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Anhörung vor US-Senat: Hat Kavanaugh unter Eid gelogen? College-Freund belastet Trumps Richter-Kandidaten

Brett Kavanaugh hat sich bei seiner Anhörung vor dem US-Senat als kontrollierter Biertrinker dargestellt - unter Eid. Ein College-Freund hat allerdings ganz andere Erinnerungen an Donald Trumps Richter-Kandidaten.

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Als Chad Ludington Brett Kavanaughs Anhörung vor dem Justizauschuss des US-Senats sah, erschauderte er. Dass der Kandidat für das Höchste Gericht der USA seine Trinkgewohnheiten unter Eid scheinbar unverhohlen falsch darstellte, habe ihn tief beunruhigt, sagte Ludington der "Washington Post".

Kavanaugh hatte den versammelten Senatorinnen und Senatoren erzählt, er habe als junger Mann Bier gemocht und er möge es noch immer gern. Vielleicht habe er in seiner Highschool- und Stundentenzeit am Wochenende auch mal ein Bier zu viel getrunken. Aber er habe noch niemals in seinem Leben so viel Alkohol getrunken, dass er einen Blackout oder auch nur Erinnerungslücken gehabt habe und er sei auch in betrunkenem Zustand nicht aggressiv geworden.

"Wenn Kavanaugh sich betrank, war er oft aggressiv"

Ludington sieht das völlig anders. Er hatte in den 80er-Jahren zusammen mit Kavanaugh das College in Yale besucht und war wie der Richter Mitglied im Basketballteam der Uni. Er und Kavanaugh seien befreundet gewesen, deshalb wisse er, dass die Angaben des 53-Jährigen in der Anhörung über sein Trinkverhalten nicht stimmten, erklärte Ludington, der heute als Dozent an der Universität von North Carolina arbeitet. Er habe deshalb vor, der Bundespolizei FBI eine Stellungnahme zu übergeben, in der er über das gewalttätige Verhalten von Kavanaugh in betrunkenen Zustand berichtet.

Der "Washington Post" übermittelte Ludington nach Angaben der Zeitung eine Kopie seiner Stellungnahme. Darin beschrieb er dem Blatt zufolge, wie Kavanaugh angeblich einmal einen Streit anzettelte, der mit der Festnahme eines gemeinsam Freundes endete:

"Wenn Brett sich betrank, war er oft streitlustig und aggressiv. Bei einer der letzten Gelegenheiten, bei denen ich bewusst mit Brett unter die Leute ging, erlebte ich, wie er auf eine halbfeindliche Bemerkung antwortete, nicht indem er die Situation entschärfte, sondern indem er dem Mann sein Bier ins Gesicht warf und einen Kampf anfing, der damit endete, dass einer unserer gemeinsamen Freunde im Gefängnis landete."

"Diese Lügen sollten Konsequenzen haben"

Er denke nicht, dass das starke Trinken oder rüpelhafte Verhalten eines 18- oder sogar 21-Jährigen jemanden für den Rest seines Lebens verdammen sollte, schrieb Ludington. "Wenn er jedoch über seine vergangenen Aktionen im nationalen Fernsehen gelogen hat, und vor allem, während er vor dem Senat der Vereinigten Staaten unter Eid sprach, glaube ich, dass diese Lügen Konsequenzen haben sollten."

Die Wahrheit stehe auf dem Spiel, erklärte Ludington weiter. "Und ich glaube, dass die Fähigkeit, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie einen selbst nicht gut aussehen lässt, eine überragende Eigenschaft ist, die wir bei den mächtigsten Richtern unserer Nation anstreben." Ludington will seine Stellungnahme dem Bericht zufolge noch im Laufe des Montags dem FBI übergeben.