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US-Präsidentschaftswahl 2020: US-Demokraten: Es bewerben sich zahllose Frauen, doch in Umfragen führen zwei weiße Männer

Erst in 20 Monaten wählen die Amerikaner einen neuen Präsidenten - doch der Kandidatenwettlauf hat bereits begonnen. Nun erklärt Hoffnungsträger Beto O'Rourke seine Kandidatur. Nur Umfragenfavorit Joe Biden zögert noch.

Beto O'Rourke und Joe Biden

Mögliche Hoffnungsträger der US-Demokraten: Beto O'Rourke (l.) und Joe Biden

AFP / DPA

Wer vor vier oder auch vor zwölf Jahren auf die Umfragen geschaut hat, sah zwei Mal den selben Namen vorn: Hillary Clinton. Sowohl 2008 als auch 2016 galt es als so gut wie ausgemacht, dass die damals prominenteste Demokratin a) Präsidentschaftskandidatin würde und b) dann auch gewinnt. Doch Pustekuchen. Zuerst kam ihr der Polit-Neuling Barack Obama dazwischen und dann der Politneuling Donald Trump. Jetzt, 20 Monate vor der nächsten Wahl, gibt es keinen gesetzten Kandidaten. Mehr als ein Dutzend Demokraten sind bereits ins Präsidentschaftsrennen eingestiegen, weibliche vor allem und mit unterschiedlichster Herkunft, doch in den Umfragen führen: zwei weiße Männer.

Beto O'Rourke - heldenhafter Verlierer

Da wäre zum einen Beto O'Rourke, Amerikas heldenhafter Verlierer, Texaner, den sie den weißen Obama nennen. Seine Heimat ist das Herz des amerikanischen Konservatismus, seit Jahrzehnten gilt dort: keine Chance den Demokraten. Doch bei den vergangenen Senatswahlen hätte er es fast geschafft, die Hausmehrheit der Republikaner zu knacken. Das ist so gut wie ein Sieg und reicht allemal aus, legitimer Präsidentschaftskandidatenanwärter zu werden.

Am Donnerstag hat es der 46-Jährige dann auch offiziell gemacht. "Wir stehen den größten Herausforderungen seit Menschengedenken gegenüber. Niemand kann sich ihnen alleine stellen, nur dieses Land kann es und auch nur, wenn wir eine Bewegung auf die Beine stellen, die alle mitnimmt", sagte er in einem Sound, der so gar nicht nach Donald Trumps grobem Nationalismus klingt. O'Rourke wechselt bei seinen Reden mühe- und nahtlos vom Englischen ins Spanische, er ist nicht ganz so links, wie etwa die Promi-Demokraten Bernie Sanders oder Elizabeth Warren, vor allem aber besticht er durch seine Jugendlichkeit: Sanders, der "demokratische Sozialist" ist 77 alt, Warren 69, Oppositionschefin Nancy Pelosi 78.

Beyoncé posiert mit Beto-Kappe

Noch am Abend nach seiner Niederlage bei der Senatswahl konnte er sich vor prominenter Unterstützung kaum retten: Die Schauspieler Javier Muñoz und Ellen Pompeo teilten den Tweet: "Beto soll Präsident werden!" Ellen Barkin rief dazu auf, sich seine Reden anzuhören. Zuvor hatte Beyoncé auf Instagram mit einer Beto-Kappe posiert. In den Umfragen jedoch fehlt es dem Sonnyboy noch an dieser Begeisterung. Zwar würde er in einem direkten Duell gegen Donald Trump gewinnen (was so gut wie für alle demokratischen Bewerber gilt), aber ein möglicher Konkurrent liegt deutlich vor ihm: Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Seit Monaten kokettiert Obamas ehemaliger Stellvertreter mit seiner Entscheidung, ob er nun Präsidentschaftskandidat werden wird oder nicht. Biden lässt sich bitten, aber kann es sich leisten, denn er ist der mit Abstand beliebteste Demokrat - selbst solche Stars wie Bernie Sanders oder die New Yorker Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez können da nicht mithalten. Doch Biden hat mindestens ein Problem. Es ist nicht sein Geschlecht oder seine Hautfarbe - der Mann ist schlicht alt: 76 Jahre und damit noch einmal vier Jahre älter als Donald Trump.

Joe Biden will, das ist klar

Dass er eigentlich will, daran lässt Biden keinen Zweifel. Noch im Dezember hatte er selbstbewusst verkündet, er sei der qualifizierteste Kandidat für den Job. Ganz Unrecht hat er nicht, von allen möglichen Bewerbern ist er der einzige, der auf acht Jahre im Weißen Haus zurückblicken kann, nebst auf Jahrzehnte in Washington. Doch trotz seiner großen Erfahrung wirkt er bei Auftritten manchmal leicht vertrottelt und redet, wie die Menschen früher eben geredet haben - ohne große Rücksicht auf Verluste. Viele lieben ihn genau wegen dieser uneitlen Art. Sein anderer Vorteil: Er gilt als Konservativer mit Arbeiterherkunft - und ist deshalb für Leute rechts wie links der Mitte wählbar - anders als die vielen Demokraten-Bewerber, die sich explizit auf der linken Seite verorten.

Im Grund ist alles vorbereitet für das große Jawort von Obamas Duzfreund, die Frage ist eigentlich nur noch, wann. Bei einem Kongress von Feuerwehrleuten in Washington vor wenigen Tagen skandierte die Menge "Run, Joe, run!", was nicht nur der Titel einer TV-Serie aus den 70ern ist, sondern auch "Kandiere, Joe, kandidiere" heißt. Der 76-Jährige bedankte sich und sagte: "Hebt euch die Unterstützung noch ein bisschen auf. Es könnte sein, dass ich sie in ein paar Wochen brauchen werde." Vor allem aber wird er Unterstützung gebrauchen, wenn er Ernst machen sollte. Denn in den 37 Jahren Politik hat er sich angreifbar gemacht: So unterstütze er einst ein Kriminalitätsgesetz, das Afroamerikanern benachteiligte und beim Thema sexuelle Belästigung patzte er früher auch einmal grob - Ballast, der im Jahr 2020 sehr schwer wiegen kann.

Quellen: Realclearpolitics, Vox.com, Beto O'Rourke auf Twitter, DPA, "Basler Zeitung", "USA Today"