Jürgen Todenhöfer, Vizechef des Medienkonzerns Burda, geht mit George W. Bush hart ins Gericht. Die Antiterror-Kriege im Irak und Afghanistan seien "das reinste Terrorzuchtprogramm", kritisiert der CDU-Politiker im stern - und stellt den US-Präsidenten in eine Reihe mit Saddam Hussein und Osama bin Laden.

Burda-Vize Jürgen Todenhöfer: "Im Irak habe ich mich für den Westen geschämt"© Thomas Schulze
Jürgen Todenhöfer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Burda-Verlages, attackiert im stern-Interview die Antiterror-Kriege des Westens scharf. Für den 67-Jährigen sind die US-amerikanischen Feldzüge "im Irak - auch der in Afghanistan, demnächst vielleicht der im Iran - das reinste Terrorzuchtprogramm".
Todenhöfer, der in den vergangenen Jahren mehrmals die Kriegsgebiete bereist und über den Irak-Konflikt den Bestseller "Warum tötest du, Zaid" geschrieben hat, hält es für seine "Pflicht, das Leid der Menschen im Irak zu zeigen".
Obwohl Todenhöfer selbst Ehrenoberst der US-Armee ist, hat er sich im Irak für den Westen geschämt: "Ich habe so unglaublich grausame Dinge erlebt. Ich war fünf Tage in der Stadt Ramadi, es hieß, es herrsche dort Frieden. Aber als ich dort war, sind 90 Zivilisten gestorben, nein, umgebracht worden bei sogenannten Kampfhandlungen."
Bei Razzien der US-Soldaten, so Todenhöfer im stern, "wird nicht einfach die Tür eingetreten, da könnten sich die Amerikaner ja die Knöchel verstauchen. Es werden kleine Granaten am Türgriff angebracht, die Tür fliegt auf - entweder wird sofort geschossen oder die Verdächtigen werden auf den Boden geworfen, Sack über den Kopf und dann verschwinden sie in irgendwelchen Lagern."
Hoffnung setzt Todenhöfer auf den demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama: "Wenn er die Hand zur muslimischen Welt ausstreckt, wenn er sie so fair wie Israel behandelt, wird der Konflikt gelöst. Es ist die einzige Chance. Er kann sie vermasseln, und das wäre fürchterlich für die Welt."
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 31/2008
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