Israel schlägt massiv zurück

15. November 2012, 21:58 Uhr

Erstmals seit 1991 gibt es in Tel Aviv Luftalarm. Eine Explosion erschüttert die Stadt. Die Armee dementiert einen Raketentreffer und antwortet mit massiven Luftschlägen.

Nach den Raketenangriffen auf Tel Aviv hat die israelische Luftwaffe ihre Bombardements im Gazastreifen Medienberichten zufolge massiv verstärkt. Dutzende Ziele seien binnen einer Stunde im Norden des Gebiets am Mittelmeer angegriffen worden, hieß es. Inzwischen sei es jedoch ruhig, sagten Augenzeugen am Donnerstagabend.

Weiterhin wurden sporadisch Raketen Richtung Israel abgefeuert. Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg auf 16. Ein Baby sei im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza-Stadt mit.

Berichte über eine angeblich schon begonnene israelische Bodenoffensive im Gazastreifen wurden jedoch von den Streitkräften und dem Außenministerium dementiert. Auch in dem Gebiet am Mittelmeer war über das Eindringen israelischer Truppen nichts bekannt. Allerdings würden Truppen in die Region verlegt, um für einen Einmarsch bereit zu sein, sollte der Befehl kommen, sagte ein ranghoher Beamter in Tel Aviv. Verteidigungsminister Ehud Barak billigte die Einberufung von bis zu 30.000 Reservisten.

Erstmals seit 1991 Luftalarm in Tel Aviv

Zuvor war am Abend erstmals seit dem Golfkrieg 1991 Luftalarm in Tel Aviv ausgelöst worden. Zugleich war eine dumpfe laute Explosion zu hören. Im Gazastreifen bekannte sich der bewaffnete Arm der dort herrschenden Hamas, die Kassam-Brigaden, zu einem Raketenangriff auf Tel Aviv. Zwei Raketen vom iranischen Typ Fadschr-5 seien bei Rischon Lezion und in Jaffa eingeschlagen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation, deren Kommandeur am Vortag von Israel gezielt getötet worden war.

Etwa eine halbe Stunde vor dem Luftalarm in Tel Aviv hatte die israelische Armee den Einschlag einer Gaza-Rakete nur wenige Kilometer südlich von der Mittelmeermetropole auf einem freien Feld bei Rischon Lezion bestätigt. Ob eine zweite Rakete von der israelischen Raketenabwehr in der Luft zerstört wurde, konnte die Sprecherin zunächst nicht sagen.

Trügerische Sicherheit

In Tel Aviv brach zeitweise das Telefonnetz zusammen. Im Fernsehen war zu sehen, wie der Verkehr teilweise zum Stillstand kam und Menschen sich schutzsuchend flach auf den Boden legten.

Die Menschen im Großraum Tel Aviv wähnten sich bisher in sicherem Abstand zum Schauplatz des jahrelangen Schlagabtauschs zwischen der israelischen Armee und militanten Palästinensern im Gazastreifen. Die Raketen flogen nie weiter als etwa 30 Kilometer. Tel Aviv liegt etwa 60 Kilometer entfernt.

Nach neuen Angaben der israelischen Streitkräfte wurden seit Beginn der Offensive "Säule der Verteidigung" am Vortag 250 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei starben mindestens 15 Menschen, mehr als 150 wurden verletzt. Im gleichen Zeitraum seien aus dem Gazastreifen 274 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Dabei starben dort drei Menschen und mindestens zwölf wurden verletzt.

USA verurteilen Raketenangriffe auf Israel

Die USA haben unterdessen die Raketenangriffe auf Israel in den vergangenen Tagen als "feige Taten" der radikal-islamischen Hamas bezeichnet. US-Präsident Barack Obama verurteile die Angriffe, für die es keine Rechtfertigung gebe, sagte sein Sprecher Jay Carney am Donnerstag vor Reportern. Bereits am Vortag hatte Obama dem israelischem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in einem Telefonat seine Unterstützung zugesichert.

Wegen der eskalierenden Gewalt hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas derweil seine Europareise abgebrochen. Er kehrte unmittelbar nach Gesprächen mit der Schweizer Regierung in Bern ins Westjordanland zurück. Die Situation in Gaza verschlechtere sich von Stunde zu Stunde, sagte der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat zur Begründung.

Die Palästinenserführung werde alles in ihren Kräften stehende tun, damit die Lage nicht weiter eskaliere, sagte Erekat, der auch Mitglied des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist. Erekat hatte Abbas nach Bern begleitet.

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