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Kriegsschiff "Helge Ingstad": Sicherung zu schwach - norwegische Fregatte versunken

Die "Helge Ingstad " lief auf Grund. Die norwegische Hightech-Fregatte rammte zuvor mit voller Marschgeschwindigkeit einen Tanker. Versuche, das Wrack mit Seilen und Ankern vor dem kompletten Untergang zu bewahren, sind gescheitert.

Ein norwegisches Kriegsschiff liegt vor dem felsigen Strand, rechts hinten liegt es tief im Wasser

Noch schaut ein Zipfel der "Helge Ingstad" aus dem Meer, aber praktisch gesehen ist die Fregatte gesunken. Über Nacht hatte sie sich von dem Platz unmittelbar an der felsigen Küste gelöst, auf die sie von Schleppern gedrückt worden war, nachdem sie einen Tanker gerammt hatte.

Inzwischen schaut nur noch die Spitze des Aufbaus aus dem Meer. Da sich die Befestigung, die die Fregatte an den Felsen fixieren sollte, gelöst hat, ist es nun nur noch eine Frage der Zeit, bis Wellen und Gezeiten sie weiter ins Meer ziehen werden.

Desaster für die Marine

Die Rettungsversuche der norwegischen Marine kamen offenkundig zu spät. Eventuell wird es noch möglich sein, das Wrack zu heben und auf einen Lastkahn oder in ein Schwimmdock zu ziehen. Doch es kann bezweifelt werden, dass das Schiff wieder instand gesetzt werden kann. Maschinen, Generatoren, die Bewaffnung und die extrem teure Militär-Elektronik liegen seit Tagen unter Wasser und dürften kaum zu retten sein. Das Schiff, das 500 Millionen Euro gekostet hat, besitzt nur noch Schrottwert.

Das NATO-Manöver "Trident Junction" sollte eine entschlossene Geste Richtung Russland senden, nun wird es in der Rubrik "Pleite, Pech und Pannen" in die Militärgeschichte eingehen. Nach allem, was man bisher weiß, hat sich die norwegische Marine nicht mit Ruhm bekleckert.

Aus dem Militär dringen bislang nur nichtssagende Floskeln zum Hergang nach außen, doch zivile Aufzeichnungen legen den Verdacht nahe, dass die Besatzung der "Helge Ingstad" außerordentlich leichtsinnig manövrierte und das Schiff im entscheidenden Moment nicht beherrschen konnte.

Ein norwegisches Kriegsschiff liegt vor dem felsigen Strand, rechts hinten liegt es tief im Wasser

Das ist ein ähnliches Bild wie bei den beiden Kollisionen der US-Zerstörer im letzten Jahr. Auch hier haben Wagemut und Leichtsinn der kommandierenden Offiziere und schlechtes Training und Inkompetenz der Besatzung auf der Brücke zu den schweren Unfällen geführt.

"Unsichtbare" Fregatte wurde geortet

Das Kriegsschiff hatte das AIS (automatisches Trackingsystem) bis kurz vor der Kollision ausgeschaltet. Laut norwegischen Medien soll die Fregatte ein Navigationstraining durchgeführt haben. In das Training wurde offenbar der zivile Tanker einbezogen.

Die letzten Minuten vor dem Unglück sind inzwischen dokumentiert, etwa von der norwegischen Seite "VG". Demnach rammte die Fregatte den Tanker "Sola TS" mit einer Geschwindigkeit von 17 Knoten. Kurz zuvor wurde das Kriegsschiff mehrfach vom Tanker gewarnt, reagierte aber nicht auf die Bitte abzudrehen. Angesichts des frontalen Zusammenpralls hätte eine Kursänderung des agilen Kriegsschiffes die Kollision wohl vermeiden können.

Die Chronik des Unglücks

Laut den Aufzeichnungen soll die "Sola TS" das zuständige Überwachungszentrum drei Minuten vor der Kollision gefragt haben, was für ein Schiff in den Fjord einlaufen wird. Interessanterweise wurde die Steath-Fregatte von allen zivilen Einrichtungen geortet.

Zehn Sekunden später antwortete das Zentrum. "Ich habe keine Informationen darüber erhalten. Es hat mir nicht berichtet. Ich sehe gerade, dass es hier auf dem Bildschirm erscheint."

Dort bemerkt man, dass das einfahrende Kriegsschiff 17 Knoten läuft.

"Möglicherweise handelt es sich um die "Helge Ingstad". Sie kam aus dem Norden. Es ist möglich, dass sie dorthin kommt."

Nun bestätigt die Fregatte ihre Identität – eine Minute vor dem Zusammenprall.

Dann funkt der Tanker zu der Fregatte, die mit 17 Knoten auf ihn zukommt: "Dreh sofort nach Steuerbord."

Die Antwort der Fregatte: "Dann kommen wir zu nahe an die Küste".

"Schwenken Sie Steuerbord" wiederholt "Sola TS".

Nach sieben Sekunden kommt die Nachricht vom Kriegsschiff: "Ich habe ein paar Grad Steuerbord angelegt."

Aber offenbar geschieht nichts, der Tanker funkt kurz darauf: ""Helge Ingstad", Sie müssen etwas unternehmen. Sie kommen uns zu nahe."

Keine Antwort der Fregatte. Nach 15 Sekunden funkte der Tanker.

""Helge Ingstad"! Dreh ab!“.

Drei Sekunden später: "Jetzt kommt es zu einer Kollision."

Nach weiteren 15 Sekunden sendet "Sola TS": "Das war ein Kriegsschiff. Es traf uns."

Sicherung wurde kritisiert

Nach dem Zusammenprall, der das Heck aufriss, lief die Fregatte mit fünf Knoten auf die Küste zu. Nach der Havarie wurde die Fregatte von Schleppern gegen die Küste gedrückt. Dort hatte die Marine mehrere Tage Zeit die Fregatte zu verankern. Doch in der Nacht hatten Stahlseile und Befestigungen nachgegeben. Schon zuvor hatten Experten in Norwegen, die Art und Weise der Sicherung kritisiert und als zu schwach bezeichnet. Nun scheint es, als hätten sie recht behalten.