8. Mai 2008, 08:45 Uhr

Angst um Hilfslieferungen

Langsam, sehr langsam rollt die Hilfe für die Wirbelsturm-Opfer in Myanmar an. Nachdem die Militärjunta endlich ihre Erlaubnis für Lieferungen gegeben hat, ist eine UN-Maschine der in Rangun gelandet. Doch die Generäle wollen die ausländische Hilfe von der Armee verteilen.

Die dringend benötigte Hilfe für die Opfer des Zyklons kommt nur spärlich in Myanmar an©

Fünf Tage nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" kommt die internationale Hilfe für Myanmar weiterhin nur zögerlich in Gang: Die Militärjunta erteilte einem Flugzeug des Welternährungsprogramms (WFP) eine Landeerlaubnis. Das Regime verweigerte jedoch weiterhin amerikanischen Militärmaschinen die Genehmigung, dringend benötigte Hilfsgüter ins Land zu bringen. Auch zahlreiche Visa-Anträge von UN-Rettungsteams wurden noch nicht gewährt. Außerdem bleiben die Generäle in Rangun dabei, dass sie die Hilfsgüter von der Armee verteilen lassen wollen. Die Hilfsorganisationen fürchten aber, dass in diesem Fall die Unterstützung nicht die Menschen erreicht, die sie wirklich benötigen.

Ein Flugzeug aus Italien mit proteinreichen Keksen, Medikamenten und anderen Gütern traf in Rangun ein, wie ein UN-Mitarbeiter erklärte. Drei weitere Maschinen stünden bereit. Es sei jedoch unklar, wann sie in Myanmar eintreffen würden. Die Maschinen stehen seit zwei Tagen auf den Rollfeldern, während UN-Mitarbeiter mit der Junta in Myanmar über die Landeerlaubnis verhandelten.

Bislang darf lediglich ein kleines Team von vier Mitarbeitern zur Einschätzung und Koordinierung der Katastrophenhilfe der Vereinten Nationen (UNDAC) nach Myanmar einreisen. Das bestätigte die Sprecherin des Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha), Elisabeth Byrs, in Genf. Die Asiaten würden von Bangkok aus fliegen, sagte Byrs. Ein fünftes Team-Mitglied mit unbekannter Nationalität warte noch auf sein Visum.

Hilfsorganisationen rechnen damit, dass es schon bald zum Ausbruch von Seuchen in den verwüsteten Gebieten kommen könnte. Unicef kündigte an, drei Millionen Tabletten zur Wasseraufbereitung nach Thailand zu schicken. Sie sollten von dort am Freitag nach Myanmar gebracht werden. Auch zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes erhielten Genehmigungen für die Landung. Eine Chartermaschine und ein Linienflugzeug von Thai Airways mit Material würden voraussichtlich am Abend in Malaysia starten, sagte Rot-Kreuz-Koordinator Bernd Schell in Bangkok.

Zunächst würden jedoch nur kleinere Ladungen gebracht, um zu testen, ob die Militärregierung die Materialien wie versprochen beim Roten Kreuz belasse. Bislang berichteten Hilfsorganisationen, die Junta verteile ausländische Hilfslieferungen selbst. Amnesty International zufolge verzögern einige Spender ihre Hilfsangebote aus Sorge, die dringend benötigten Güter könnten an die Streitkräfte gehen statt an die Opfer.

Angst vor Protesten

WFP-Regionaldirektor Anthony Banbury deutete an, die Vereinten Nationen hätten ähnliche Bedenken. "Wir werden unsere Lieferungen nicht einfach zu einem Flughafen bringen, abladen und wieder abheben", sagte Banbury.

Das staatliche Radio in Myanmar berichtete, "skrupellose Elemente" verbreiteten Gerüchte über ein bevorstehendes Erdbeben, einen zweiten Zyklon und Plünderungen in Rangun. Mit dem Bericht wollte die Militärregierung offenbar die Bevölkerung beruhigen und mögliche Zusammenkünfte unterbinden, die zu Protesten gegen die Regierung führen könnten.

100.000 Tote befürchtet

Die örtlichen Behörden in Myanmar rechnen mittlerweile mit mehr als 80.000 Toten. Allein im Bezirk von Labutta müsse diese Opferzahl angenommen werden, sagte ein Armeevertreter. Die Stadt Labutta liegt im Irawadi-Delta, dem Zentrum der Verwüstungen durch Zyklon "Nargis". Dutzende der 63 Ortschaften rings um die Stadt seien ausradiert, sagte der Armeevertreter. Die Militärjunta hatte bislang von mehr als 22.000 Toten und rund 41.000 Vermissten gesprochen. Hilfsorganisationen gehen von vermutlich 100.000 Toten aus.

Rund 1,5 Millionen sind obdachlos. Auch das Haus von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi wurde schwer beschädigt. Der Wirbelsturm habe Teile des Dachs des Bungalows weggerissen, in dem die Politikerin unter Hausarrest steht, sagte ein Nachbar. Es war nicht klar, ob die Politikerin verletzt war oder über ausreichend Nahrungsmittel und Wasser verfügte.

Ausbruch von Infektionskrankheiten befürchtet

Wegen der zunächst blockierten Hilfslieferungen nach Birma befürchtet die Organisation Care den Ausbruch von Cholera, Typhus und Malaria im Katastrophengebiet. "Wir haben dafür alle Bedingungen", sagte Nothilfekoordinator Wolfgang Tyderle. "Verschmutztes Wasser, Leichen, hohe Luftfeuchtigkeit."

Die Europäische Union und Deutschland appellierten erneut an die Regierung in Myanmar, Hilfen für die Zyklonopfer ins Land zu lassen. Das Auswärtige Amt bestellte in Berlin den Botschafter des Landes ein, um eine Öffnung der Grenzen zu erreichen. Die Regierung müsse Hilfen zum Wohle der Menschen zulassen, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Diesen Appell habe man gegenüber dem Botschafter wiederholt und "eindringlich gebeten, diese Botschaft seiner Regierung in Myanmar zukommen zu lassen". Auch die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner forderte bei der gemeinsamen Stellungnahme mit Steinmeier die sofortige Öffnung der Grenzen.

Neben einer ersten Nothilfe von einer Million Euro stünden zehn Mitglieder des Technischen Hilfswerks bereit, sagte Steinmeier. Sie sollten die Wasserversorgung in dem am stärksten betroffenen Gebieten aufbauen. Die Bundesregierung bemühe sich nun um den Erhalt von Visa, damit die Helfer nach Rangun abfliegen könnten. Am Freitag wird außerdem der Ausschuss für humanitäre Hilfen im Auswärtigen Amt zusammenkommen, um die Arbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen abzustimmen.

Sicherheitsrat soll eingreifen

Angesichts der dramatischen Lage in Myanmar dringt Frankreich weiter auf eine Einschaltung des UN-Sicherheitsrats. Der französische UN-Botschafter Maurice Ripert sagte in New York, das höchste UN-Gremium müsse Druck auf die Regierung in Myanmar machen, Hilfslieferungen ungehindert ins Land zu lassen. "Solange Menschen in Not sind, werden wir das verlangen", sagte er nach Angaben seiner Botschaft.

Zuvor war Frankreich im Sicherheitsrat mit der Forderung gescheitert, eine Unterrichtung durch den UN-Nothilfebeauftragten John Holmes über die aktuelle Katastrophenlage zu bekommen. Einige Länder hätten den Bericht nicht für nötig gehalten, kritisierte Ripert. "Das ist sehr seltsam." Er nannte die Länder nicht. Nach Informationen aus diplomatischen Kreisen handelte es sich aber unter anderem um China, Russland und Südafrika.

Liebe Leser, wie Ihnen sicher schon aufgefallen ist, gibt es für das südostasiatische Land verschiedene Begriffe: Birma, Burma, Myanmar. In vielen deutschen Medien wird es Birma genannt, vereinzelt auch Burma, wie im englischen Sprachraum üblich. Seit 1989 heißt es offiziell Union Myanmar. So wird es von den Vereinten Nationen und von der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Einige Länder sind aus Protest gegen das dort herrschende Militärregime bei Birma/Burma geblieben, wie etwa die USA und Australien. stern.de hat sich entschieden, das Land Myanmar zu nennen.

Die Redaktion

Die Karte zeigt das Katastrophengebiet in Myanmar, nachdem Zyklon "Nargis" über das Land hinweg gefegt ist. Die rot markierten Gebiete symbolisieren stehende Wassermassen, aufgezeichnet von UNO-Satellit "Modis".

DPA/Reuters/AFP/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
inka99 (08.05.2008, 20:21 Uhr)
was wird versteckt?
Was verbergen die Machthaber?
paulmaz (08.05.2008, 17:02 Uhr)
Schwaebin
Hab gerade ihre Antwort gelesen. Ob
"Bild" oder "ZDF", das macht keinen
Unterschied. Deren Nachrichten zu
diesem Thema kommen beide aus dem glei-
en Sudeltopf.
042020 (08.05.2008, 16:29 Uhr)
@Georges13437
wir haben C130s in Thailand mit hilfe geladen. ein LPH ist in der nahe mit einer Marine landing force
um zu helfen. und es ist ja nur um zu helfen, sei doch nicht immer so
anti AMI.
kosherpork,
Osprey da hast 100% recht. MIL-24 nicht schlecht. Motor
nur kurze lebenszeit. doch nun auch in Iraq der V22 (9)hat schon Motorenproblme, die sind von RR.
albundy69 (08.05.2008, 14:40 Uhr)
Endlich die Wahrheit ......
In den letzten Kommentaren wird es immer deutlicher worum es vielen der "Helfer" wirklich geht. Es geht mitnichten darum den Opfern der Katastrophe zu helfen, sondern es geht darum "die korrupte Armee" abzusetzen, die "Regierung zu stürzen", eine "neue Regierung zu installieren" u.s.w.
Dies ist traurig, denn was vor ein paar Monaten mit Hilfe aufgestachelter "Mönche" nicht gelang, soll jetzt auf dem Rücken von Hundertausenden Bedürftiger versucht werden. Ganz klar, einziges Ziel dieser Millionen von Helfern ist nicht die Hilfe, sondern die Übernahme der Macht. Sorry, dass sich die legetime Regierung Myranmars dagegen wehrt erscheint mir nur logisch und gerechtfertigt !!
sausewindxxl (08.05.2008, 14:28 Uhr)
Menschen verhungern lassen?
Jetzt wollen die Militärs die Güter NUR selbst an die Menschen verteilen. Das hat aber nichts mit Stolz zu tun, sondern es geht hier um ein lukratives Geschäft und feinste Propaganda. Ein Teil der Hilfsgüter wird verkauft und wenn doch ein paar Lebensmittel gratis verteilt werden, dann wird man ausdrücklich darauf hinweisen, wie sehr sich die Regierung doch um die Menschen sorgt und kümmert! Keine leichte Entscheidung für den Westen. Man läßt die Menschen verhungern oder unterstützt die korrupte Regierung!
Schwaebin (08.05.2008, 14:26 Uhr)
@Paulmaz
1. Lese ich keine "Bild"
2. Kam diese Meldung heute morgen in den ZDF-Nachrichten.
mramorak (08.05.2008, 14:20 Uhr)
Ja der große Dialog-Held Steinmeier
Es ist traurig, dass man aus Berlin wiederum nur von "Gesprächen" hört. Da kann die halbe Welt verhungern und Berlin spricht von "Gesprächen". Frankreich sprach davon, dass man auch gegen den Willen der Gewaltherrscher, Hilfe reinschaffen sollte. Aber die "Gutmenschen" werden wieder alles kaputtreden. Und die Menschen müssen sterben, wärden man in Berlin von Menmschenrechten redet.
kosherpork (08.05.2008, 14:17 Uhr)
@Georges13437
Hi Georges. Es betrifft die Kids. Und es gibt tatsächlich Männer, die Kids wollen, haben, schätzen, schützen. Und dafür leben und zu sterben bereit sind. Bist Du Österreicher oder Belgier? Dir, persönlich, gäbe ich keine 0,3 sek - zum pipi machen.
Slotermeyer (08.05.2008, 14:13 Uhr)
Paulmaz
Was das soll?
Es ist der leider völlig vergebliche Versuch Ihnen auszureden, sich zum Fürsprecher einer korrupten Mörderbande zu machen.
Sie waren in Myanmar, das ehrt Sie immerhin, viele reden viel drüber ohne je dort gewesen zu sein.
Sie haben mit den Menschen dort gesprochen. Allein? Ohne Guide und Begleitung?
Ich habe nie ein einziges gutes Wort über die Militärs gehört, wenn ich mit jemand allein sprechen konnte. Und ich war einige Male dort und kenne einige Einheimische so gut, dass ich sie als Freunde bezeichnen kann. Die Erfahrungen mit Landzuteilung durch Militärs, von den ich gehört habe, bezogen sich auf einen ganzen Dorfbezirk, der innerhalb einer Woche 'umziehen' musste, weil das lokale Militär an Ihrem Wohnort einige neue Kasernen und einen Golfplatz errichten wollte.
Man kann zu den westlichen Sanktionen unterschiedliche Meinungen haben, hier gibt es verschiedene Ansichten, die auch berechtigt sind.
Man kann auch darüber diskutieren, ob Suu Kyi und die NLD die Richtigen sein werden, das Land zu führen, wenn die Junta das Ganze völlig an die Wand gefahren hat. Das ist ebenfalls etwas worüber man unterschiedlicher Meinung sein kann.
Im Augenblick ist Suu Kyi jedenfalls die Einzige auf der politischen Bühne, die das Vertrauen der Mehrheit hat und der Bevölkerung Hoffnung gibt.
Über all das kann man diskutieren.
Aber die Militärjunta, die ein früher blühendes Land zu einem Armenhaus heruntergewirtschaft hat, als friedenserhaltende Wohltäter zu verteidigen, ist völlig und komplett indiskutabel. Punktum.
Diese Leute verhindern keinen Bürgerkrieg, sie führen ihn seit Jahrzehnten gegen die eigene Bevölkerung.
Allein die Berichte der Flüchtlinge in den Lagern an der thailändischen Grenze reichen aus, eine Vorstellung dessen zu bekommen, was diese Regierung anrichtet.
Was ich von Ihren anderen geäußerten Ideen und zu den Meinungen mancher Expats halte, habe ich in dem anderen Kommentarbaum geschrieben.
Dort äußern Sie ja, dass die Mönche letztes Jahr sicher nicht wegen der hohen Spritpreise demonstriert hätten, weil Sie nie einen Mönch beim Autofahren gesehen hätten. Die könnten ja immer umsonst fahren.
Hierzu nur soviel: Treibstoff wird nicht nur zum Autofahren verwendet, einen Wagen können sich sowieso nur die wenigstens leisten. Es ging um Brennstoff zum Kochen, um Lebensmittelpreise und um die allgemeine Lebenssituation, die sich seit Jahren kontinuierlich verschlechtert. Da die Mönche von Almosen leben, könnte Ihnen das nach Ihrer Argumentation eigentlich egal sein, denn sie kriegen ja umsonst zu Essen. Grosse Teile der Mönche fühlen sich aber im Gegenzug verpflichtet, sich für die Bevölkerung einzusetzen. Daher haben sie sich an die Spitze der Proteste gestellt, in der Meinung, dass das Militär nicht auf unbewaffnete Priester schiessen würde. Eine irrige Annahme.
Wie das Haus von Suu Kyi aussieht, weiss ich nicht.
Als ich da war, war es Taxifahrern nicht gestattet, Ausländer in der Nähe herumzufahren.
Die Strasse ist nicht frei zugänglich.
Ich bin mir jedoch sicher, dass sie es ab und an gerne verlassen würde.
Georges13437 (08.05.2008, 14:03 Uhr)
@kosherpok
Ist heute Pipitag oder was?
Wenn die 2 Divisionen in Myanmar fertig sind, wohin sollen sie weiterfliegen, zum nächsten Kampfeinsatz? Wir können ja wieder marschieren bis alles in Scherben fällt. Wenn die Birmanesen ihre Regierung nicht wollen, so sollen sie sie Stürzen, und kein anderer.
MfG Georges13437
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