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+++Libyen im Liveticker+++: Bundespräsident Wulff nennt Gaddafi einen Psychopathen

Gaddafi-Truppen und Gaddafi-Gegner bekämpfen sich, die Lage für die Ausländer wird immer bedrohlicher, und der Westen stellt sich inzwischen intensiv die Frage, ob und wie er in Libyen eingreift. Die Lage im Liveticker.

+++ 17.57 Uhr: Deutsche Marineschiffe auf dem Weg nach Libyen +++

Zur Rettung deutscher Staatsbürger aus Libyen sind drei deutsche Marineschiffe auf dem Weg zur libyschen Küste. Es handele sich um die Fregatten "Brandenburg" und "Rheinland-Pfalz" sowie den Einsatzgruppenversorger "Berlin", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin am Donnerstag.

Die "Berlin" habe einen Hubschrauber an Bord, ein zweiter komme von Kiel aus auf dem Luftweg. Wo genau sich die Schiffe am Nachmittag befanden, wollte der Sprecher nicht sagen. Sie seien auf dem Transit ins Seegebiet Große Syrte. An Bord seien rund 600 Marinesoldaten. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts halten sich noch etwa 160 Deutsche in Libyen auf. Die deutsche Luftwaffe hatte am Vortag 47 deutsche und weitere Passagiere aus 15 Nationen ausgeflogen. Die Kanzlermaschine "Konrad Adenauer" mit 74 Menschen an Bord war am Abend auf dem Militärflughafen Köln gelandet.

+++17:52 Uhr: In Bengasi werden die Lebensmittel knapp+++

In der libyschen Stadt Bengasi hat sich die Lage nach mehreren Tagen der Gewalt nach Angaben von Augenzeugen wieder stabilisiert. Abderrahman al-Maghari, ein Bewohner von Bengasi, sagte der Nachrichtenagentur DPA in einem Telefoninterview: "Seit drei Tagen wird auf den Straßen nicht mehr geschossen. Die Menschen feiern die Befreiung von Gaddafi. Unser einziges Problem ist jetzt die Lebensmittelknappheit. Es gibt kein Brot mehr, und vor den Tankstellen bilden sich lange Warteschlangen."

+++17:34 Uhr: Wulff übt scharfe Kritik an Gaddafi+++

Bundespräsident Christian Wulff hat Libyens Machthaber Muammar Gaddafi einen "Psychopathen" genannt. Nach einem Treffen mit dem italienischen Präsidenten Giorgio Napolitano in Berlin sprach Wulff von "Staatsterrorismus" gegen die libysche Bevölkerung. Er forderte, dass Europa zusammen stehen müsse, um den Menschen in Libyen zu helfen. Auch Napolitano trat dafür ein, "ganz konsequent und gemeinsam" zu handeln. Die ganze EU müsse den Notstand bekämpfen, der etwa die Gefahr einer Masseneinwanderung und eine sichere Energieversorgung betreffe.

+++17:13 Uhr: Bis zu 2000 Tote in Libyen befürchtet+++

Bei den Unruhen in Libyen könnten dem französischen Gesandten für Menschenrechte zufolge bis zu 2000 Menschen getötet worden sein. "Nach den uns gegenwärtig vorliegenden Zahlen aus Kreisen sind mindestens 1000 gestorben, möglicherweise 2000", sagte Francois Zimeray der Nachrichtenagentur Reuters. Es gebe Belege dafür, dass Gaddafi Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt habe. "Die Frage ist nicht, ob Gaddafi gestürzt wird, sondern wann und mit welchem Preis für die Menschen."

+++16:52 Uhr: Libyen droht ausländischen Journalisten+++

Libyen hat nach Angaben der US-Regierung ausländischen Journalisten massiv gedroht. Tripolis betrachte die wenigen Reporter, die ohne Genehmigung im Land sind, als Angehörige des Terrornetzwerks al Kaida, berichtet das US-Außenministerium nach Gesprächen mit hohen libyschen Regierungsbeamten. Die libysche Regierung sei nicht für die Sicherheit dieser Journalisten verantwortlich. Zugleich hätten die Regierungsbeamten aber zugesagt, einige Journalisten internationaler TV-Sender würden ins Land gelassen. Dazu zählten Vertreter von CNN und BBC und des arabischen Senders al Arabiya.

+++16:33 Uhr: Gaddafi schickt Jugendliche in den Kampf+++

Medienberichten zufolge hetzt Staatschef Muammar al Gaddafi auch eine Art Jugend-Miliz auf seine Gegner. Die französische Zeitung "Libération" berichtet aus der Region um die ostlibysche Stadt Bengasi über eine derartige Freiwilligen-Truppe, "Mourtazaqa" genannt. In einer Schule in Bengasi seien rund 200 dieser Milizionäre eingesperrt; sie waren nach eigenen Angaben im Süden des Landes für eine Demonstration in Tripolis angeworben worden seien. Stattdessen seien sie dann in die Kampfgebiete im Osten des Landes geflogen und dort von Aufständischen gefangen genommen worden.

+++16:15 Uhr: Malta dementiert Waffenexporte+++

Die maltesische Regierung dementiert Berichte aus Brüssel, wonach der Mittelmeerstaat einer der größten Waffenlieferanten für Libyen in der EU gewesen sein soll. Das Land sei nur für den Weitertransport von Waffen genutzt worden, die einem in Italien zugelassenen Unternehmen gehörten, teilte die Regierung mit. Dabei seien in keinem Fall Waffen für Libyen auf maltesischem Boden gewesen, weil diese nur in maltesischem Gewässer transportiert worden seien.

Der jüngste EU-Jahresbericht über die Ausfuhr von Militärgütern mit Zahlen für das Jahr 2009 nennt Italien, Malta und Deutschland als die größten Exporteure von Waffen nach Libyen unter den EU-Staaten. Am Mittwoch stoppten die EU-Staaten den Waffenexport nach Libyen.

+++16:07 Uhr: Ölterminals nicht mehr unter Gaddafis Kontrolle+++

16.07 Uhr - Bewohner der Stadt Benghasi im Osten Libyens berichten der Nachrichtenagentur Reuters, die Öl-Terminals von Ras Lanuf und Marsa el Brega seien nicht mehr unter der Kontrolle von Gaddafi. Dies hätten ihnen Aufständische vor Ort zugesichert.

+++15:30 Uhr: "Wenn ihr einander töten wollt, dann tut das"+++

Mit einer neuen bizarren Schimpfkanonade hat sich Muammar al-Gaddafi zu Wort gemeldet. Der libysche Staatschef, der vom staatlichen Fernsehen diesmal nicht gezeigt, sondern nur per Telefon zugeschaltet wurde, sagte, in der Stadt al Sawija spiele sich derzeit eine "Komödie" ab. "Wenn ihr einander töten wollt, dann tut das", sagte er an die Einwohner der Stadt gerichtet. Von dort waren am Vormittag heftige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Gaddafi-Truppen gemeldet worden. Gaddafi behauptete, die Demonstranten seien "Soldaten, die (der Anführer des Terrornetzwerkes Al-Kaida, Osama) bin Laden rekrutiert hat". Außerdem wiederholte er seinen Vorwurf, die Aufständischen stünden unter Drogeneinfluss.

Der Moderator des libyschen Fernsehens hörte die wirre Ansprache mit versteinertem Gesicht an. Einige arabische Beobachter meldeten Zweifel an, dass die Stimme des Sprechers wirklich die Stimme von Gaddafi ist. Zwar erinnerte der Stil der Ansprache sehr an frühere Einlassungen des cholerischen Oberst. Doch klang die Stimme - vielleicht auch nur wegen der schlechten Telefonleitung - anders als sonst. Dies schürte Spekulationen, dass Gaddafi, der in seiner vorherigen Fernsehansprache gedroht hatte, "bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen", vielleicht doch schon dabei sein könnte, Vorbereitungen zu treffen, um mit seiner Familie das Land zu verlassen.

+++14:55 Uhr: Lufthansa streicht alle Flüge+++

Die Lufthansa hat vorerst alle Flüge in die Hauptstadt Tripolis gestrichen. Bis Sonntag würde das Unternehmen keine Flüge mehr in das nordafrikanisch Land anbieten, sagt ein Sprecher. Wie es nach Sonntag weiterginge, würde davon abhängen, "wie sich die Situation entwickelt". Bereits zuvor hatte die italienische Fluglinie Alitalia ihre Flüge in die libysche Hauptstadt annulliert.

+++14:43 Uhr: Nato schließt Eingreifen aus+++

Im Gegensatz zu den EU-Staaten schließt die Nato ein militärisches Eingreifen in dem nordafrikanischen Land aus. Das Verteidigungsbündnis habe nicht die Absicht, in Libyen einzugreifen, sagt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei einem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die Nato habe auch keine derartige Anfrage erhalten.

+++13:09 Uhr: EU will Europäer schnell rausholen+++

Die EU will mit massivem Einsatz die noch rund 5000 bis 6000 EU-Bürger so schnell wie möglich aus Libyen herausholen. Man prüfe den Einsatz von Schiffen - auch Militärschiffen - die im Mittelmeer unterwegs seien, sagt ein Sprecher der EU-Kommission.

+++12:21 Uhr: Gaddafi kündigt Ansprache an+++

Staatschef Muammar al-Gaddafi will sich nach einem Bericht des Fernsehsenders Al-Arabija "in Kürze" an die Bewohner der Ortschaft As-Sawija 50 Kilometer westlich von Tripolis wenden. Augenzeugen zufolge ist dort die Armee mit einem Großaufgebot präsent. Al Dschasira zeigt Aufnahmen einer brennenden Polizeiwache sowie von 20 gefesselten Leichen. Die Getöteten sollen sich dem Sender zufolge geweigert haben, auf Demonstranten zu schießen.

+++12:09 Uhr: Kämpfe in Misrata+++

Ein Augenzeuge berichtet von Angriffen Gaddafi-treuer Truppen auf Demonstranten in der Stadt Misrata, rund 200 Kilometer östlich von Tripolis. Das Stadtzentrum sei weiter in der Hand der Gaddafi-Gegner, gekämpft werde in der Nähe des Flughafens.

+++12:07 Uhr: EU zum Außersten bereit+++

Nach Angaben eines EU-Diplomaten ziehen die EU-Staaten für den Fall einer Katastrophe für die Menschen in Libyen Militäraktionen in Betracht. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes schickt die deutsche Marine drei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens, um bei der Evakuierung deutscher Bürger zu helfen.

+++11:10 Uhr: Ölpreis steigt und steigt+++

Nach Angaben des Chefs des italienischen Energiekonzerns Eni ist die libysche Ölproduktion dramatisch zurückgegangen: Von geschätzten 1,6 Millionen Barrel pro Tag auf nur noch 400.000 Barrel (ein Barrel = 159 Liter). Der Ölpreis an den Weltmärkten steigt weiter. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet mittlerweile rund 120 US-Dollar.

ben/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters