. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. Mai 2011, 10:52 Uhr

Ramsauer droht Grün-Rot wegen Stuttgart 21

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verliert im Ringen um das Bauprojekt in Süddeutschland die Geduld. Laut "Financial Times Deutschland" will er von der rot-grünen Landesregierung Schadenersatz verlangen, sollte S21 scheitern. Von Jens Tartler, Berlin

Ramsauer, Grün-Rot, Stuttgart 21, Verkehrsminister, Peter Ramsauer, Bauprojekt, 192018

Verkehrsminister Peter Ramsauer verliert beim Thema Stuttgart 21 langsam die Geduld© Bernd Settnik/DPA

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat der neuen grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs mit Schadensersatzforderungen gedroht, wenn diese den Bau des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 (S21) verschleppt. Im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) warnte Ramsauer am Dienstag den neuen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und dessen Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD).

"Mit der Geduld ist es vorbei", sagte er. Kretschmann und Schmid hätten "eine klare Ansage" von Bahn-Chef Rüdiger Grube bekommen. "Jetzt muss wieder gearbeitet werden. Für den Fall, dass das Land sich seinen vertraglichen Verpflichtungen entzieht, muss es für den Vertragsschaden in voller Höhe haften. Das wird offensichtlich der neuen Landesregierung erst Stück für Stück klar."

Als Vertreter des Eigentümers der Bahn habe er auch die Interessen des Steuerzahlers zu vertreten. "Deshalb sage ich unmissverständlich: Hier darf kein Schaden eintreten."

Ramsauer: Bahnkunden müssen sich auf Behinderungen einstellen

Ramsauer wies auch den Eindruck zurück, die Führung der Deutschen Bahn (DB) zweifele mittlerweile selbst an der Umsetzbarkeit von S21 innerhalb des Kostenrahmens. "Aufsichtsrat und Vorstand der DB schwanken ganz und gar nicht", sagte er. Demnächst tage der Lenkungsausschuss für S21. "Und da wird die Führung der DB klipp und klar sagen, dass anstehende Aufträge bald vergeben werden müssen. Jeder weitere Verzug im Bau führt zu Vermögensschäden, die vom Land auszugleichen sind.

Unabhängig von S21 bereitete Ramsauer die Bahnkunden in ganz Deutschland auf jahrelange Behinderungen vor, weil das gesamte Netz ausgebessert werden müsse. Ab Sommer werde es eine zunehmende Zahl von Baustellen geben. Ein Beispiel sei die Strecke Hannover-Berlin. Bevor es dauerhaft besser werde, werde es vorübergehend schlechter

Unter anderem durch die Dividendenzahlungen der DB an den Bund, die zum Teil wieder in die Schiene flössen, könnten 2012 bis 2014 zusätzlich eine Milliarde Euro verbaut werden. Die Regierung und die DB hätten acht Projekte benannt, für die aus dieser einen Milliarde Euro Finanzierungsvereinbarungen abgeschlossen werden könnten. Vor wenigen Tagen hätten sie die Finanzierung für die Strecke Oldenburg-Wilhelmshaven zur Anbindung des Jade Weser Port unterzeichnet.

"Fernbusse stehen nicht in Konkurrenz zur Bahn"

Ramsauer wies auch Drohungen der DB zurück, dass die von ihm durchgesetzte Liberalisierung des Fernbusverkehrs zu einer Ausdünnung des Fernverkehrs auf der Schiene führen werde: "Dass Städte wie Erfurt oder Flensburg vom Fernverkehr abgehängt werden, befürchte ich nicht. Die Drohung geht ins Leere, da unsere Fernbusse nicht in Konkurrenz zur Bahn stehen.

Es gehe nicht darum, der Schiene Kunden abzujagen. Es gehe darum, Autoverkehr zu bündeln. "Bevor 25 Pärchen in eigenen Autos von München nach Berlin fahren, ist es billiger, sicherer und umweltfreundlicher, wenn sie zu 50 im Fernbus sitzen." IC und EC würden keine Masse an Kunden verlieren.

Großes Thema Elektromobilität

Auch beim Thema Elektromobilität griff Ramsauer die neue, autokritische Landesregierung in Stuttgart an. "Wenn ein Land mir gegenüber erklären würde, es will zu einer praktisch autofreien Zone werden, würde ich das als Verzicht interpretieren und mich anderen Regionen Deutschlands zuwenden", sagte der Minister. Noch in diesem Jahr werde es ein offenes Bewerbungsverfahren für die sogenannten Schaufenster geben. In diesen soll E-Mobilität in großem Maßstab ihre Praxistauglichkeit beweisen. Eines der maßgeblichen Kriterien werde ein belastbares - auch finanzielles - Engagement der Beteiligten vor Ort sein. Es geht dabei um einen angemessenen Mittel- und Fahrzeugeinsatz der Industrie und um die Bereitschaft der Kommunen, neue Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ramsauer unterstrich die Bedeutung der deutsch-chinesischen Plattform für E-Mobilität. Er habe keine Angst vor Technologiediebstahl. "Die Tatsache, dass die Chinesen so ein brennendes Interesse daran haben, was wir machen, zeigt doch, dass wir gut sind."

Ramsauer räumte ein, dass die bisherigen Anstrengungen für einen europaweit oder international einheitlichen Stecker für E-Autos bisher erfolglos waren. Die Abstimmung mit Frankreich habe nicht geklappt. Dabei sei der deutsche Stecker der beste.

Übernommen aus ... FTD FTD
zur FTD-Homepage

Von Jens Tartler, Berlin
 
 
Leser-KommentareBETA
MEHR ZUM ARTIKEL
Bahnprojekt Stuttgart 21 Bahnchef Rüdiger Grube macht Druck

Es gibt keine Schonzeit für die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg. Zumindest nicht beim umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Die Bahn will es jetzt durchziehen. Und sie droht mit hohen Mehrkosten bei Verzögerungen. mehr...

Bahnchef Grube Keine Schonzeit für Grün-Rot

Es gibt keine Schonzeit für die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg. Zumindest nicht beim umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Die Bahn will es jetzt durchziehen. Und sie droht mit hohen Mehrkosten bei Verzögerungen. mehr...

Grüner Verkehrsminister Hermann "Stuttgart 21 taugt einfach nicht"

Winfried Hermann spielt als Verkehrsminister in der neuen baden-württembergischen Regierung eine entscheidende Rolle. Mit stern.de sprach er über Stuttgart 21 und grüne Autos. mehr...

Ramsauer zu Stuttgart 21 Zuckerbrot und Peitsche

Nach dem Machtwechsel in BaWü fährt Verkehrsminister Peter Ramsauer beim Megaprojekt Stuttgart 21 nun eine Kompromisslinie. Die Schnellbahnstrecke Wendlingen - Ulm könnte unabhängig vom neuen Stuttgarter Bahnhof gebaut werden, schlägt er vor und schiebt eine Drohung hinterher. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe