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Führerscheindebatte Warum Motorrad-Fahren mit Pkw-Führerschein so wichtig für die Verkehrswende ist

Mirkromobilität muss ohne staatliche Zusatzkosten möglich sein.
Mirkromobilität muss ohne staatliche Zusatzkosten möglich sein.
© Getty Images
Motorrad-Fahren für jeden – nach der Maut kommt die nächste Gaga-Idee aus dem Verkehrsministerium. Das könnte man denken, doch hinter dem Projekt steckt mehr als ein bisschen Motorradspaß.

Laut Informationen des Spiegels möchte die Bundesregierung es leichter machen, auf ein Zweirad umzusteigen. Der normale Pkw-Führerschein soll künftig genügen, um sogenannte Leichtkrafträder fahren zu dürfen. Leichtkrafträder dürfen maximal 15 PS haben, das reicht immerhin für Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h.

Einiges spricht für die Idee. In Deutschland ist ein Führerschein ganz besonders teuer. Der Straßenverkehr ist bei uns aber nicht sicherer als in vergleichbaren EU-Ländern. Zudem hat die Politik dafür gesorgt, dass man mit dem normalen Pkw-Führerschein immer weniger darf. Für viele Dinge, die man vor den 1980er Jahren mit dem Führerschein der Klasse III machen durfte, benötigt man nun inzwischen ein extra Zertifikat. Begründet wurde jede Einschränkung mit der Sicherheit, es ist aber kein Geheimnis, dass hier – ähnlich wie im Hotelwesen – Klientelpolitik für die Fahrlehrer gemacht wurde.

Der Vorschlag des Verkehrsministers Andreas Scheuer kommt zur richtigen Zeit. Hier geht es nämlich nicht um ein bisschen Motorradfahren, sondern um die Verkehrswende. Sie kann nur gelingen, wenn mehr Menschen auf den Pkw verzichten. Darum wurden E-Scooter erlaubt und auch der Boom der Elektroräder substituiert Autofahrten.

Das Land der Nörgler und Lobbyisten

Doch Deutschland ist das Land der Bedenkenträger. Nörgler fordern, die Menschen sollten gefälligst ein Muskelrad benutzen, anstatt einen kleinen E-Antrieb. Anstatt sich zu freuen, dass diese Formen der Mobilität sehr viel weniger öffentlichen Raum als ein Pkw benötigt, wird auf die Nöte der Kraftfahrer hingewiesen, die vielleicht etwas Platz abgeben müssten. Und dazu kommt die Panikmache mit den Unfallgefahren der kleineren Verkehrsmittel. Richtig ist natürlich, dass man in einem Monster-SUV sicherer unterwegs ist, als mit einem Mikrovehikel. Bei einem Unfall sitzt der SUV-Fahrer sicher in seiner Burg – am Unfall beteiligte Radfahrer, Fußgänger und Motorradfahrer haben es nicht so gut. Und natürlich verunglücken heutzutage mehr Menschen mit einem E-Bike als vor zehn Jahren. Das ist aber kein Wunder: Heute sind etwa acht Millionen E-Bikes im Gebrauch, vor zehn Jahren waren es noch einige Hunderttausende.

Thema Risiko: So ein Quad darf man mit dem Pkw-Führerschein fahren.
Thema Risiko: So ein Quad darf man mit dem Pkw-Führerschein fahren.
© Getty Images

Förderung von Kleinfahrzeugen

Scheuer hat richtig erkannt, dass Mikrofahrzeuge unterhalb der Größe eines PKWs weltweit ein wichtiger Baustein sind, um zu einer Wende im Verkehr hinzukommen. Sie benötigen weniger Platz als ein Pkw, sie verbrauchen beim Bau einen Bruchteil der Ressourcen eines SUVs und vor allem: Diese Fahrzeuge gibt es weltweit schon jetzt mit emissionsfreien Elektroantrieb zu bezahlbaren Preisen.

Überall auf der Welt wird diese sanfte Form der Mobilität gefördert. Sie wird sich in Deutschland aber nicht durchsetzen, wenn jedes neue Mobilitätskonzept mit Bedenken behindert oder gleich ein weiterer Führerschein mit einem Preisschild von 1000 bis 2000 Euro daran geheftet wird.

Motorradfahren kann durchaus gefährlich sein. Doch mit dem normalen Führerschein darf sich auch der Ungeübte an das Steuer eines Sportwagens setzen und dann mit 300 km/h über die Autobahn kacheln. Er kann sich auch ein beliebig stark motorisiertes Quad – weil vier Räder – zulegen. Ein Gefährt, das weit tückischer zu führen ist, als eine Vespa mit zehn PS.

Die E-Roller in Form einer Vespa illustrieren das Problem: Mit dem Pkw-Führerschein darf man derzeit sehr wohl ein Zweirad fahren, doch diese Modelle sind bei 45 km/h abgeregelt. In der Stadt ist man ein rollendes Hindernis, das ununterbrochen und meist sehr rücksichtlos überholt wird. Selbst ein routinierter Fahrer kommt in solchen Situationen einem Herzanfall sehr nah. Wer mit so einem Roller einmal auf einer mehrspurigen Straße zum Abbiegen auf die linke Spur wechseln musste, ist meist kuriert. In der Fläche sind diese Dinger überhaupt nicht zu gebrauchen, mit 45 km/h auf der Landstraße zu fahren, ist Irrsinn. Mit einem Motorroller als Leichtkraftrad sieht das anders aus, aber dann wird ein extra Führerschein benötigt.

Ob nun Roller oder kleine E-Transporter – die sanfte Form der E-Mobilität wird sich nur durchsetzen können, wenn der Gesetzgeber hilft. Und dazu gehört auch, dass der Standardführerschein wieder mehr können muss als bisher.

Der Verfasser dieses Textes besitzt übrigens noch den alten Führerschein Klasse III, der enthält Motorräder bis 125 Kubikzentimeter Hubraum, große Anhänger und leichte Lkw bis 7,5 Tonnen.

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