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5. Mai 2009, 19:04 Uhr

Steinbrücks neuer Streich

Im Streit über Steuerhinterziehung legt Finanzminister Peer Steinbrück mit ironischem Unterton nach: In einer Pressekonferenz stellte der SPD-Politiker Luxemburg, die Schweiz, Österreich und Liechtenstein auf eine Stufe mit Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso.

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"Wir haben uns nicht zu entschuldigen": Finanzminister Peer Steinbrück verteidigt eine Liste, die auch EU-Länder in Sachen Steuerhinterziehung an den Pranger stellt© Tobias Schwarz/Reuters

In der EU ist ein offener Konflikt über sogenannte Steuerparadiese entbrannt. Deutschland verteidigt eine Liste, die auch EU-Länder wie Luxemburg und Österreich an den Pranger stellt. Dagegen forderte die tschechische EU-Ratspräsidentschaft am Dienstag in Brüssel eine Entschuldigung gegenüber diesen Ländern mit Bankgeheimnis. Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Jean-Claude Juncker, könnte bald seinen EU-Posten räumen - offizieller Grund sind baldige Wahlen im Heimatland. Europas dienstältester Regierungschef ist empört darüber, dass europäische Staaten beim G20-Treffen in London grünes Licht für die Liste gaben.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte nach Beratungen mit seinen europäischen Amtskollegen: "Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diese Liste, so unvollständig und irrtumsbehaftet sie ist, als richtig empfinde." Er fügte hinzu: "Wir haben uns für nichts zu entschuldigen." Nach Abschluss des Weltfinanzgipfels am 2. April hatte die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung/Paris) 42 Finanzzentren aufgelistet, die bisher nicht oder nur beschränkt mit Steuerfahndern anderer Länder zusammenarbeiten.

Vier Länder landeten auf einer "schwarzen Liste", während die EU- Länder Österreich, Belgien und Luxemburg in einer "grauen Liste" geführt werden. Dort werden Länder und Gebiete aufgeführt, die eine Umsetzung der Regeln zugesagt, aber noch nicht ausreichend vollzogen haben. Die drei EU-Länder hatten bereits erklärt, ihr bisher striktes Bankgeheimnis zu lockern.

Die Liste ist widersprüchlich

Der scheidende EU-Ratsvorsitzende, der tschechische Ressortchef Miroslav Kalousek, sagte, die Listen erwähnten nur einige Länder. "Deshalb glaube ich, dass die Listen nicht hätten veröffentlicht werden sollen, dass einige EU-Staaten wirklich nicht auf diese Listen gehören." Er fügte als persönliche Bemerkung hinzu: "Ich finde, wir sollten uns entschuldigen bei Luxemburg, Österreich und Belgien. Denn man kann wirklich nicht sagen, dass die drei Länder nicht kooperativ wären, dass sie Steuerparadiese wären." Kalousek wird nur noch bis Freitag amtieren.

Steinbrück sagte, er könne verstehen, dass Juncker nicht mit der Liste einverstanden sei, denn sie sei widersprüchlich. Man könne aber nicht erwarten, dass Gremien wie die G20 (größte Industrie- und Schwellenländer der Welt) oder die OECD Beschlüsse der EU oder der Eurozone komplett übernehmen. Juncker hatte EU-Partnern Wortbruch vorgeworfen, da der EU-Gipfel im März beschlossen hatte, dass keine EU-Länder auf Steuerparadies-Listen auftauchen sollen.

Jean-Claude Juncker ist einer der erfahrensten EU-Politiker und steht seit 2005 an der Spitze der Euro-Finanzminister. Im Juni sind Wahlen im Großherzogtum Luxemburg. Laut Juncker hängt es von den Koalitionsverhandlungen ab, ob er weiter oberster Kassenhüter seines Landes bleibt.

Die ironische Steuerparadies-Auflistung Steinbrücks

Steinbrück verteidigte seine Haltung im Kampf gegen Steuerhinterziehung und -betrug. "Wir pushen dieses Thema, mit großer Berechtigung" - denn der deutsche Fiskus verliere Geld. Ironisch meinte der Berliner mit Blick auf ein geplantes Treffen über Steuerparadiese: "Selbstverständlich werde ich sie zur Nachfolgekonferenz im Juni in Berlin einladen: Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich, Ouagadougou (Hauptstadt des afrikanischen Staates Burkina Faso)." Eine erste Konferenz dazu hatte es im vergangenen Oktober in Paris gegeben.

Die ironische Steuerparadies-Auflistung von Steinbrück kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Meister, am Dienstag in Berlin scharf: "Die Union distanziert sich von den Äußerungen des Ministers Steinbrück. Wir sind für die Bekämpfung der Steuerhinterziehung, aber in konstruktiver Weise. Steinbrück richtet wiederholt und bewusst großen außenpolitischen Schaden an. Außenminister (Frank-Walter) Steinmeier (SPD) sollte seinem Kollegen eine Lehrstunde in Diplomatie erteilen."

Keine Einigung erzielten die EU-Finanzminister am Dienstag bei ihrem Treffen, die Mindeststeuern für Tabakprodukte zu erhöhen. Ziel ist, die teils weit auseinanderliegenden nationalen Steuersätze anzugleichen und damit den Zigaretten-Tourismus und -Schmuggel zu bekämpfen. Eine Erhöhung der Steuer in Deutschland steht dabei nicht an.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
jetrabbit (08.05.2009, 03:28 Uhr)
er legt sich mit dem geldadel an
ja, das kann in die hose gehen. aber eben nur für den geldadel. ob burkina faso oder liechtenstein, alle steueroasen sind primär geldwaschanlagen.
.
ich würde sofort die NATO aus unseren ölkriegsgebieten holen und dort hinsenden. oder wir weigen uns einfach diesen kapitalismus weiter zu füttern.
Blacky007 (05.05.2009, 22:10 Uhr)
Gegen Steinbrück
ist der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen ja noch ein rücksichtsvolles Tierchen. Dieser diplomatieresistente Kerl ist wirklich untragbar und eine Schande für Deutschland. Es wird Zeit, dass der Wahltag kommt und dieser Sack endlich Geschichte wird.
Aquarius2 (05.05.2009, 21:52 Uhr)
Lektüre dringend empfohlen:
http://www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-finanzkrise/artikel/1/%5Cdas-krebsgeschwuer-der-gesellschaft%5C/
bundes-klinsi (05.05.2009, 21:51 Uhr)
Kein Wunder
Es ist doch keine Ueberraschung, dass Deutsche ihr schwer verdientes Geld ins Ausland schaffen, solange es in Deutschland dieses intransparente und unfaire Steuerrecht gibt.
Sternobyl (05.05.2009, 21:30 Uhr)
Steinbrück ist definitiv ökonomischer Laie
Er legt sich mit dem Geldadel an. Das ist in der Tat unerträglich undiplomatisch!
Aquarius2 (05.05.2009, 21:00 Uhr)
Man kann nicht
die Länder und deren Bankensystem an den Pranger stellen, denen deutsche Leistungsträger steuersparend ihre Ersparnisse anvertrauen.
Neid bringt führt hier nicht weiter. Wir haben doch alle Besseres zu tun: Folgen von Finanzspekulationen müssen aus dem deutschen Steuersäckchen ausgeglichen werden.
Sollen damit ausgerechnet unsere steuersparenden Leistungsträger belastet werden?
(Kompliment, Herr Steinbrück. Sie gefallen mir immer besser!)
lediable (05.05.2009, 20:58 Uhr)
Steinbrück ist nicht nur ökonomischer
blutiger Laie - wie von den Vorkommentatoren richtig bemerkt wurde.
Er hat auch kläglich versagt bei seinen ureigenen Hausaufgaben : der Neugestaltung und Reformierung des überkomplizierten
und für normale Steuerbürger völlig undurchschaubaren Steuerrechts.
Im Gegenteil, er und seine steueralimentierten Beamten der obersten Besoldungsstufen haben noch ein paar neue bürokratische Monster geschaffen (Abgeltungssteuer).
Man denke auch an die dilettantische
Aufsicht bei KfW/IKB und leichtfertige Allround-Garantieen für HRE - die hunderte Mrd Steuegelder fressen werden.
Um von diesem Dauerversagen abzulenken, eröffnet der unfähige Minister ständig neue Nebenkriegsschauplätze, auf primitive Neidreflexe seiner Landsleute spekulierend.
Die von deutschen Steuerbürgern im Ausland hinterzogenen Steuern sind Peanuts gegen die dreistelligen Milliardensummen, die Steinbrück
den maroden Banken reinschiebt - zum Teil auch um eigene Aufsicht-Fehler (KFW) zu reparieren.
Man kann nur hoffen, dass die Wähler das Spiel durchschauen ..
kabelmann (05.05.2009, 20:17 Uhr)
jdem das seine
Aber der Grund, wieso man einen Finanzminister mögen soll, der die Krise noch immer nicht überblickt hat, erschließt sich mir nicht ganz. Steinbrück hat bisher noch kein Fettnäpfchen ausgelassen und sich als ökonomischer Laie entpuppt
joerch (05.05.2009, 20:05 Uhr)
Steinbrücks Frustabbau
Na ja, etwas stur, hartnäckig und undiplomatisch ist er schon. Aber vielleicht muss man als Finanzminister, der versucht das Geld zusammenzuhalten, auch so sein. Jedenfalls ist er noch "sauer" das sein persönliches Ziel, ausgeglichener Haushalt, nicht mehr erreichbar ist. Egal wie, er sagt das was er denkt und das so einfach wie möglich damit der letzte ihn versteht. Befürchte, langsam mag ich ihn.
kabelmann (05.05.2009, 19:50 Uhr)
Vielleicht sollte man erwähnen....
....dass das Säbelgerassel von Steinbrück nichts hilft, wenn man sich nur darauf veständigt hat, gegen diejenigen Länder vorzugehen, die von dr OECD auf die schwarze Liste gesetzt wurden.
.
Und jetzt alle fleissig raten, wer da drauf steht
.
richtig
.
nicht ein einziger Staat steht da.
Wahlkampfgeschwätz, sonst nichts
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