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US-Präsident auffallend ruhig: Dröhnende Stille: Warum schweigt Donald Trump über Stormy Daniels und Wladimir Putin?

Üblicherweise bekommen auf Twitter alle ihr Fett weg, nur gegenüber Stormy Daniels und Wladimir Putin ist Donald Trump auffallend schweigsam. Verfolgt der US-Präsident damit etwa einen Plan?

Donald Trump Stormy Daniels

Donald Trump und Stormy Daniels

AFP

Es waren ereignisreiche Tage, zu denen Donald Trump überraschend wenig zu sagen hatte. Am Samstag protestierte mehr als eine halbe Million Menschen allein in Washington gegen die laschen Waffengesetze der USA. Am Sonntag dann erzählte der Pornostar Stormy Daniels bei CBS, wie sie Trump einst mit einem aufgerollten "Forbes"- Magazin den Hintern versohlt haben will. Und während all dem beschlossen die EU und die USA, wegen der Skripal-Affäre massenhaft russische Diplomaten auszuweisen. Genug Kommentarstoff für den twitterfreudigen US-Präsidenten - doch was tut der? Schweigt, spielt Golf und lobpreist lieber die brummende US-Wirtschaft.

Dröhnende Stille im Weißen Haus

Die Stille im Weißen Haus dröhnt so auffällig, dass bereits zahlreiche Spekulationen über die Beweggründe kursieren. Die "New York Times" zum Beispiel schreibt, dass der Präsident dazu neige, sich nur über Berichte aufzuregen, die aus seiner Sicht falsch sind. Das mag auf vieles zutreffen, nur eben nicht die jüngsten "Ich war im Bett mit Donnie"-Enthüllungen von Stephanie Clifford alias "Stormy Daniels" und Ex-Playmate Karen McDougal. Warum also sollte er etwas mit lautem Twittergeklapper abstreiten, was ohnehin stimmt und auch schon wieder mehr als zehn Jahre her ist?


Manch einer in Washington glaubt zudem zu wissen, dass Trump durchaus stolz auf seine zahllosen Affären zurückblickt, und er weiß, dass nicht wenige seiner (männlichen) Wähler sie ihm auch neiden. Für diejenigen unter seinen Wählern, für die Potenz und Präsidentschaft zusammen gehört, schweigt der Milliardär vielsagend, für die anderen, die Treue und Monogamie bevorzugen, lässt er über seine Sprecher halbherzige Dementis verlesen - so kann sich jeder die Wahrheit raussuchen, die er will.  

Schweigt Donald Trump aus Kalkül?

Wie aber bei so Vielem, was Donald Trump tut und nicht tut, bleibt die Frage, ob er es planvoll tut oder aus einem Impuls heraus, weil dem 71-Jährigen gerade danach ist. Zuletzt sind ihm einige Anwälte abgesprungen, da er offenbar nicht willens war, ihrem Rat zu folgen. Im Fall Stephanie Clifford droht dem Präsidenten auch noch die eine oder andere juristische Auseinandersetzung. Vielleicht ist es auch einfach so, dass etwaige Twitter-Attacken seine Erfolgsaussichten vor Gericht schmälern würden.

Der Sender CNN mutmaßt, dass hinter Trumps Schweigen ein anderes Kalkül stehen könnte. Möglicherweise, so CNN, wolle der US-Präsident keinen unnötigen zusätzlichen Staub aufwirbeln, weil "Stormy Daniels" Dinge, weiß, "die ihm wehtun könnten". Was im Übrigen auch für Wladimir Putin gilt. Gegen Russlands Präsidenten stichelt Trump ebenfalls nicht. Hat er nie und tut er auch jetzt nicht, zu einem Zeitpunkt, als er den Rauswurf von 60 russischen Diplomaten angewiesen hat. Doch auf Twitter und auch sonst: nichts zu hören vom Präsidenten.

Warum ist Trump so freundlich zu Putin?

Offiziell wollen die USA mit diesen Schritten ihre "unverbrüchliche Solidarität" mit Großbritannien zeigen, viele Beobachter glauben zudem, dass der harte Kurs gegenüber Russland auch ein innenpolitisches Zeichen an den US-Sonderermittler Robert Mueller sein könnte. "Seht her", so Trumps mögliche Botschaft, "es gibt keine Rücksichtnahmen auf Moskau. Lasst mich in Ruhe." Möglicherweise auch als Wiedergutmachung für Trumps jüngste Auffälligkeit gegenüber Putin. Nach dessen Wiederwahl hatte er dem alten und neuen Kremlchef gratuliert - obwohl seine Berater ihm ausdrücklich davon abgeraten hatten. Wieder einmal wurde laut darüber spekuliert, warum der US-Präsident erneut unnötig freundlich in Richtung Moskau ist.


Dies und die jüngsten Beischlaf-Bekenntnisse rückten wieder die schmierigen Details aus dem "Steele-Report" ins Gedächtnis. Der frühere britische Geheimagent Christopher Steele hatte in einem Dossier geschrieben, dass der Kreml Belege dafür habe, wie sich Trump mit russischen Prostituierten vergnüge - Material, das den US-Präsidenten erpressbar machen würde. Über den Wahrheitsgehalt des "Steele-Reports" wurde viel spekuliert, einen Zweck aber hat er bereits erfüllt: Niemand ist sich mehr sicher, ob und was gegen Donald Trump vorliegt. Und ob die russische Regierung etwas damit zu tun hat oder nicht.

Der Präsident will Verwirrung stifen

Die Ausweisung ihrer Diplomaten scheint russische Vertreter zu schockieren. Mit diesem Schritt werde "das Wenige zerstört, das von den russisch-amerikanischen Beziehungen übrig ist", sagte etwa der russische Botschafter in den USA, Anatoli Antonow. Und sie stünden im Widerspruch zu den Inhalten der Telefonate zwischen Wladimir Putin und Donald Trump. Aber vielleicht ist es Absicht. Unter US-Außenexperten gibt es Stimmen, die glauben, dass Trumps widersprüchliche Signale den Zweck haben, die russische Regierung zu verwirren. "Im Kreml kratzen sich jetzt vermutlich am Kopf", sagt etwa Karl Inderfurth, früherer Mitarbeiter im Außenministerium.

Für diese Vermutung muss man natürlich kein Experte sein. Der 45. Präsident ist für seine Kapriolen und seine sprunghaften Entscheidungen bekannt. Der einzige handfeste Hinweis, dass er im Fall von Stormy Daniels und Wladimir Putin mit Plan vorgeht, ist die Tatsache, dass er trotz seines impulsiven Charakters noch nie ein schlechtes Wort über die beiden verloren hat. Ganz gleich, was sie zur besten Sendezeit im Fernsehen von sich geben.

anb