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10. September 2009, 19:58 Uhr

Die Bluewater-Affäre

Mit einer raffinierten, intelligenten Internet-Inszenierung eines angeblichen Anschlags in den USA hat ein Regisseur am Donnerstag deutsche Medien genarrt - selbst die renommierte Deutsche Presse-Agentur fiel auf die Aktion herein. Von Florian Güßgen

Bluewater, Berlin Boys, Anschlag, Artisan Diner, vpk-tv, Kalifornien

Alles falsch: Die Webseite vpk-tv.com. Der falsche TV-Sender aus Bluewater zeigte ein falsches Bekennervideo der falschen Berlin Boys© Mick Tsikas/Reuters

Eins muss man dem Übeltäter lassen: Er hat eine großartige Inszenierung hingelegt, mit allem drum und dran, alles darauf ausgerichtet, die deutschen Medien vorzuführen, sie mächtig auflaufen zu lassen. Und zum Teil ist das auch gelungen. Aber der Reihe nach.

Bei stern.de meldete sich am Donnerstagmorgen, um Viertel nach neun, ein Anrufer namens Reiner Petersen. Petersen behauptete, in Kalifornien zu leben und in der amerikanischen Stadt Bluewater für den TV-Sender Vpk-TV zu arbeiten. Hektisch wies er darauf hin, dass es in Bluewater einen Terroranschlag gegeben habe. Drei Selbstmordattentäter seien in ein Restaurant eingedrungen, zwei Detonationen seien zu hören gewesen. Die Polizei gehe davon aus, dass es sich bei den Attentätern um arabischstämmige Männer handele. Im Hintergrund waren Polizeisirenen zu hören. Auch der TV-Sender, informierte Petersen, berichte über das Ereignis.

Wer die Internetseite des angeblichen Senders anklickte, wurde sofort mit dem Ereignis konfrontiert: Eine blonde Moderatorin, vor einen Newsroom geblendet, berichtete professionell-angespannt von dem Anschlag, eingespielt wurden Bilder des vermeintlichen Restaurants, Polizisten in Aktion, ein Interview mit einer Frau, die dort Gast war und hysterisch den vermeintlich unglaublichen Vorfall beschrieb.

Ein kurzer Check bestätigte: Für den TV-Sender gab es auch einen Wikipedia-Eintrag, auch die Werbung auf der Seite des Senders sah authentisch aus - ein wenig amateurhaft, aber immerhin verziert mit Werbung lokaler Unternehmen. Alles sah nach einem großen Ding aus, einem Terroranschlag in den USA.

Breaking News: Drei deutsche Rapper

Breaking News also. Um 9.38 Uhr meldete die Deutsche Presse-Agentur dpa: "In der kalifornischen Kleinstadt Bluewater soll es nach einem Bericht des örtlichen Senders vpk-tv zu einem Selbstmordanschlag gekommen sein. Es habe in einem Restaurant zwei Explosionen gegeben, berichtete der Sender. Die Polizei sei im Einsatz und habe das Restaurant evakuiert. Ob Menschen zu Schaden kamen, sei unklar. Das Restaurant wirkte auf ersten Bildern nicht zerstört. Die Täter wurden von dem Sender als arabisch-stämmig beschrieben." Um 9.59 Uhr legte die dpa nach: Die Feuerwehr von Bluewater hätte die Detonationen bestätigt.

Dann, die erste Wende: Um 10.06 Uhr schickte dpa eine Eilmeldung: Der Anschlag sei ein böser Scherz gewesen, hieß es da. Es habe sich um Bombenattrappen gehandelt, die sich drei deutsche Rapper umgebunden hätten. Die Rapper würden sich als "Berlin Boys" bezeichnen. Kurze Zeit später meldete die Agentur, ein Sprecher der örtlichen Polizei habe ihr bestätigt, dass die drei Männer festgenommen worden seien. Die Behörden kündigten demnach ein hartes Vorgehen gegen die Deutschen an. Die Geschichte hatte immer noch Potenzial. Deutsche, die in den USA einen Terroranschlag simulieren. Rapper? Der TV-Sender berichtete entsprechend. Auf der Seite gab es auch ein "Bekennervideo" zu betrachten.

Seite 1: Die Bluewater-Affäre
Seite 2: Eine perfekte Inszenierung
 
 
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