Die Linke ist im politischen Abseits, die Debatten um die Führungsspitze reißen nicht ab. Im stern.de-Interview spricht Linken-Chef Klaus Ernst über Kampagnen, Maulkörbe und seinen Bruch mit der SPD.
[Lacht laut] Es ist alles auf einem guten Weg. Der quertreiberische Schatzmeister wurde abgewählt, ein neuer wurde gewählt. Jetzt kann die Linkspartei in Bayern sich wieder um Politik kümmern.
Bevor wir uns von Mitgliedern trennen, fragen wir, ob sie bleiben und auch zahlen wollen.
Leider wollte eine Gruppe sehr schwieriger Parteifreunde sehr ruppige Arten des Parteilebens proben. Die Mehrheit des Landesverbands will jedoch praktische Politik machen. Die suchen den Hauptgegner nicht in den eigenen Reihen.
Wir schaffen die fünf Prozent. Das ist wichtig, weil sich nur so eine Große Koalition zwischen CDU und SPD verhindern lässt.
Die Frage ist falsch gestellt. Sie müsste heißen: Wie kommt es, dass unsere Umfragewerte so fantastisch stabil sind?
Wir hatten 2010 den Abgang von zwei Spitzenkräften: Oskar Lafontaine und Lothar Bisky. Wir hatten eine Personaldebatte. Dann gab es im Sommer die Kampagne gegen mich. Die Bürger mussten den Eindruck haben, die Linke sei nicht ihren Interessen zugewandt. Trotzdem liegen wir bei 11 Prozent! Das zeigt doch, dass die Menschen wissen: Gäbe es die Linke nicht, würden die sozialen Themen aus der öffentlichen Debatte verschwinden.
Natürlich wollen und werden wir weiter zulegen. Und das bedeutet, das sage ich ganz bewusst auch an die eigene Partei: Selbstbeschäftigung einstellen. Es muss nicht jeder glauben, er sei so klug und weise, dass er anderen Parteimitgliedern öffentlich ans Bein pinkeln und die Richtung vorgeben kann.
Das ist doch Quatsch. Im Gegenteil. Bei der der Debatte um unser Programm und unsere Satzung darf es keine Denkverbote geben. Ein Maulkorb kommt nicht in Frage.
Ich wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich so tun würde, als wäre ich der allein Seligmachende. Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Lothar Bisky haben die Partei groß gemacht. Wir konkurrieren nicht, jeder macht seinen Job und bringt das Projekt voran. Ich auch.
Der entscheidende Punkt ist: Es gibt einige in unserer Partei, die 2013 auf Bundesebene koalieren wollen und bereit sind, dafür jetzt schon Ecken und Kanten zu schleifen, um Gespräche zu erleichtern. Ich halte diese Strategie für absurd und schädlich. Wir müssen bei unseren Grundpositionen bleiben. Eine geschliffene Linke ist überflüssig, wir brauchen eine Linke mit klarer Kante. Nur das schafft die Voraussetzung, dass wir in einer Stärke gewählt werden, um für Koalitionsgespräche überhaupt in Frage zu kommen.
Wir wollen, dass Schwarz-Gelb abgelöst wird. Wir wollen aber auch, dass Rot-Grün nicht alleine regieren kann. Denn Rot-Grün hat bedeutet: Hartz IV, Steuersenkungen für die Reichen, völkerrechtswidrige Kriege und Rente mit 67. Das müssen wir verhindern. Ich will keine Agenda 2020.
Entschuldigung: Sie tun gerade so, als wären die bisherigen Probleme gelöst. Was ist denn mit der Verteilungsgerechtigkeit? Wir brauchen einen Mindestlohn, wir müssen Hartz IV und die Lohndrückerei abschaffen und endlich die Millionäre an der Finanzierung des Sozialstaats beteiligen. Schauen Sie sich doch nur die verkorkste Erbschaftssteuer an. In der bayerischen Verfassung steht: "Die Erbschaftssteuer dient auch dazu die Ansammlung von Riesen-Vermögen in den Händen Einzelner zu verhindern."