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Marine "Severodvinsk" – Atom-U-Boot in der Ostsee erinnert an die Macht von Putins Nuklearwaffen

Es ist der erste Ausflug eines Boots der Yasen-Klasse in die Ostsee.
Es ist der erste Ausflug eines Boots der Yasen-Klasse in die Ostsee.
© Sevmash / PR
Ein U-Boot der Yasen-Klasse wurde auf dem Marsch nach St. Petersburg gesichtet. Die waffenstarrende "Severodvinsk" soll Russlands Atommacht unterstreichen. Ihre Raketen können Ziele in ganz Europa treffen. Unter anderem kann sie Hyperschallflugkörper vom Typ Zircon starten.

Das russische Atom-U-Boot "Severodvinsk" wurde in der Ostsee gesichtet. Der Besuch war angekündigt, das Boot lief über Wasser – begleitet von zwei russischen Schiffen wurde es dann auch noch von dänischen Kriegsschiffen eskortiert. Die "Severodvinsk" ist auf dem Weg nach St. Petersburg.

Nicht ungewöhnlich

Business aus usual – die Präsenz der "Severodvinsk" auf einer Parade in St. Petersburg hat nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun. Die flache und kleine Ostsee ist auch kein ideales Einsatzgebiet für das gewaltige Boot der Yasen-Klasse. Und doch erinnert die Durchfahrt deutlich an den Status Russlands als Atommacht.

Die "Severodvinsk" gehört zu den gefährlichsten U-Booten der Welt. Ihr Bau fällt in die Post-UdSSR Ära und zog sich wegen der wirtschaftlichen Krisen der Jelzin-Jahre endlos hin, bis das Boot am 12. September 2011 eine Probefahrt unternahm. Die "Severodvinsk" ist das erste Schiff der Yasen-Klasse. Sie gilt als Mehrzweck-U-Boot und folgt damit nicht der Einteilung von Angriffs-U-Booten und Booten mit strategischer Bewaffnung. Das heißt, die "Severodvinsk" kann beides: Sie kann Schiffe und U-Boote des Gegners jagen und vernichten, aber auch strategischen Waffen tragen.

Neben der "Severodvinsk" ist noch ein Angriffs-U-Boot der Akula-Klasse.

Unter anderem soll sie 3M-14 Raketen tragen, die feindliche U-Boote angreifen können. Gegen Überwasserschiffe kann sie Marschflugkörper vom Typ 3M-54 Kalibr und P-800 Onyx Antischiffsraketen einsetzen. Die "Severodvinsk" ist das erste U-Boot, von dem aus Hyperschallwaffen vom Typ 3M22 Zircon gestartet wurden. Die "Severodvinsk" ist 140 Meter lang und verdrängt untergetaucht 13.800 Tonnen. Durch den Antrieb mit einem Atomreaktor kann sie beliebig lang im Einsatz bleiben, solange die Nahrungsmittel für die Besatzung ergänzt werden. Ihre besondere Gefährlichkeit erreicht die Yasen-Klasse, weil sie auch mit hoher Geschwindigkeit noch sehr leise ist. Die Schiffe sind schwer zu entdecken. Boote dieser Klasse sollen sich dem Aufspüren durch die US-Marine mehrfach erfolgreich entzogen haben.

Kalibr als Hauptbewaffnung

Da die Raketen und die Marschflugkörper auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können, ist das Zerstörungspotenzial der "Severodvinsk" sehr hoch. "Es handelt sich um die Einheit der russischen Marine, die der NATO gerade die größten Kopfschmerzen bereitet. Die Bewaffnung besteht aus weitreichenden Flugkörpern, die mit einem Schlag fast alle Nachschubhäfen der NATO in Nordeuropa angreifen kann", sagte Johannes Peters, Abteilungsleiter Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, den "Kieler Nachrichten". Die Kalibr-Marschflugkörper habe eine Reichweite von 4500 Kilometern, wegen der hohen Geschwindigkeit ist es derzeit nicht möglich, die Zircon-Raketen abzufangen.

Das Vorzeigen eines Boots der Yasen-Klasse ist immer auch eine Erinnerung daran, was Putin in seinem nuklearen Arsenal bereithält. Eine echte Drohung ist es allerdings nicht. Die hat sich seit dem Kalten Krieg nicht verändert. Um dem Gegner wirklich einen Schrecken einzujagen, verlassen mehrere U-Boote gut sichtbar ihre Stützpunkte. Die Marine der NATO-Länder wird so vorgewarnt. Dann tauchen die Boote und stoßen in das offene Meer auf. Ziel so eines Manövers ist es, dass die Boote die Abwehrketten der NATO unentdeckt durchbrechen. Und dann weiterhin unerkannt ihre Angriffsräume erreichen. Die hohe Reichweite und Präzision der Marschflugkörper erleichtern so ein Manöver im Vergleich zum Kalten Krieg. Ende 2019 führte die russische Marine so ein Manöver auch mit der "Severodvinsk" durch. Das Manövergebiet lag östlich des "GIUK-Gap", der Linie zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich.

Ganz Europa im Visier 

Das Kalibr-System "verleiht der russischen Marine eine Langstreckenschlagfähigkeit, die sie noch nie zuvor besessen hat", schrieb damals Andrew Metrick, ein Analyst am Center for Strategic and International Studies in Washington, DC, in Proceedings, der Fachzeitschrift des US Naval Institute. "Russische U-Boote müssen nicht länger die Lücke passieren, um einen dramatischen Einfluss auf das europäische militärische Gleichgewicht zu nehmen", so Metrick weiter. "Vielmehr können sie von der relativen Sicherheit der Bastionen in der Norwegischen und Barentssee aus operieren und Ziele in ganz Nord- und Mitteleuropa angreifen."

Einfach gesagt: Wenn man die U-Boote nicht mehr "sieht", wird es wirklich gefährlich.


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