11. August 2012, 12:25 Uhr

Militärschlag gegen den Iran steht offenbar kurz bevor

In Israel häufen sich wieder Medienberichte über einen angeblich kurz bevorstehenden Angriff gegen den Iran. Ob das ein Bluff ist oder der Wahrheit entspricht, weiß nur der engste Führungszirkel.

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Pokerface in Sachen Iran: Will Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch vor November militärisch gegen Ahmadinedschads Atomprogramm vorgehen?©

Israel erwägt nach Medienberichten einen militärischen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten einen solchen Entschluss schon "fast endgültig" gefasst, berichtete die Zeitung "Times of Israel" am Samstag unter Berufung einen TV-Bericht. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch die Zeitung "Jediot Achronot". Allerdings fehle beiden Politikern bislang noch die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett.

Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als derzeit größte Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet hingegen, dass sie unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen entwickeln lässt. Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder Druck macht, damit sich der Iran in den Atomgesprächen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland bewegt.

Nach einer Umfrage der Zeitung "Maariv" würden 40 Prozent der befragten Israelis einen Alleingang gutheißen. 35 Prozent würden es hingegen lieber den USA überlassen, militärisch gegen den Iran vorzugehen. Dieses Ergebnis bedeute "grünes Licht" für Netanjahu, kommentierte die Zeitung am Freitag.

Zeit für Alleingang Israel läuft ab

Netanjahu misstraue der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, Amerika werde eine mögliche iranische Atombombe notfalls mit militärischen Mitteln verhindern, heißt es in dem neuen Bericht. Die USA hätten Israel weder Pläne für ein militärisches Eingreifen vorgelegt noch habe Obama einen Angriff ausdrücklich zugesagt, falls Sanktionen und diplomatischer Druck keinen Erfolg haben. Außerdem sei Obama dafür bekannt, dass er Militäreinsätze nicht ohne Zustimmung der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga befehle. Dies alles habe Netanjahu zu der Überzeugung gebracht, dass Israel allein handeln müsse.

Angesichts seiner im Vergleich zu den USA geringeren militärischen Schlagkraft bleibe Israel nur noch wenig Zeit, das iranische Atomprogramm wirkungsvoll zu treffen, heißt es weiter. Je mehr Atomanlagen die Iraner in Bunker tief unter der Erde verlegten, desto geringer würden die Chancen auf einen Erfolg, laute Netanjahus Einschätzung. Für ihn gehe es darum, einen "iranischen Plan zur Vernichtung der Juden" zu verhindern. Im Vergleich dazu seien die von Teilen des Sicherheitsapparates für zu hoch empfundenen Risiken weniger bedeutend.

jwi/DPA/Reuters
 
 
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