Rußfilter Wie Diesel-Fahrer Steuern sparen


Die Bundesregierung hat ihre internen Streitereien über die Rußfilter für Dieselmotoren beigelegt. Nun ist klar: Wer einen Filter einbaut, kann Steuern sparen.

Schon lange hat kein Umweltthema mehr für so viel Streit gesorgt wie der Rußfilter für Dieselmotoren. In der Regierung stritt die SPD mit den Grünen, Finanzminister Hans Eichel mit Umweltminister Jürgen Trittin, die deutschen Autobauer stellten sich gegen Franzosen und Japaner, die Umweltverbände kritisierten Volkswagen und Eichel. Jetzt hat sich die Bundesregierung geeinigt. Ab 1. Januar 2006 gibt es für umweltfreundliche Diesel-Fahrzeuge einen Steuerrabatt. Wir erklären, was es mit dem Filter und der Förderung auf sich hat.

Warum wird der Dieselrußfilter gefordert?

In Dieselmotoren entsteht Ruß, wenn zu wenig Luft für die vollständige Verbrennung des Kraftstoffs zur Verfügung steht, etwa beim kräftigen Gasgeben. Daher kommen die grauen Wolken beim Ampelstart. Die Rußteilchen (Partikel) sind an sich nicht giftig. Nach Ansicht vieler Ärzte können sie aber zur Gefahr werden, wenn sie tief in die Lunge eindringen, sich dort festsetzen und Entzündungen oder gar Krebs auslösen. Dieselrußfilter halten diese Teilchen zu 99 Prozent zurück.

Wie funktionieren die Filter??

Der Partikelfilter wird unter dem Wagenboden in die Abgasanlage eingebaut. Der Ruß bleibt in engen Sieben hängen. Damit der Filter nicht verstopft, benutzen die Hersteller verschiedenen Methoden. Bei manchen wird ab und zu Extra-Diesel eingespritzt, damit die Temperatur steigt und der Ruß verbrennt. Andere Marken haben einen kleinen Tank für ein Additiv installiert, das den Filter sauber hält. So oder so führt der Rußfilter im Betrieb zu höheren Kosten.

Wie teuer ist das Gerät??

Nach einer Studie der Zeitschrift „Auto-Bild“ ist Toyota mit 800 Euro Aufpreis am teuersten. Die Aufpreise bei Audi und manchen großen Mercedes-Modellen liegen knapp unter 700 Euro. Ford verlangt 600 Euro, VW 565 Euro, Opel 495 Euro. Bei zahlreichen Modellen ist der Filter aber schon Serienausstattung, etwa bei BMW der 5er-Reihe, bei vielen Citroen und Peugeot, einigen Mercedes-Autos und den großen VW-Modellen Phaeton und Touareg.

Wem nützt und wem schadet die schnelle Einführung der Filter?

Die Schwestermarken Peugeot und Citroen haben früh auf den Filter gesetzt und rüsten viele ihre Autos serienmäßig damit aus. Die deutsche Autoindustrie hat den Trend nach Ansicht vieler Branchenkenner verschlafen und dann den Filter bekämpft. So hat zum Beispiel Volkswagen nur wenige Modelle mit Filter im Angebot. Nach Presseberichten hat VW es versäumt, rechtzeitig bei den Zulieferern Filter zu bestellen. Der größte deutsche Hersteller galt daher als einer der Bremser bei der Steuerentlastung, weil der Konzern Vorteile für die Franzosen befürchtet.

Warum ist das Thema Diesel so wichtig für die deutschen Hersteller?

Deutschland ist traditionell stark in der Dieseltechnik. Mercedes brachte den Dieselmotor schon vor dem Zweiten Weltkrieg in den Pkw. Der Volkswagenkonzern machte den Diesel in den 80er Jahren mit der TDI-Technik für kleinere Autos wie Golf oder Polo einsetzbar. Die Japaner blieben in der Technologie zurück. Durch die hohen Energiepreise wurde der Diesel immer beliebter. Inzwischen sind fast die Hälfte der Neuwagen in Deutschland Diesel. Der Name geht auf den Erfinder Rudolf Diesel zurück.

Mit welcher Entlastung können Autokäufer jetzt rechnen?

Umweltfreundliche Diesel-Autos mit einem Ausstoß von höchstens fünf Milligramm Ruß pro Kilometer sollen ab Januar 2006 mit bis zu 350 Euro im Jahr bei der Kraftfahrzeugsteuer gefördert werden. Die Förderung soll bis Ende 2007 laufen und nur einmal pro Auto bezahlt werden. Nachgerüstete Rußfilter sollen mit 250 Euro gefördert werden. Offen ist noch, ob jetzt gekaufte Wagen mit Rußfilter auch gefördert werden. Die Regelung soll zum 1. Januar 2008 auslaufen, weil die Autoindustrie dann ohnehin nur noch Neuwagen mit Rußfilter auf den Markt bringen will.

Was bedeutet die Förderung für den Autoabsatz?

Nach einer Studie des Institutes B&D-Forecast könnte eine Förderung bis zu 100.000 zusätzlich verkaufte Autos bedeuten. Allerdings ging die Studie von einer höheren Förderung aus. Die zusätzlichen Neuwagen und die Nachrüstung würden Bund und Ländern mehr Einnahmen aus der Umsatzsteuer bringen und die Kosten der Förderung zum Teil wettmachen.

Claus-Peter Tiemann/AP AP

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