HOME

Stern Logo Eurovision Song Contest

+++ ESC-Splitter aus Kopenhagen +++: Elaiza ändern ihren Bühnenauftritt

Niemand war mit dem Bühnenhintergrund von Elaiza bei den ersten Proben zufrieden. Jetzt wurde der Auftritt rechtzeitig zum Finale deutlich überarbeitet.

Von Jens Maier und Lars Peters, Kopenhagen

Elaiza bei der Probe zum ESC

Elaiza bei der Probe zum ESC

+++ Freitag, 9. Mai 2014 +++ +++ 17.25 Uhr, Elaiza ändern ihren Bühnenauftritt +++

Kleinkunsttheater, Schachbretter, Brokat - so sah der Bühnenhintergrund bei den ersten Proben von Elaiza für den Eurovision Song Contest am vergangenen Samstag aus. Zu viel, zu bunt, zu durcheinander. Während sich andere Länder über die innovative und den Auftritt unterstützende Nutzung der aufwändigen Technik auf der Bühne freuen konnten, hatte Deutschland einen unpassenden und uninspirierten Hintergrund abbekommen. Intensiv bemühte sich die deutsche Delegation daher in den letzten Tagen um eine Optimierung des Auftritts.

Bei der ersten Probe des Finales am Freitagnachmittag konnte das Ergebnis dieser Anstrengungen erstmals gesehen werden. Und es hat sich gelohnt: Schwarz und Gold dominieren während der Strophen das Bühnenbild, wobei immer auch Textzeilen des Liedes zu sehen sind. Zum Refrain färbt sich der Hintergrund in warme Orange-Töne ein. Das passt schon einmal - und soll noch besser werden. ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte nach der Probe, dass bis zur Show am Samstagabend noch weiter Optimierungen vorgenommen werden. Spätestens dann sollen Elaiza ihren Song "Is it right" bestmöglich präsentieren können.

Plötzlich Favorit: das niederländische Duo Ilse DeLange und Waylon

Plötzlich Favorit: das niederländische Duo Ilse DeLange und Waylon

+++ Donnerstag, 8. Mai 2014 +++ +++ 14.45 Uhr, Ilse DeLange und Waylon - Sind die Niederlande das Schwarze Pferd beim ESC? +++

Ilse DeLange und Waylon, das Duo, das in diesem Jahr für die Niederlande beim Eurovision Song Contest singt, sind lange Zeit belächelt worden. Zu altbacken und langweilig erschien Niederländern und Eurovision-Fans in ganz Europa die ruhige Countryballade. Seit dem ersten ESC-Halbfinale am Dienstagabend, bei dem sich DeLange und Waylon für die große Show am Samstag qualifizierten, hat sich der Wind vollständig gedreht.

Plötzlich sind die Niederlande als potenzieller Siegesanwärter in aller Munde. Bei den Wettanbietern schossen sie auf Platz 3 (hinter Schweden und Armenien). Mehr noch: "Calm After The Storm" konnte am Tag nach der Show in die iTunes-Charts von nicht weniger als 17 Ländern einsteigen - darunter auch in Deutschland, wo die Sendung auf Eins Plus und Phoenix unter Ausschluss weiter Teile der Bevölkerung ausgestrahlt wurde. Auch zwei Tage später findet sich der Song in den deutschen iTunes Top 100. In anderen Ländern sind die Niederländer sogar noch erfolgreicher: Im ESC-Gastgeberland Dänemark sowie in Schweden steht das Lied bei iTunes auf Rang 6, in Estland sogar auf Platz 3.

Ohnehin scheinen die Esten, obwohl sie mit ihrem Beitrag "Amazing" am Dienstag aus dem Wettbewerb ausgeschieden sind, ESC-begeistert wie kaum eine andere Nation: Die Schwedin Sanna Nielsen, die mit ihrem Song "Undo" bei den Wettanbietern auf Platz 1 gehandelt wird, liegt bei iTunes in Estland noch einen Platz vor den Niederlanden. Der Ausgang des Eurovision-Finales am Samstag dürfte spannend werden wie schon lange nicht mehr. Und möglicherweise gibt es mit Ilse DeLange und Waylon einen Überraschungssieger, den vor wenigen Tagen noch kaum jemand auf der Rechnung hatte.

Gewollt oder Zufall? Regenbogenflagge im dänischen TV ausgerechnet beim Auftritt der Tolmatschowa-Zwillinge aus Russland

Gewollt oder Zufall? Regenbogenflagge im dänischen TV ausgerechnet beim Auftritt der Tolmatschowa-Zwillinge aus Russland

+++ Mittwoch, 7. Mai 2014 +++ +++ 19.55 Uhr, Lesben und Schwule feiern dänisches TV für Regenbogenflagge +++

Der Auftritt der russischen Tolmatschowa-Zwillinge beim ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest war im Vorfeld bei den Fans heftig umstritten. Darf man sie Ausbuhen, um zu zeigen, was man von der russischen Politik in der Ukraine-Krise und von der Verschärfung der Homosexuellengesetze in Russland hält? Während die Russinnen ihren Song "Shine" trällerten, hielten sich die ansonsten bei jedem Beitrag intensiv die Fahnen schwenkenden Fans auffällig zurück. Bei den Kamerafahrten über die Köpfe des Publikums waren kaum nationale Fahnen zu sehen, dafür immer wieder eine andere: die Regenbogenfahne als Symbol für die Gleichstellung von Lesben und Schwulen - ein in Russland verbotenes Symbol.

Bei der letzten Kameraeinstellung auf die Zwillinge breitete sich dann ganz groß und sichtbar eine Regenbogenfahne aus, die auch in der Fernsehübertragung in Russland zu sehen war. Euphorisch feierten Lesben und Schwule diesen Coup des dänischen Fernsehens DR auf sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter. Bei genauer Betrachtung des Auftritts fällt jedoch auf: Es ist wohl reiner Zufall gewesen, dass sich genau vor dieser Kamera eine Regenbogenfahne befand und sich dann auch noch durch einen Luftzug so bewegte, dass sie gut sichtbar war.

Die Schwedin Sanna Nielsen gilt bei den englischen Buchmachern als Topfavoritin auf den ESC-Sieg

Die Schwedin Sanna Nielsen gilt bei den englischen Buchmachern als Topfavoritin auf den ESC-Sieg

+++ Mittwoch, 7. Mai 2014 +++ +++ 13.27 Uhr, Schweden singt sich bei den Buchmachern auf Platz eins +++

Noch ist geheim, wer beim ersten Halbfinale des Eurovision Song Contest wie gut abgeschnitten hat und damit als Anwärter auf einen der vorderen Plätze beim großen Finale am Samstag gesehen werden kann. Die britischen Buchmacher, die erfahrungsgemäß ein guter Gradmesser für den Ausgang des ESC sind, haben bereits in der Nacht ihre Wettquoten angepasst: Freuen darf sich demnach die Schwedin Sanna Nielsen. Während sie in den Wochen vor dem ESC immer hinter dem Armenier Aram Mp3 lag, zog sie bei den Wetteinsätzen nunmehr an ihm vorbei und gilt als heißeste Siegesanwärterin.

Eine kleine Überraschung war beim ersten Semi auch die Qualifikation der Niederlande fürs Finale. Bei den Wettquoten verbesserten sie sich in der Folge deutlich auf den nunmehr sechsten Platz. Die noch weniger erwartete Qualifikation von Ralph Siegels Schützling Valentina Monetto aus San Marino für die Show am Sonnabend wird hingegen offensichtlich als reiner Zufallstreffer gesehen: Ihre Wettquoten haben sich kaum verbessert. Die fünf heißesten Anwärter auf den ESC-Thron sind damit der Reihe nach Schweden, Armenien, Großbritannien, Ungarn und die Ukraine. Deutschland liegt abgeschlagen auf dem 19. Platz.

Es regnet nun zwei Mal Konfetti, ansonsten bleibt alles beim Alten: Elaiza bei der Probe

Es regnet nun zwei Mal Konfetti, ansonsten bleibt alles beim Alten: Elaiza bei der Probe

+++ Dienstag, 6. Mai 2014 +++ +++ 12.11 Uhr, Elaiza ändern ihren ESC-Auftritt nur geringfügig +++

Sie stehen weiterhin im Theater: Nach der ersten ESC-Probe am Sonntag hatte die deutsche Delegation erhebliche Veränderungen am Bühnenauftritt angekündigt. Insbesondere das kalte Licht und die viel zu bunte Bühnenkulisse waren kritisiert worden. Doch bei der zweiten Probe am Dienstagmorgen waren nur geringfügige Verbesserungen erkennbar. Das Licht ist jetzt in ein wärmeres Gelb getaucht und es gibt mehr Close-ups von Elaiza. Außerdem regnet es statt einem nun zwei Mal Konfetti- und Luftschlangen auf Ela, Yvonne und Natalie herab. Der viel kritisierte Hintergrund bleibt, der eine Art Zirkus und Theaterwelt darstellen soll.

"Wir sind nach wie vor nicht zufrieden", sagt der deutsche Delegationsleiter Torsten Amarell. Bei der Besprechung der Probe habe man dem dänischen Fernsehen erneut eine Liste von Änderungswünschen vorgelegt. Wie viele davon bis Samstag umgesetzt werden können, sei unklar, ein kompletter Austausch des Hintergrundbildes ist jedoch nicht mehr machbar. Das ist schade. Denn für den Gesang hätten Elaiza 12 Punkte verdient. Für den Kessel Buntes im Hintergrund gibt es womöglich Abzüge.

Arena this way: Weil Kopenhagen die Veranstaltung in einer stillgelegten Schiffswerft austrägt, muss stern.de-Redakteur Jens Maier mächtig marschieren.

Arena this way: Weil Kopenhagen die Veranstaltung in einer stillgelegten Schiffswerft austrägt, muss stern.de-Redakteur Jens Maier mächtig marschieren.

+++ Dienstag, 6. Mai 2014 +++ +++ 00.35 Uhr, Chaos vor der Halle +++

Verzweifelt versucht der Moderator die Zuschauer der Generalprobe des ersten Halbfinales des Eurovision Song Contests nach dem Ende der Show auf den Plätzen zu halten. Das Vorhaben ist aussichtslos. Denn mehrere Tausend Personen sind bereits dabei, die B&W Halle zu verlassen, um schnellstmöglich nach Hause zu kommen. Vor der Halle erleben sie das, was die Organisatoren des Events befürchtet haben: ein Abreisechaos. Ohne Autos zwar, denn denen ist die Anfahrt großräumig untersagt, dafür aber mit extrem langen Fußwegen auf holprigen Böden durch schlecht beleuchtete Industriebrachen. Die zahlreich anwesenden Ordnungskräfte können kaum Abhilfe schaffen. Vielmehr folgen sie strikt ihren Anweisungen, ob die nun logisch sind oder nicht. Die Dänen versagen bei der Organisation des Großprojekts Eurovision Song Contest wie die Deutschen beim Bau von Flughäfen.

Es rächt sich, dass Kopenhagen die Veranstaltung in einer stillgelegten Schiffswerft austrägt. Weil keine Mehrzweckhalle zur Verfügung stand, wurden die B&W Hallen zu einer TV-Arena umgebaut. Was innen hui ist, ist draußen umso mehr pfui. Nicht nur weil es ein grauer Betonklotz ist, der ließe sich ja noch als Industrieschick schönreden, sondern weil die Arena im Nirgendwo liegt. Es gibt lediglich eine Zufahrtsstraße, auf der die gesamten Besucherströme abgewickelt werden müssen. Dass es dann auch noch an der Beschriftung mangelt, erschwert die Sache für die Besucher zusätzlich. Trotz riesiger Investitionen in den Grand Prix spielt Kopenhagen im Vergleich zu den ESCs in Malmö oder Düsseldorf, die in großveranstaltungserprobten Arenen stattfanden, bei der Organisation bestenfalls in der Kreisliga. Von all dem werden die Millionen Fernsehzuschauer zu Hause nichts mitbekommen. In der Halle wurde die derzeit modernste Bühne der Welt installiert.

"Ich lächle nie auf Fotos. Victoria Beckham macht das auch nicht - dann wird's schon seinen Grund haben", sagt Conchita Wurst.

"Ich lächle nie auf Fotos. Victoria Beckham macht das auch nicht - dann wird's schon seinen Grund haben", sagt Conchita Wurst.

+++ Montag, 5. Mai 2014 +++ +++ 19.43 Uhr, Conchita Wurst genießt den Medienrummel +++

So viel Aufmerksamkeit für den österreichischen Teilnehmer gab es seit Udo Jürgens ("Merci, Cherie") nicht mehr: Conchita Wurst ist der unangefochtene Star des Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Dabei war sie erst umstritten. Nicht nur aus Weißrussland gab es Anfeindungen, sondern auch im eigenen Land. Sie mache Österreich lächerlich, hieß es. Inzwischen wird sie gefeiert. Wo die Bartträgerin auftaucht, ist sie von Fans und Journalisten umlagert. Statt genervt zu reagieren, freut sich Conchita über so viel Aufmerksamkeit. "Das ist genau das, was ich wollte und was ich mir für mein Leben wünsche. Von mir aus könnte das immer so weiter gehen", sagte die Travestiekünstlerin zu stern.de, die mit richtigem Namen Tom Neuwirth heißt. Ob es so weiter gehen wird, darüber entscheidet am Donnerstag auch das Abschneiden beim zweiten Semifinale. Denn anders als Deutschland muss sich Österreich erst fürs Finale am 10. Mai qualifizieren. Conchita tritt mit der Ballade "Rise Like A Phoenix" an. Glaubt man den Wettquoten bei englischen Buchmachern, hat sie damit sogar Chancen auf den Sieg. Merci, Conchita.

Wurden nicht nur freundlich empfangen: die Zwillinge aus Russland

Wurden nicht nur freundlich empfangen: die Zwillinge aus Russland

11.25 Uhr, Russland ausgebuht - vom roten Teppich verwiesen

Die Krise zwischen der Ukraine und Russland hat schon im Vorfeld des Eurovision Song Contest viele Fragen aufgeworfen. Das Problem, ob Abstimmungsanrufe von der Krim dem russischen oder ukrainischen Voting zugeordnet sind, ist dabei noch eins der geringeren. Denn das Reglement des Grand Prix sieht vor, dass politische Statements jeglicher Art bei diesem Event zu unterbleiben haben. Die dänischen Veranstalter folgen dieser Vorschrift in jeder Situation. Zu spüren bekam das gestern beim Empfang der ESC-Teilnehmer am roten Teppich vor dem Kopenhagener Rathaus ein deutscher Fan: Als die für Russland startenden Tolmachevy-Zwillinge mit einer riesigen russischen Fahne über den Teppich schritten, wurden sie von ihm ausgebuht. Kurze Zeit später wurde der Deutsche von Sicherheitskräften aufgefordert, den Bereich am roten Teppich umgehend zu verlassen. Dieser kleine Vorfall wäre nur eine Notiz am Rande, wenn es nicht Initiativen gäbe, die die russischen Teilnehmerinnen während ihres ESC-Auftritts in den B&W Hallen ausbuhen wollen.

"Das Sicherheitspersonal ist selbstverständlich nicht angewiesen, auf die Äußerung von persönlichen Meinungen zu reagieren und einzugreifen. Einschränkungen gibt es nur, wenn dadurch die Live-Übertragung etwa vom Roten Teppich gestört oder die Arbeit anderer behindert wird", sagt Sietse Bakker, Event Supervisor des ESC. Bezüglich der Live-Shows geht er davon aus, dass die Fans Politik und den Grand Prix auseinanderhalten können und es also auch zu keinen störenden Meinungsäußerungen kommen wird.

Hat nicht nur eine große Stimme: Kasey Smith aus Irland

Hat nicht nur eine große Stimme: Kasey Smith aus Irland

+++ Sonntag, 4. Mai 2014 +++ +++ 20.49 Uhr, Irlands Kasey Smith trotzt der Kälte +++ +++

Eröffnungsfeier mit allen ESC-Stars am Rathaus von Kopenhagen: Am Sonntagabend waren alle 37 Delegationen zu einem Eurovisisionsempfang in die Innenstadt geladen. Am roten Teppich wurden Aram MP3, Sanna Nielsen und natürlich Dänemarks Teilnehmer Basim begeistert empfangen. "Es ist unglaublich, was hier los ist. Wahnsinn", sagte Ela von der deutschen Band Elaiza. Gut gelaunt katschten die drei Frauen Fans ab, machten Selfies mit Zuschauern und gaben Interviews. Besondere Aufmerksamkeit wurde Conchita Wurst zuteil, die einzige Frau mit Bart im Wettbewerb, und den Jungs von Pollapönk, die in Damenkleidern kamen. Das aufregendste Kleid trugen allerdings nicht sie, sondern Irlands Teilnehmerin Kasey Smith, die in einem atemberaubenden Dekolleté erschien - und das trotz der kühlen Temperaturen von um die 11 Grad Celsius.

+++ 12.46 Uhr, Elaiza stellen sich den Fragen der Presse +++

Nach ihrer ersten Probe auf der Eurovision-Bühne am Sonntagvormittag stellten sich Elaiza der Presse. Ihre Begeisterung, ihre Energie, ihre positive Aufgeregtheit waren dabei ganz offensichtlich. Sie scheinen selbst am wenigsten ihr Glück fassen zu können, tatsächlich beim ESC zu sein. "Noch vor einem Jahr haben wir auf einer kleinen Bühne vor 20 Leuten gespielt und empfanden das als das Größte", erinnert sich Sängerin Ela und beginnt fast hysterisch zu lachen.

Während des Pressegesprächs erzählen sowohl die drei Künstlerinnen als auch der deutsche Delegationsleiter Torsten Amarell das Elaiza-Märchen, wie sie vom Niemand zum Gewinner des deutschen Vorentscheids wurden. Und sie spielen mit Erfolg die Osteuropa-Karte: Dank Elas polinisch-ukrainischen Wurzeln sind schnell Sympathien bei Journalisten aus diesen Ländern gewonnen. Bei so viel Gefühligem gingen Fakten und Botschaft des Liedes "Is it right" fast unter. Ela hat den Song bereits 2011 geschrieben. Er soll ausdrücken, dass man vor Entscheidungen nicht weglaufen kann. Ob die Entscheidung richtig oder falsch war, weiß man immer erst hinterher. So wird es auch am Samstag nach dem ESC-Finale sein: Dann wissen die Deutschen, ob ihre Entscheidung für Elaiza beim deutschen Vorentscheid die richtige war.

In Blümchenjacke: Ela (r.) von der Band Elaiza

In Blümchenjacke: Ela (r.) von der Band Elaiza

+++ 10.46 Uhr, Elaiza meistern erste Bühnenprobe +++

Die deutschen Teilnehmerinnen für den ESC 2014 absolvierten am Sonntagmorgen ihre erste Bühnenprobe in den B&W-Hallen von Kopenhagen. Für Sängerin Ela Steinmetz, Akkordeonspielerin Yvonne Grünwald und Bassistin Natalie Plöger und ihren Song "Is It Right" verwandelt sich die riesige LED-Wand in eine Theaterkulisse. Die drei Frauen stehen auf einem Schachbrettmuster, im Hintergrund sind Vorhänge und Brokat angedeutet, die Bühne ist in Lila, Rot und Gold getaucht. Mit einer Nahaufnahme auf die Instrumente beginnt der Auftritt, ehe dann Sängerin Ela im Mittelpunkt steht. Bei dem ersten von vier Durchläufen wirkte die 21-Jährige noch sichtlich angespannt, wurde dann aber lockerer - auch wenn der Flirt mit der Kamera noch nicht recht klappen wollte. Gesanglich war sie dagegen von Anfang an auf der Höhe. Im Gegensatz zu manch anderen ESC-Teilnehmern erlaubte sie sich keine Patzer. Eine souveräne Leistung.

Phoenix aus dem Salzkammergut: Conchita Wurst

Phoenix aus dem Salzkammergut: Conchita Wurst

+++ Samstag, 3. Mai 2014 +++ +++ 17.03 Uhr, Szenenapplaus für Österreicherin Conchita Wurst +++

Ihre zweite Bühnenprobe wurde von den Fans mit Spannung erwartet: Conchita Wurst, die österreichische Teilnehmerin beim Eurovision Song Contest, wird in einem goldenen Kleid auf der Bühne von Kopenhagen stehen. Die Frau mit Vollbart, die eigentlich ein Mann ist und Tom Neuwirth heißt, kann sich über mangelnde Aufmerksamkeit nicht beschweren. Aus der österreichischen Delegation ist zu hören, dass wohl zuletzt Udo Jürgens so viele Interviewanfragen bekommen habe - und sein Sieg für die Alpenrepublik liegt immerhin 48 Jahre zurück. Conchita polarisiert - nicht nur wegen ihres Songs "Rise Like A Phoenix", der wie eine James-Bond-Melodie klingt, sondern vor allem wegen ihres Erscheinungsbildes. Mit Dana International hatte der ESC zwar bereits 1998 seine erste transsexuelle Siegerin, ein schwuler Travestiekünstler, der als Frau mit Perücke und Bart auftritt, scheint viele jedoch auch 2014 zu überfordern. Bei den vielen schwulen ESC-Fans ist Conchita schon jetzt die Heldin von Kopenhagen, steht sie doch sinnbildhaft für Toleranz und Vielfalt. Auf der Bühne bekam sie jedenfalls Szenenapplaus für ihre Show, die zum ersten Mal am Donnerstagabend beim zweiten Semifinale zu sehen sein wird. Mal gucken, wie viele Punkte sie dann aus Deutschland bekommt.

+++ 15.46 Uhr, Elaiza in Kopenhagen eingetroffen +++

Mit dem Auto starteten sie am frühen Morgen in Berlin: Die deutschen ESC-Teilnehmerinnen Elaiza sind in Kopenhagen eingetroffen. Weil der Kontrabass von Natalie Plöger nur schwer im Flieger zu transportieren gewesen wäre, haben sich die drei für eine Fährfahrt über die Ostsee entschieden. Während ihres Aufenthalts in der dänischen Hauptstadt führt die Band um Sängerin Ela Steinmetz Tagebuch via Twitter. Koffer auspacken stand am Nachmittag auf dem Programm, ehe es am Sonntagmorgen zum ersten Mal ernst wird. Dann werden Elaiza in der ESC-Halle auf der Bühne stehen, um ihren Song "Is it right" zu proben.

Lichtgestalt: Sanna Nielsen aus Schweden

Lichtgestalt: Sanna Nielsen aus Schweden

+++ Freitag, 2. Mai 2014 +++ +++ 16.03 Uhr, Gipfeltreffen der Favoriten +++

Bei den Proben in den B&W Hallen in Kopenhagen mussten heute sowohl der Amenier Aram MP3, als auch die Schwedin Sanna Nielsen ran. Beide Interpreten gelten als heiße Kandidaten auf einen Sieg, müssen aber zuvor beim ersten Semifinale am Dienstagabend (6. Mai, 21 Uhr, live auf EinsPlus und Phoenix) bestehen. Auf der Bühne zeigten sie am Nachmittag zum ersten Mal, wie ihr Auftritte aussehen werden - und die sind überraschend ähnlich. Die 29-jährige Schwedin ("Undo") steht auf einer schwarz gehaltenen Bühne und wird von einem Kegel aus 18 Scheinwerfern in Szene gesetzt - genauso viele wie bei Aram ("Not Alone"). Alerdings trägt er kein Kleid mit Glitzerdiamanten, sondern einen schwarzen Ledermantel.

+++ 13.34 Uhr, Sorge um die spanische Teilnehmerin Ruth Lorenzo +++

Kann sie auftreten oder nicht? Die spanische Sängerin Ruth Lorenzo ist ernsthaft erkrankt. Wie der Ausrichter des Eurovision Song Contest, die European Broadcasting Union (EBU), in Kopenhagen bekannt gab, wird Lorenzo ärztlich behandelt. Alle Pressetermine für die kommenden Tage wurden abgesagt. Unbestätigten Berichten zufolge erlitt die 31-Jährige einen Schwächeanfall. "Wir hoffen, dass Lorenzo bald wieder fit ist", sagte Produktionsleiter Jan Ola-Sand. Auf die Frage, was passieren würde, wenn Lorenzo beim Finale am 10. Mai nicht auftreten könne, gibt es momentan keine Antwort. "Wir gehen davon aus, dass sie auftreten kann", sagte er.

+++ 13.06 Uhr, Telefonvoting der Krim zählt voraussichtlich für Ukraine +++

Welchem Land werden die von der Krim abgegebenen Stimmen beim Eurovision Song Contest zugeordnet? Ukraine oder Russland? Diese Frage versuchte die European Broadcasting Union, Ausrichter des ESC, in Kopenhagen zu beantworten. "Das hängt davon ab, welchem Telefonnetz die Krim zugeordnet ist", sagte Produktionsleiter Jan Ola-Sand. Im Moment seien die meisten Telefone im Ländernetz der Ukraine angemeldet. Deshalb werden die Anrufe von der Krim voraussichtlich der Ukraine zugerechnet werden. Falls ein Wechsel ins russische Netz erfolge, würden die Anrufe aber Russland zugerechnet.

Outet sich als ESC-Fan: Rapper Sido

Outet sich als ESC-Fan: Rapper Sido

+++ Donnerstag, 1. Mai 2014 +++ +++ 12.24 Uhr, Überraschung bei der Bekanntgabe der deutschen Jury +++

Neben Talentscout Konrad Sommermeyer, dem Sänger Andreas Bourani und den Sängerinnen Jennifer Rostock und Madeline Juno wird auch Rapper Sido dem Gremium angehören. "Ich fühle mich geehrt und werde den Job mit bestem Gewissen ausführen", sagte der Berliner, der mit Skandaltiteln wie dem "Arschficksong" seine Solokarriere startete. Beim ESC wird er sprachlich weniger provozierende Lieder zu bewerten haben. An den Start gehen unter anderem Songs wie "Mother" (Mutter), "Miracle" (Wunder) und "Tick-Tock" (Tick-Tack), es werden Trickkleider, Windmaschinen und viel Pyrotechnik zu sehen sein. Jurys und Zuschauer entscheiden mit einer Gewichtung von je 50 Prozent über den Sieger.

mai/pet