit seinem eigenen Schienennetz. Und wären es nicht Siemens und Thyssen gewesen, die hier das tollste und allerbeste mit Hilfe mancher Politiker verkaufen wollten, wäre das ganze schon seit Jahren kein Thema mehr. Und der Artikel stimmt bis ins kleinste Detail. Und nicht die Politik ist schuld am Versagen, sondern die Konzerne, die sich eine Idee teuer bezahlen lassen wollten aber für den Vertrieb und das Schienennetz natürlich nicht zuständig sein wollten. Und welche normale Firma kann sich das erlauben?? Ein Produkt entwickeln und auf den Markt werfen ohne sich Gedanken darüber zu machen, wer das Ding eigentlich will und ob ein Markt vorhanden ist?? Darüber solltet ihr euch mal Gedanken machen.
hannes_schinder (28.03.2008, 07:31 Uhr)
Paradebeispiel China
Hitler war auch recht erfolgreich im Bau der Autobahnen. Was in China funktioniert sehen wir in Tibet.
Sicher wäre ein zukunftsorientiertes Projekt gut, dazu muss aber der Kostenrahmen definiert und absolut transparent sein, bis hin zu Beratergebühren. Im Grunde sollte der Steuerzahler jeden Überweisung einsehen können und die Möglichkeit haben zu intervenieren oder Vergleichsangebote einzuholen. Siemens steht schließlich nicht gerade für Ehrlichkeit in den Vorstandsetagen.
ThomasA (28.03.2008, 07:31 Uhr)
Adieu Technologieland Deutschland
Adieu Technologieland Deutschland
Wie passt die Ansicht „Deutschland Technologieland“, wenn
Wir nicht in der Lage sind dies auch zu beweisen.
Wie hier schon zum Teil aufgezeigt, muß man sein Können und Wissen
auch präsentieren. Das kostet im ersten Step eben auch mal Geld und
ist nicht gleich rentabel.
Im zweiten Schritt kommt dann der Erfolg.
So müssen sich die Visionäre um 1835 gefühlt haben.
Wäre man dort so vorgegangen, so würden wir noch heute mit dem
Fuhrwerk fahren.
Wenn der Ruf der Deutschen Technologiewirtschaft endgültig ruiniert ist
können wir dann ja wieder alle schreien und motzen oder
zurück zum Arbeiter und Bauernstaat gehen
AchazIII. (28.03.2008, 07:24 Uhr)
Wer hätte ihn den benutzen sollen?
Durch den Transrapid allein wäre kein neues Verkehrsaufkommen von München nach Freising entstanden.
Die Summe des Verkehrsaufkommens ist constant.
Als Alternativen standen und stehen die S-Bahn und die Autobahn zur Verfügung.
Flugreisende dürften in erster Linie Geschäftsreisende und Touristen sein. Die zunehmend vergreisende und verharzte deutsche Gesellschaft hat andere Sorgen als den Transrapid zu fahren. Die meisten Bürger, auch in Bayern, sind froh, wenn sie tagsüber satt werden und sich Brötchen (bayer. Semmeln) beim Bäcker um die Ecke noch leisten können. Selbst der Gang zum Bäcker, allerdings ohne Transrapid, dürfte für manche schon zu teuer sein.
Kurzum: Eine Gesellschaft, die zunehmend verarmt, hat andere Sorgen, als solche Flausen wie den Transrapid.
Watschdog39 (28.03.2008, 06:43 Uhr)
Da kommt doch der
typische linke "Intellektuelle" raus.
Von Wirtschaft keine Ahnung,aber jede Gelegenheit nutzen um hinterher zu kommentieren warum es nicht geklappt hat. Leider haben diese Leute durch ihre Meinungsmache in den Medien etwas Macht, aber kein Gewissen.
Jeder der mal in EBAY was verkauft hat weiß das er ohne Bilder (Anschauung) schlechte Karten hat.
Und so war es auch mit Transrapid geplant.
Wir müssen heute potenzielle Kunden dieser Technologie nach China schicken um zu ZEIGEN wie sie funktioniert.
Es ist schon eine paradoxe Welt, 70 Milliarden werden von den Banken verballert, die wir als Steuerzahler aufbringen müssen. So sieht staatliche Hilfe aus, wir sind der Staat und bezahlen. Aber bei solchen Projekten, die unserer Wirtschaft dienlich sind oder einer Rentenerhöhung um 1,1% (für jeden Rentner eine Beleidigung) wird wegen der Kosten gezetert.
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