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29. April 2010, 06:34 Uhr

"Es geht um die Stabilität des Euro-Raums"

Bei der Griechenland-Hilfe geht es laut Finanzminister Schäuble nicht nur um Hilfe für ein Land, sondern um die Stabilität des gesamten Euro-Raumes. Den Steuerzahler soll das aber nichts kosten.

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Besorgte Mine, aber dennoch zuversichtlich: Finanzminister Wolfgang Schäuble verteidigt die Griechenland-Hilfe© Markus Schreiber/AP

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Finanzhilfe für Griechenland verteidigt. Mit der Unterstützung Athens werde gegenwärtig "die Stabilität des ganzen Euroraums verteidigt", sagte Schäuble am Mittwochabend in den ARD-"Tagesthemen". Zugleich räumte Schäuble ein, dass der gesamte Umfang der deutschen Finanzhilfe noch nicht bekannt sei. Angesichts der Dringlichkeit der griechischen Finanzprobleme erörterte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema am Abend in einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama. In einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß es knapp, Obama und die Kanzlerin hätten die "Bedeutung entschlossenen Handelns Griechenlands und einer rechtzeitigen Unterstützung" seitens des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Europas erörtert.

Zuvor war bekannt geworden, dass Griechenland zur Abwehr einer Staatspleite in den nächsten Jahren deutlich mehr Geld braucht als bisher angenommen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach von insgesamt 135 Milliarden Euro bis 2012. Auf Deutschland könnten nach Angaben Brüderles 25 bis 30 Milliarden in diesem Zeitraum zukommen.

Hilfe soll den Steuerzahler nichts kosten

"Nein, die (Zahl) weiß niemand", sagte dagegen Schäuble am Abend. Gegenwärtig werde diese genaue Zahl in den Gesprächen und Verhandlungen zwischen dem IWF und der Europäischen Zentralbank sowie der EU-Kommission mit der griechischen Regierung ja ausgehandelt. Gleichzeitig äußerte Schäuble die Erwartung, dass die massive Hilfe für Griechenland den deutschen Steuerzahler nicht belastet. "Wir hoffen, dass es gar nichts kostet, weil das nicht um Steuergelder gehen wird, sondern es geht um die zur Verfügungstellung eines Kredits damit Griechenland auch weiterhin zahlungsfähig bleibt", sagte der Minister.

Für ein rechtzeitiges Hilfspaket von EU und IWF müssten Bundeskabinett, Bundestag und Bundesrat bereits in der kommenden Woche den Anteil Deutschlands daran gesetzlich beschließen. Für Griechenland wird am 19. Mai die Rückzahlung von rund neun Milliarden Euro fällig.

Die SPD-Bundestagsfraktion verlangt statt einer bloßen Finanzhilfe für Griechenland eine umfassende Regelung zur Verhinderung ähnlicher Schuldenkrisen. Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier sagte am Mittwochabend im ZDF: "Es muss eine richtige Regelung sein. Das kann nicht nur eine Ermächtigung für ein paar Milliarden an die Bundesregierung sein, darin muss auch Vorsorge getroffen werden, dass sich ähnliche Fehlentwicklungen nicht wiederholen." Zugleich drängte der Oppositionschef die Regierung aber zur Eile. "Wir können Griechenland nicht weiter trudeln lassen."

Weber fordert strengere finanzpolitische Regeln

Bundesbankpräsident Axel Weber forderte eine deutliche Verschärfung der finanzpolitischen Regeln in der EU. "Der deutsche Steuerzahler profitiert von einem stabilen Euro, und den gilt es zu bewahren", sagte Weber der "Bild"-Zeitung. Dazu diene auch die an harte Auflagen geknüpfte vorübergehende Unterstützung Griechenlands. "Damit dies aber eine absolute Ausnahme bleibt und es in Zukunft erst gar nicht mehr so weit kommt, müssen wir als eine zentrale Lehre die finanzpolitischen Spielregeln in der EU deutlich schärfen."

Wie die Oppositionsparteien verlangten auch Unionspolitiker eine Beteiligung der Gläubigerbanken an Finanzhilfen sowie harte Sparauflagen für Griechenland. Die Bundesregierung sieht dies skeptisch. Der Chef der deutschen Unionsabgeordneten im EU-Parlament, Werner Langen (CDU), äußerte in der "Welt" den Eindruck, "dass im Bundesfinanzministerium die Interessen der Banken über die Interessen der Steuerzahler gestellt werden".

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, forderte in der "Mitteldeutschen Zeitung", die Gläubigerbanken unter Druck zu setzen, damit "sie Griechenland die Schulden stunden oder erlassen". Unionsfraktionsvize Michael Fuchs verlangte in der "Welt" eine Umschuldung Griechenlands, also eine verzögerte Rückzahlung der Schulden.

Kritik an Rolle der Rating-Agenturen

Wie SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte auch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir die Bundesregierung auf, sich für die Einführung einer Finanzumsatzsteuer auf europäischer Ebene einzusetzen. Bei einem Steuersatz von 0,01 Prozent könne Deutschland pro Jahr 14 Milliarden Euro einnehmen, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Die Rating-Agenturen wurden heftig kritisiert. Die Schuldenkrise war wegen ihrer späten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands, Portugals und Spaniens noch verschärft worden. Mehrere Ökonomen forderten in der "Welt" deshalb, den Einfluss der Bewertungsagenturen zu beschneiden.

So fragte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: "Die Ratingagenturen haben von Beginn der Finanzkrise an versagt, warum sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser kritischen Phase überhaupt noch auf ihr Urteil verlassen?" Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates des Finanzministeriums, Clemens Fuest, sagte, das Urteil der Rating-Agenturen werde an den Märkten überbewertet. Auch aus Sicht der Chefs des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Dennis Snower und Michael Hüther, sollte ihnen ihre herausragende Rolle genommen werden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 113)
 
Johann58 (29.04.2010, 20:16 Uhr)
das Ende der Polemik ist angesagt
und das nuechterne Betrachten der Realitaet muss nun schnellstmoegich kommen. Die Fakten muessen auf den Tisch und schnelle Entscheidungen muessen getroffen werden. Ob populaer oder unpopulaer ist inzwischen fast voellig egal.

Dass Griechenland mit Krediten aus der EU und dem IWF geholfen werden soll hat fas jeder inzwischen eingesehen, da die Folgen einer Insolvenz Griechenlands nicht abzusehen sind und kein Mensch mehr kalkulieren kann was eine Insolvenz kosten wird, welche Folgekosten auf die EU zukommen.

Fakt ist, dass das unsere Regierung seit Monaten weiss und dass statt Entscheidungen zu treffen rumgeeiert wurde. Auch falsche Entscheidungen bringen mehr als staendig irgend einen grund zu finden aber das noch un das noch oder das noch. Das unsinnige vor sich herschieben einer Entscheidung hat bisher nichts anderes gebracht als die Kredit wuerdigkeit griechenland weiter zu verschlechtern mit dem Ergebniss, dass die Verbindlichkeiten Griechenlands taeglich groesser werden und auch Deutschland mehr Kredite zur Verfuegung stellen wird als es vor Monaten der Fall gewesen waere.

Selbst eine falscher Entscheidung bringt mehr als keine, denn es kann als Lernprozess gewertet werden, dass man beim naechsten vergleichbaren Problem zielsicherer und besser entscheiden kann.

Ich verlange von unserer Regierung und den im Bundestag sitzenden Parteien eine schnelle Entscheidung und zwar ohne Ausnahme welcher Farbe. Die Entscheidung kann durchaus auch lauten Griechenland bekommt nichts! Dann sind wenigstens klare Verhaeltnisse geschaffen und die EU und die involvierten Banken wissen woran sie sind.

Das Problem Griechenland kann man nicht aussitzen, es wird nur von Tag zu Tag schlimmer.

Unsere Regierung hatte monatelang Zeit detaillierte Bedingungen zu fomulieren und sie in der EU abzustimmen. Nichts ist passiert obwohl man in Berlin genau wusste, dass Deutschland der Hauptkreditgeber sein wird.

Wir geben im Moment mal wieder ein gottserbaermliches Bild ab!
cologne237 (29.04.2010, 15:17 Uhr)
Aufklärung fehlt
Alle schimpfen über die bösen Spekulanten.
Nirgends wird erklärt, wie diese Spekulation funktioniert.
Lediglich in der Bild ( eigentlich ein Witz ) wird erklärt, wie es mit den CDS läuft.

Aber wenn bekannt wäre, wie es geht, kann man der Allgemeinheit nicht mehr mit den Horrorszenarien kommen.
SpringbokCT (29.04.2010, 15:17 Uhr)
> STR_EDDS
Exactly, nur nicht die Bürgen!
STR_EDDS (29.04.2010, 14:59 Uhr)
@SpringbokCT
Genau so sieht es aus. Das "kleine Ländchen" stellt für europ. Deals die Transfer und Föderbanken
SpringbokCT (29.04.2010, 14:50 Uhr)
> STR_EDDS
Gut erkannt!

Dann bleibt jetzt ja nur noch die Frage offen wer davon profitierte, wenn es bezogen auf ihr Beispiel nicht die Portugiesen sind, die noch nicht mal ihr Eigenfinanzanteil schultern können? Und wo diese "ausländische Banken" (Banque) ihre Steuern bezahlen, von denen Sie sprachen.

Ohne den Kopf zu überfordern kommt man dabei ganz schnell auf ein Ländchen, dessen BSP/Kopf innerhalb von paar Jahren von unter 7.000 auf 70.000 Euro stieg.

Ein Ländchen das nicht Müde wird das Vereinte Europa zu predigen, sich selber aber mit dem Bankgeheimnis und Steuerngesetzen viele Ausnahmen zubilligt.

Vermutlich kennen Sie den Kirchberg? Dann sollten Sie allerdings auch wissen wie in der EU die Interessen verteilt sind und wer die Fäden in der Hand hält. Marionettten wie Birne, Schröder oder Merkel bestimmt nicht.


auwei (29.04.2010, 14:34 Uhr)
@Lankwitzer
Zitat: "Einen Europäer kann das nicht erschüttern,
es gibt Schlimmeres." Vor allem, da es immer weniger zu geben scheint. Aber die Geschichte verläuft nunmal nicht linear...
Lankwitzer (29.04.2010, 14:24 Uhr)
@auwei
Einen Europäer kann das nicht erschüttern,
es gibt Schlimmeres.
L.G. aus Berlin
t34ra (29.04.2010, 14:22 Uhr)
Wir haben es in der Hand
Auch die ?Kleine Frau? bzw. der ?Kleine Mann? - also Deutschland - kann den Politikern ein deutliches demokratisches Signal geben, was Wir von der Griechenland Hilfe bzw. von weitern wahrscheinlichen Finanzhilfen für die ?Wackelkandidaten? in der EU halten

1. Am 9. Mai bei den NRW Wahlen
2. In einer Petition (http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse/a02/onlinepet/ => Menüpunkt ?Petitionen? => Petition ID.: 10985 ?Finanzpolitik - keine Umgehung der Bail-out-Klausel bei Finanzhilfen innerhalb der EU?)
STR_EDDS (29.04.2010, 14:12 Uhr)
Rating Agenturen
Bringen im Grunde genommen doch nur das kurzfristig zum Ausdruck, was vernünftigen Beobachtern schon seit mindestens 5 Jahren hätte klar sein müssen. Jetzt überrascht zu tun und in großes Ohweh zu verfallen ist meiner Meinung nach Hechelei.
.
Dass z.B. Portugal durch hundert EU-Projekte immer wieder dazu verleitet/gedrängt wurde, billiges Geld bei ausländischen Banken aufzunehmen (um den Eingenfinanzanteil der Projekte zu schultern), musste irgendwann schief gehen. Aber wer verzichtet schon gerne auf die x-te neue Brücke?
.
@endbenutzer: Gegen eine Umverteilung spricht nichts. Aber nicht im Stile einer Enteignung. Nur weil die Falschverteiler in der Vergangenheit masslos handelten, muss man diesen Fehler in umgekehrter Richtung nicht wiederholen. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass eine wirkliche Lösung (im Falle von Griechenland) andere, breitere Ansätze benötigt.
.
Ich schau schon mal bei eBa* rein - eventuell gibts einen Flughafen oder eine kleine Stadt zu nem günstigen Kurs. :-)
auwei (29.04.2010, 14:00 Uhr)
@aLankwitzer
Ich HABE ihn verstanden - aber war offensichtlich selber missverständlich. Ich denke, in diesem Punkt kriegen wir keinen Dissens hin - nicht schlimm, oder?
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