Vor seiner Wahl am 4. November 2008 machte US-Präsident Barack Obama große Versprechen. Seither hat er viele Reformen angestoßen - wie erfolgreich sie sind, ist ungewiss. Ein Besuch bei fünf Amerikanern, die immer noch auf den Wandel warten. Von Sabine Muscat

Viel Hoffnung geweckt, noch wenig erreicht: Vor genau einem Jahr wurde Obama zum 44. US-Präsidenten gewählt
© Pablo Martinez Monsivais/AP
Genau vor einem Jahr wurde Amerika neu geboren. Auf der Bühne im Grant Park stand Barack Obama im Scheinwerferlicht, unter ihm ein Meer von Menschen. "Hello Chicago", sagte der neu gewählte Präsident. "Wenn es da draußen irgendjemanden gibt, der immer noch daran zweifelt, dass Amerika ein Ort ist, an dem alles möglich ist, der sich immer noch fragt, ob der Traum unserer Gründungsväter in unserer Zeit weiterlebt, der immer noch die Macht unserer Demokratie infrage stellt, heute hat er eine Antwort."
Die mehr als 200.000 Zuschauer, die den historischen Moment in Chicago live erlebten, jubelten, viele lagen sich weinend in den Armen. Auch in anderen Teilen des Landes wurden Partys gefeiert. Es gab Hupkonzerte, die Bars blieben bis in die Morgenstunden geöffnet.
In den USA ist der 4. November 2008 ein Tag, den niemand, der ihn erlebt hat, je vergessen wird. Es war der Tag eines Wunders und der Verwunderung darüber, dass Amerika einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt hatte. Ein Tag der Erleichterung darüber, dass die Bush-Jahre endlich vorbei waren. Ein Tag der Erwartungen an den Neuen, der alles anders machen wollte. Der Irak-Krieg hatte das Land ausgeblutet. Die Wirtschaft lag am Boden, die Wall Street ebenso, Menschen verloren ihre Häuser, die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Die strukturellen Probleme des mächtigsten Landes der Welt waren für alle sichtbar geworden: die überlasteten Sozialsysteme, das angeschlagene Erziehungswesen, die marode Infrastruktur - alles schien repariert werden zu müssen.
Es war ein Berg voller Probleme, die den neuen Präsidenten zu erdrücken schienen, und Obama stürzte sich mit großem Ehrgeiz darauf. Er pumpte mit einem riesigen Konjunkturprogramm Geld in die Wirtschaft. Er leitete ein Klimaschutzgesetz in die Wege. Und er machte sich an eine Gesundheitsreform, an der schon die Clinton-Regierung gescheitert war - und mit der er einen Kulturkampf auslöste. Obama wollte Amerika zudem moralisch auf den rechten Weg zurückführen: Und so versprach er die Schließung des Gefangenenlagers in Guantánamo binnen einem Jahr.
Es war viel, was Obama sich vorgenommen hat, zu viel vielleicht, auf jeden Fall zu viel für die Geduld der Bürger. Ein Jahr nach der Wahl ist keine der Aufgaben gelöst. Von rund 65 Prozent sind die Zustimmungswerte auf 52 Prozent gesunken. Noch ist die Mehrheit der Amerikaner bereit, dem Präsidenten mehr Zeit zuzugestehen. Doch die Stimmung könnte bald kippen.
Die großen Vorhaben Obamas erzählt die "Financial Times Deutschland" anhand von fünf Schicksalen. Fünf Amerikaner berichten, was sich durch den neuen Mann im Weißen Haus für sie verändert hat.
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Gefunden in ... ... der aktuellen Ausgabe der "Financial Times Deutschland".