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Internationale Walfangkommission: Walfang bleibt verboten

Zwei Tage haben die 88 Länder der Internationalen Walfangkommission um Kompromisse und legale Fanquoten gerungen. Vergeblich. Die meisten Tierschützer freuen sich, dass der Walfang damit weiterhin weltweit verboten bleibt.

Noch nicht einmal auf ein Kompromisspapier konnten sich die 88 Länder der Internationalen Walfangkommission (IWC) einigen. Nach dem Entwurf sollte Japan, Island und Norwegen der Walfang mit festen Quoten für zehn Jahre erlaubt werden. "Für diese Sitzung ist das Kompromisspapier vom Tisch", sagte der deutsche Delegationsleiter Gert Lindemann am Mittwoch im marokkanischen Agadir. "Alle Regierungen haben an ihren Positionen festgehalten." Das internationale Walfangverbot von 1986 werde nun bestehen bleiben, sagte Lindemann. Japan, Island und Norwegen halten sich jedoch nicht daran - sie erkennen das Fangverbot nicht an oder berufen sich auf umstrittene Ausnahmeregelungen. Das Kompromisspapier sah legale Fangquoten von insgesamt rund 1400 Walen pro Jahr vor, die jedoch etwas geringer sind als die bisherigen realen Fangzahlen.

Zukunft der IWC weiter offen

Nach der Ablehnung des Papiers werde mit einer "Abkühlungsphase von mindestens einem Jahr" gerechnet, dann müsse weiter über die Zukunft der IWC verhandelt werden, erläuterte Lindemann. "Es wird ein überarbeitetes Papier geben müssen." Auf der bis Freitag andauernden Konferenz in Agadir werden nun noch einzelne Themen wie Walschutzgebiete, Walfang indigener Völker und finanzielle Fragen verhandelt.

Die meisten Tierschützer sind zufrieden. Die Organisation Pro Wildlife wertete es als großen Erfolg, dass der kommerzielle Walfang nun doch nicht freigegeben wird. Ein solcher Kompromiss hätte ausgerechnet die Länder belohnt, die seit vielen Jahren das Walfangverbot ignoriert haben, betonte die Organisation.

Neben den starren Positionen der Teilnehmer lähmten Korruptionsvorwürfe die Konferenz. So hat die Walfangnation Japan nach Recherchen der britischen Zeitung "Sunday Times" die Reise und die Hotelkosten für den Konferenzleiter Anthony Liverpool bezahlt.

Schon lange beschuldigen Tierschützer Japan zudem, Stimmen für den Walfang zu kaufen. "24 der 88 Mitgliedsländer sind von Japan offensichtlich bestochen worden", sagte Greenpeace-Sprecher Thilo Maack. "Länder, die hohe Entwicklungshilfe von Japan erhalten, tauchen bei der Konferenz auf und stimmen für Japan." So sei der Staat Elfenbeinküste während des Bürgerkrieges eingetreten.

Auch Maack ist zufrieden mit dem Versenken des Papiers: "Die IWC hat den Holzweg auf dem sie war, verlassen." Nun könne man neue Wege gehen, um aus der Walfangkommission eine Walschutzkommission zu machen.

Enttäuschung beim WWF

"Es gibt ein paar gute Elemente, die man aus dem Papier herausnehmen kann", sagte Nicolas Entrup von der Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS. "Für die Wale ist es gut, dass das Papier vom Tisch ist." In den kommenden Tagen werde noch über den Walfang von Grönland verhandelt, das zehn Buckelwale pro Jahr erlegen möchte.

Die Umweltstiftung WWF ist eher enttäuscht. "Nach wie vor bleibt der Walfang außerhalb der internationalen Kontrolle, und der Status quo wird zementiert" sagte WWF-Artenschutzexperte Volker Homes. "Bedrohte Arten bleiben weiter auf der Abschussliste Japans." Es sei wichtig, weiter an einem Kompromiss zu arbeiten.

Andere Walschützer blicken über den Walfang hinaus: "Die völlig antiquierte IWC muss endlich ein Abkommen zum Schutz der Wale werden. Denn nicht nur Harpunen bedrohen die Wale, sondern auch die Verschmutzung und Erwärmung der Meere", sagte die Biologin Sandra Altherr von Pro Wildlife.

Simone Humml/DPA / DPA