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Neue Dienste Google trägt dick Make-up auf


Viel Neues bei Google: Der Kartendienst Maps bekommt ein überarbeitetes Design, die Suche weitere Funktionen spendiert und Google startet ein eigenes Spotify. Alle Neuerungen im Überblick.
Von Christoph Fröhlich

Es war ein wahrer Hightech-Marathon: Mehr als drei Stunden dauerte die Eröffnungsveranstaltung der Google I/O, der dreitägigen Entwicklerkonferenz des Suchmaschinengiganten. Die Erwartungen waren hoch: Viele Fans hofften auf eine neue Android-Version, ein neues Nexus 7, gar auf ein neues Google-Smartphone oder andere revolutionäre Gadgets. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht: Es gab keine neue Android-Version. Kein neues Tablet. Kein Nexus 5. Selbst Google Glass, die Wunder-Datenbrille, suchte man auf der Bühne vergebens. Nur im Publikum war die Internetbrille dutzendfach auf den Köpfen der Zuschauer zu sehen. Statt neuer Hardware zeigte Google jede Menge Software. Ein Überblick.

Neuer Look für Maps

Der Star des Abends ist das neugestaltete Google Maps. Die Karten wirken nun offener, aufgeräumter und haben jede Menge neuer Funktionen. So zeigt Google Maps bei kleineren Nebenstraßen nicht mehr automatisch den Namen an. Erst wenn der Nutzer diese anklickt, wird der Straßenname sichtbar. Der Seitenbereich des Fensters fällt in Zukunft weg, Informationen werden oberhalb des Kartenmaterials angezeigt. Dadurch wird der sichtbare Ausschnitt größer. Außerdem werden Google-Earth-Daten stärker integriert, Sehenswürdigkeiten können dann etwa als 3D-Modell betrachtet werden.

Schlauer soll der Kartendienst der nächsten Generation auch sein: Die Karten werden in Zukunft persönlicher werden und sich an den Nutzer anpassen, verspricht Google. Bereits mit Google Maps besuchte Orte und Empfehlungen von Freunden werden direkt in das Kartenmaterial eingebunden. So soll der Nutzer auf einen Blick sehen, was für ihn wichtig und relevant ist, so Google. Mit diesen Vorlieben könnten auch Restaurants und Sehenswürdigkeiten für Routen herausgesucht werden.

Ebenfalls neu: Aus der Kartenansicht kann nun direkt in das Innere von Restaurants gezoomt werden, sofern diese vorher in einer 360-Grad-Ansicht fotografiert wurden. Wer Google Maps als Navigationsdienst nutzt, kann sich nun auch Staus und Unfälle anzeigen lassen, auf Wunsch findet Google heraus, wie der Stau umfahren werden kann. Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln profitieren ebenfalls von der neuen Version: Fahrpläne bieten weitere Informationen, so werden nun Umsteigeoptionen und verschiedene Abfahrtszeiten von Bus und Bahn angezeigt.

In wenigen Wochen wird der Kartendienst für Android- und iOS-Systeme zum Download bereitstehen. Erstmals können dann auch iPad-Nutzer die Google-App installieren. Die neue Desktop-Version von Google Maps soll ab Donnerstag verfügbar sein, allerdings nur für Nutzer, die sich zuvor für eine Einladung angemeldet haben. Die Zugänge sollen am Donnerstag freigeschalten werden.

Google startet Spotify-Herausforderer

Eine weitere Neuerung ist Googles Musikstreamingdienst, der auf den etwas sperrigen Namen "Google Play Music All Access" hört. Er ist ab sofort in den USA verfügbar, weitere Länder sollen laut Google-Manager Chris Yerga demnächst folgen. Ähnlich wie bei der Konkurrenz können Nutzer den Dienst mit seinen rund 20 Millionen Songs zunächst 30 Tage lang kostenlos ausprobieren. Anschließend schlägt der Dienst mit 9,99 US-Dollar monatlich zu Buche. Der deutsche Abopreis ist nicht bekannt, vermutlich werden es aber rund zehn Euro im Monat sein.

Weiterhin gibt es eine Radio-Funktion, welche ähnlich wie bei Spotify funktioniert: Hört der Nutzer einen Song, sucht die Software im Hintergrund ähnliche Titel aus der Datenbank und erstellt eine endlos lange Playlist. Insgesamt stehen 22 verschiedene Genres von Pop bis Rock zur Auswahl.

Suche via Sprache

Das Kerngeschäft von Google ist nach wie vor die Suche. Auch hier gibt es Neuerungen, die nicht großspuriger hätten angekündigt werden können. Nicht weniger als "das Ende der Suche, die wir bisher kennen", würden die Zuschauer auf der Google I/O zu sehen bekommen, sagte der hochrangige Software-Ingenieur Amit Singhal. Ganz so revolutionär wurde es dann aber nicht: Gezeigt wurde anderem eine sprachgesteuerte Suche für Desktop-PCs und Notebooks. Smartphone- und Tablet-User kennen dieses Feature bereits vom Dienst Google Now.

Allerdings ist der Dienst nun noch cleverer: Bei Fragen á la "Wie weit ist es von hier zum Flughafen" erkennt das Gerät automatisch, dass "hier" der aktuelle Aufenthaltsort des Nutzers ist, sodass die kürzeste Route berechnet werden kann. Ebenso können E-Mails via Sprachbefehl verschickt oder der eigene Bilderordner durchsucht werden ("Zeige mir alle Bilder aus New York"). Zumindest bei der präsentation in San Francisco leistete die Software keine Patzer.

Außerdem will Google in Zukunft noch stärker voraussagen können, was der User wissen will. Sucht er beispielsweise nach der Einwohnerzahl von Indien, liefert Google automatisch verschiedene Statistiken und Grafiken - etwa wie hoch die Einwohnerzahl im Verhältnis zu anderen Ländern ist.

Google bekommt eigenes S4

Ein neues Nexus 4, 7 oder 10 gab es nicht zu sehen. Ein Smartphone schaffte es dennoch auf die Bühne des Moscone Center: das Galaxy S4. Statt der Touchwiz-Oberfläche der Südkoreaner nutzte das gezeigte Samsung-Flaggschiff allerdings eine unveränderte, pure Version von Android 4.2 Jelly Bean als Betriebssystem. Das Gerät unterstützt das ultraschnelle mobile Internet LTE und hat 16 Gigabyte Speicher. Welcher Prozessor eingebaut ist, wurde nicht gesagt.

Ein weiterer Vorteil: Alle zukünftigen Android-Updates sollen sofort nach Erscheinen bereit stehen. Das sorgte für Jubel bei den 6000 Anwesenden, müssen doch selbst Nutzer von Highend-Smartphones oft monatelang auf Updates warten. Bei der Ankündigung des Preises wurde es dann schlagartig still: Im Juni soll das Gerät in den USA für 649 Dollar erscheinen. Wann das Handy in Deutschland erscheint, ist unklar.

Tapetenwechsel bei Google+

Gleich 41 neue Funktionen bekam der Facebook-Herausforderer Google+ spendiert. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem überarbeiteten Design, welches nun auf allen Geräten gleich aussieht und an eine Mischung aus Flipboard und Pinterest erinnert. Ab sofort gibt es bis zu drei Spalten, die dynamisch je nach Gerät angepasst werden. Fotos und Videos können nun über die ganze Breite angezeigt werden. Zudem gibt es einige neue Animationen: So werden Menüs erst eingeblendet, wenn der Nutzer mit der Maus über bestimmte Bereiche fährt.

Außerdem zeigte Google-Manager Vic Gundotra neue Funktionen zur Bildverbesserung. Die Funktionen "Auto Highlight" und "Auto Enhance" verbessern Kontrast und Helligkeit, außerdem kann das Bildrauschen minimiert und die Bildschärfe erhöht werden. So sollen User mit wenigen Mausklicks beispielsweise Hautunreinheiten entfernen können. Mit der Funktion "Auto Awesome" kann der Nutzer aus mehreren Einzelaufnahmen ein "perfektes" Bild zusammenbauen. Zudem stehen ab sofort jedem Google+-User 15 Gigabyte kostenloser Speicherplatz für Fotos bereit.

Die Hangouts, Googles Chat- und Videozentrale, wurde ebenfalls runderneuert: Gespräche können nun archiviert werden. Hangouts gibt es als eigene App für Android, iOS und das Web. Damit sind auch Gruppen-Videochats via Handy möglich.

Neue Dateiformate für Chrome

Der Browser Chrome eilt von Rekord zu Rekord. Nutzten den Internet-Explorer-Ersatz im vergangenen Jahr noch 450 Millionen User pro Monat, sind es mit 750 Millionen nun fast doppelt so viele. Damit der Browser auch in Zukunft attraktiv bleibt, zeigte Google bei der Entwicklerkonferenz unter anderem ein neues Bildformat namens WebP: Bilder sollen damit kleiner sein als Jpegs, aber trotzdem die selbe Qualität haben. Gezeigt wurde auch ein neuer Videocodec namens VP9, der Videos verkleinert.

Zahlen, Zahlen, Zahlen

Vor einem Jahr gab es weltweit 400 Millionen Android-Nutzer, erklärte Google-Manager Sundar Pichai zu Beginn der Veranstaltung. Mittlerweile sei Android das weitverbreitetste mobile Betriebssystem: Auf 900 Millionen Geräten sei das Google-Betriebssystem installiert. Hugo Barra, sein Kollege aus dem Produktmanagement, hat ähnliche Erfolgszahlen vorzuweisen: 48 Milliarden Apps seien mittlerweile aus Google Play-Store weltweit heruntergeladen und installiert worden. Für Google ist das offenbar erst der Anfang: "Denkt dran, es gibt acht Milliarden Menschen auf der Welt, wir haben also noch einen langen Weg vor uns", scherzt Pichai.

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