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16. Februar 2010, 11:16 Uhr

Wie viel Wahrheit steckt in Westerwelle?

Westerwelle zu Hartz IV

Es antwortet Thorsten Schulten von der Böckler Stiftung: "Natürlich gibt es Jobs, bei denen der Beschäftigte weniger verdient, als er mit Hartz IV bekommen würde. Aber die Ursache liegt nicht darin, dass die Hartz-IV-Regelsätze zu hoch sind, sondern dass die Löhne zu niedrig sind. In keinem anderen europäischen Land hat sich der Niedriglohnsektor in den vergangenen zehn Jahren so stark ausgeweitet wie in Deutschland.

Bei Verwendung der gängigen Definition der OECD und der EU arbeiten in Deutschland mittlerweile 6,5 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor. Offiziell gibt es 1,3 Millionen Aufstocker, die Hälfte davon geht sogar einer Vollzeitbeschäftigung nach. Der Lohn reicht aber trotzdem nicht aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Staat muss zusätzlich Hartz IV zahlen.

Wenn die Löhne unter das Existenzminimum gedrückt werden, führt das jegliche Diskussion über das Lohnabstandsgebot ad absurdum. In Deutschland existiert eine Art Kombilohn-Modell, in dem der Staat Unternehmen massiv subventioniert. Eine weitere Lohnerosion bekommen wir nur in den Griff, wenn wir einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn einführen."

Fazit: Stimmt. Die Lösung des Problems kann jedoch nicht in geringeren Hartz-IV-Regelsätzen liegen, sondern die Löhne im unteren Bereich müssen wieder stärker steigen.

Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet.

Zur Person

Zur Person Thorsten Schulten leitet das Referat "Arbeits- und Tarifpolitik in Europa" der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Von Marcus Gatzke
 
 
KOMMENTARE (10 von 93)
 
claatu (18.02.2010, 13:39 Uhr)
Westerwelle "irrt" nicht!
Er weiß genau was er sagt, das ist ja das schlimmen daran. Das was unser Aussenminister (und damit unser Repräsentant in der Welt!!) von sich gibt grenzt bei Betrachtung der Tatsachen an Volksverhetzung. Zum Glück kommt von fast allen Seiten Kontra, sonst könnte man verzweifeln.
manndernichtdaist (18.02.2010, 13:17 Uhr)
schämen
westerwelle ist nicht schuld. er ist einfach so. da kann er nichts dafür.

wer schuld ist sind diejenigen, die die FDP gewählt haben ("ums der SPD zu zeigen")

aber keiner will die ja gewählt haben, nicht wahr?
das sind sicher die leute die auch keine modern talking cds zu hause haben.
schade77 (18.02.2010, 12:40 Uhr)
@ Efesis
....danke, danke und nochmals danke für diesen Link. Habe selten so ungeschönt die Wahrheit gelesen, die es hier leider beim Stern nicht mehr geben darf.
Werde diesen Link wärmstens weiterempfehlen...
AndiHoffi (18.02.2010, 12:25 Uhr)
Gute Analogie
Ich finde, Westerwelle hat recht. Eine gute Analogie dazu findet sich unter folgendem Link:
http://www.seiler.it/von_Sven_Seiler_verfasste_Texte_und_Prosa/articles/Das_ungerechte_Steuersystem_in_der_Bundesrepublik_Deutschland.html
Efesis (18.02.2010, 09:48 Uhr)
sehr lesenswerter Artikel
ich weiss zwar nicht ob ich das darf aber ich setze mal ein Link rein. Das ist wirklich der beste und sachlichste Artikel den ich seit langem gelesen habe:

http://www.welt.de/debatte/article6305249/Der-Sozialstaat-pumpt-Geld-und-vermehrt-die-Armut.html
Skillet4 (18.02.2010, 02:43 Uhr)
Mach Show mach Show
Wir hatten dereinst ein Kaspertheater, so mit Handpuppen aus Plastik, schön bunt, und die rochen irgendwie seifig.
Da gab es die klassischen Figuren, wie denselben, den schwarz ? roten Teufel, ein grünes Krokodil.
Um die relativ schweren Kunststoffköpfe aufrecht zu halten, steckte man einen der Finger in ebendiese, und schon konnte man den Kasper auf der Bühne, hinter deren Fassade man selbst als Spieler unsichtbar war, schimpfen und hauen lassen, so wie man es wollte.
Wer hatte nun seine Finger im Spiel bei der Guido ? Show der letzten Tag, und was
war der Zweck der Show?
Die Antworten wurden dieser Tage gegeben, z. B. von den Wirtschaftsweisen Bert Rürup (SPD) mit dem Vorschlag eines allgemeinen Mindestlohns von 5 (!) EUR, und Ehrendoktor und Chefökonom Wolfgang Franz mit der Forderung, die Regelsätze (SGB 2) um 30 % zu kürzen.
Und jetzt kommt Mutti ins Spiel.
Wir werden ihr noch Beifall klatschen, Ihr werdet es sehen.
crestflight (17.02.2010, 20:44 Uhr)
Zitat
Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird.
Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.
Rothschild

So is dat!
grauschleier (17.02.2010, 19:37 Uhr)
Kleiner Tip als Ergänzung
Guter Artikel, vielen Dank dafür! Folgenden Link möchte ich alles Usern wärmstens empfehlen: www.nachdenkseiten.de
leboz (17.02.2010, 17:08 Uhr)
In Rom
lebten viele Reiche, die nicht durch Arbeit reich waren.In Rom lebte aber hauptsächlich absolut verarmter Pöbel, die mit Sozialleistungen, heute genannt "Brot und Spiele" ruhig gestellt wurden. Produziert wurde in den auswärtigen Provinzen, deren fleißige Einwohner durch Abgaben und Steuern völlig ausgesaugt wurden. Die Grenzen konnten nicht mehr bewacht werden: Das dazu notwendige Geld wurde in Rom verjuxt. Was ist heute in Deutschland? Es ist der doch kleine und mittlere Mittelstand der über jedes Maß hinaus ausgesaugt wird.
kabelmann (17.02.2010, 13:23 Uhr)
Ein kleines Zitat
aus der taz:

"Guido Westerwelle war seit 1983 Juli-Chef, seit 88 im FDP-Bundesvorstand und schloss sein Jurastudium erst 1991 ab: Parteiamtssalär, Diäten, Ministergehalt: Der Mann hat nie ernsthaft von etwas anderem als Staatsknete gelebt. Dass nun ausgerechnet er wirklich Bedürftige als überfressene Orgiasten schmäht - im vorrevolutionären Frankreich wäre das als der mannhafte Wunsch verstanden worden, sich immerhin die eigene Laterne auszusuchen. "

Dankeschön, Herr Küppersbusch
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