HOME

Stern Logo Technik

Coronavirus: Bau von zwei Kliniken im Turbo-Tempo - wie schaffen die Chinesen das?

Um das Coronavirus einzudämmen, macht China Tempo. Zwei große Krankenhäuser werden in nur zehn beziehungsweise zwölf Tagen hochgezogen. Wie geht das?

China: Innerhalb weniger Tage sollen zwei Krankenhäuser in Wuhan entstehen.

In Wuhan, dem Zentrum der Epidemie des Coronavirus, werden zwei neue Krankenhäuser für die Erkrankten der Epidemie errichtet. Das Behelfskrankenhaus mit 1000 Betten in Huoshenshan wird voraussichtlich am 3. Februar in Betrieb genommen, während das zweite mit 1600 Betten am 5. Februar fertig wird. Das sind nur zehn beziehungsweise zwölf Tage nach der Ankündigung des Baubeginns.

Die Krankenhausbetten werden benötigt, weil die chinesischen Experten bei der Bekämpfung des Ausbruches auf die einfachsten, ihrer Meinung nach aber wirkungsvollsten Methoden setzen: Früherkennung und Isolierung. Sie hoffen, dass der Höhepunkt der Krankheitswelle in den nächsten zehn Tagen erreicht sein wird. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffes wird aber mehrere Monate in Anspruch nehmen. Entsprechend werden die Krankenhausbetten jetzt  benötigt.

Unsere Fotostrecke zeigt die Details des Baus, klicken Sie hier, um sie in Seitenbreite zu sehen.

Epidemie : So bauen die Chinesen ein Corona-Krankenhaus in nur zehn Tagen
Die Grundeinheiten messen in etwa 10 Qudratmeter.

Die Grundeinheiten messen in etwa 10 Qudratmeter.

Picture Alliance

Das kleinere Krankenhaus in Huoshenshan bedeckt etwa 33.000 Quadratmeter, das ist mehr als die Fläche von vier Fußballplätzen. Es wird Intensivstation, Patientenstationen, Sprechzimmer, Räume für medizinische Geräte und alles weitere umfassen, was für ein Krankenhaus dieser Größe notwendig ist. Dazu werden mehrere Quarantänestationen gebaut, die baulich etwas abgegrenzt sind. In den zehn Tagen soll nicht allein das Gebäude errichtet werden. Das Krankenhaus soll dann so ausgestattet sein, dass es den Betrieb aufnehmen kann.

China hat Erfahrungen im Turbo-Bau

Die Welt fragt sich, wie ist das möglich? Und in der Tat wirkt das Zeitfenster extrem knapp bemesssen, auch wenn man in Rechnung stellt, dass es sich um einen nationalen Notstand handelt und der chinesische Premier alle Beteiligten aufforderte, das Äußerste zu leisten. Zuerst sollte man beachten, dass in Asien und in China im Besonderen anders gebaut wird als etwa in Deutschland. Dort ist es bei vielen Projekten die Regel, dass auf der Baustelle nicht gemauert und gemörtelt wird. Die zu errichtenden Gebäude werden als Module in Fabriken vorproduziert und auf der Baustelle lediglich zusammengesetzt.

Wenn Zeitdruck herrscht, etwa weil eine zentrale Kreuzung für den Bau gesperrt werden muss, wird alles darangesetzt, die Montagezeit möglichst klein zu halten. So kann es passieren, dass eine Brücke für eine Art von Stadtautobahn in einer Nacht hingestellt wird und ein kompletter Bahnhof für den Nahverkehr an nur einem Wochenende abgerissen und neu errichtet wird. Zum Berufsverkehr am Montagmorgen wird der Betrieb nahtlos fortgesetzt.

Um diesen Zeitrahmen zu erreichen, werden die einzelnen Schritte generalstabsmäßig vorbereitet. Man kann sagen: Jeder Handgriff ist vorher geplant und exakt getimed. Dadurch wird es möglich, auf der ganzen Baustelle mit vielen Gruppen parallel zu arbeiten. Typisch sind die Bilder, in denen Bagger zu Dutzenden in langen Reihen nebeneinander arbeiten.

Erfahrungen des Sars-Ausbruchs

Kurzum: China hat Erfahrungen mit dem Bau im Formel-1-Tempo. Außerdem hatte Peking vorgesorgt. Die Blaupause für derartige Krankenhäuser war bereits vorhanden. Beide Gebäude profitieren von den Erfahrungen, die 2013 beim Bau des Xiaotangshan-Krankenhauses – sieben Tage Bauzeit – gesammelt wurden. Es wurde in Peking errichtet, um die Opfer des SARS-Ausbruchs zu behandeln. Laut offiziellen Angaben überlebten damals 99 Prozent der Patienten des Krankenhauses die Erkrankung und es wurde kein einziges Mitglied des medizinischen Personals infiziert.

Trotz dieser Vorbereitung werden die benötigen Teile, Spezialisten und Bauarbeiten nicht irgendwo auf Vorrat vorhanden gewesen sein. Einem autoritär regiertem Land wie China fällt es allerdings leichter als einer Demokratie, die notwendigen Ressourcen bei den Zulieferern und bei den Transporteuren freizumachen. Dennoch ist allein die Bereitstellung, der Just-in-time-Transport in die abgeriegelten Regionen und die Montage all der Dinge, die für Krankenhäuser dieser Größe notwendig sind, eine unglaubliche Leistung.

Kliniken für den Kampf gegen das Coronavirus werden aus Modulen gefertigt

Die ersten Tage des Baus wurden für die Vorbereitung und Verdichtung des Untergrunds benötigt. Auf der Fläche in Huoshenshan wird ein zweistöckiges Gebäude errichtet, das aus vorgefertigten Modulen besteht, so die Baufirma, die China State Construction Engineering Corporation. Die Module haben in etwa die Größe von Containern. Sie werden vor Ort aus Platten und Stahlträgern montiert.

Nach der Verdichtung des Boden und dem Verlegen der großen Versorgungsleitungen , wurde eine Art "Bodenplatte" als Fundament errichtet. In mehreren Schichten haben die Arbeiter zunächst vorgefertigte Matten verlegt und verschweißt, die den Boden isolieren und Feuchtigkeit fernhalten sollen, darauf haben Beton gegossen. Das Gebäude selbst ruht nicht auf dem Beton, sondern auf einen Raster von Trägern. So bleibt ein isolierender "Kriechboden" in denen die Versorgungsleitungen und Rohre für die komplexe Belüftung des Krankenhauses Platz finden.

Auf diesem Raster werden die Grundmodule in Containergröße errichtet. Die Außenwände bestehen aus vorgefertigten Paneelen, die ineinandergreifen. Jede Grundeinheit misst etwa zehn Quadratmeter und kann zwei Betten aufnehmen. Größere Räume werden aus mehreren Grundmodulen zusammengesetzt. Aus allen Räumen wird die Luft abgesaugt, sodass innen ein Unterdruck herrscht und keine Luft aus Räumen mit Erkrankten in die Flure entweicht. Schon an diesem Feature erkennt man, dass in diesem Behelfskrankenhaus nichts improvisiert ist.

Die Partei zeigt ihre Macht

Diese Kraftanstrengung weiß auch die Partei zu nutzen. Die Fortschritte des Baus werden per Live-Stream übertragen, das Staats-TV zeigt allabendlich einen Zeitraffer der Fortschritte. Die Botschaft ist klar: China, der wirtschaftliche Gigant, lässt alle Muskeln spielen. Die allmächtige Partei zieht in den Krieg, um die Bevölkerung vor dem "dämonischen" Virus – so der Premier – zu schützen. Im Netz wird in verklausulierter Form Kritik an der Partei geäußert und es scheint durchaus Misstrauen in deren Krisenmanagement zu bestehen. Andererseits gelingt es der Partei, scheinbar problemlos riesige Mengen an Freiwilligen zu mobilisieren, die zur Arbeit in dem Hochrisikogebiet bereit sind. Im Fall der Krankenhäuser wären das etwa die unzähligen Bauarbeiter plus die notwendigen Lkw-Fahrer und später das Personal, das zwei Krankenhäuser mit zusammen 2500 Betten im Schichtbetrieb benötigen.

In Huoshenshan sind mehr als 4000 Arbeiter mit mehr als 1000 Maschinen im Einsatz, das spätere Personal wird auf etwa 2000 Mitarbeiter geschätzt. Zusätzlich wurde am 29. Januar ein weiteres Coronavirus-Krankenhaus in Huanggang eröffnet. Hier wurde ein leer stehendes Bürogebäude in nur zwei Tagen in ein Krankenhaus mit 1000 Betten verwandelt.

Lesen Sie auch:

Bürgerscore – 13 Millionen Chinesen leben als neue Aussätzige

Schäm dich BER! Pekings neuer Flughafen nach fünf Jahren Bauzeit vor der Inbetriebnahme

Chinas Bagger schaufeln die neue Weltordnung herbei

Mit Drohnen verteilt: "Schweinebraten-Mafia" wirft Pest-Erreger über Farmen ab