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Spitzenpersonal in Washington Trump hat jede Menge Jobs zu vergeben, aber keiner will sie

Donald Trump Personal
Donald Trump muss sich mit Personalsorgen herumplagen
© Susan Walsh/AP
Donald Trump hat Schwierigkeiten, wichtige Mitarbeiter zu rekrutieren - obwohl das Weiße Haus eine der Topadressen des Landes ist. Seit Wochen schon sucht er einen neuen FBI-Chef, jüngst verließ ihn auch noch sein Kommunikationschef.

Zu behaupten, Donald Trump verfolge einen unkonventionellen Regierungsstil, ist nicht sonderlich gewagt. In gewisser Weise ist es sogar genau das, was er seinen Wählern im Wahlkampf versprochen hat. "Den Sumpf austrocknen", nennt es der US-Präsident und wo beginnt man damit am besten? Natürlich beim Personal. Tausende Stellen muss ein neuer US-Präsident nach Amtsantritt umbesetzen, aktuell vakant wären da unter anderem der Posten des Kommunikationsdirektors, nachdem Michael Dubke vor zwei Tagen zurückgetreten ist. Und weiter ist unklar, wer neuer FBI-Chef wird, nachdem Jamey Comey vor vier Wochen gefeuert wurde. Eigentlich wollte Trump schon längst einen Nachfolger bestimmt haben - aber bislang war keiner der in Frage kommenden Kandidaten gut genug. Oder sie haben selbst abgelehnt. Vieles deutet daraufhin, dass der Sumpf vielleicht austrocknet, aber vor allem auch die Regierung ausblutet.

Glaubt man der "New York Times" hat der US-Präsident zurzeit echte Schwierigkeiten, geeignetes Personal für die vielen offenen Posten zu finden. Isoliert und frustriert sei er deswegen, sagten nicht genannte Berater im Weißen Haus dem Blatt zufolge. "Die Ermittlungen wegen möglicher russischer Einmischung in die US-Wahl sowie die Angewohnheit Trumps, seine Leute gegeneinander auszuspielen, schrecken die Kandidaten für Positionen im West Wing ab - die eigentlich zu den begehrtesten in der amerikanischen Politik gehören", schreibt die "New York Times".

Donald Trumps Mitarbeiterverschleiß

Schon im Wahlkampf war der damalige Kandidat gezwungen, sich von Mitarbeitern zu trennen. Paul Manafort etwa, Trumps Wahlkampfmanager, musste gehen, weil er Millionen aus dem Umfeld Russland-freundlicher Kreise erhalten hat. Corey Lewandowski, Kampagnenmanager, wiederum ging, weil er sich mit Paul Manafort überworfen haben soll, wie es hieß. Mittlerweile gilt Lewandowski wieder als Anwärter auf einen Beraterposten. Später, nach der Amtsübernahme, entschied sich Trump für Michael Flynn als Nationaler Sicherheitsberater, was ebenfalls keine gute Wahl war, da Flynn über seine Kontakte mit russischen Vertretern gelogen hatte.

Auch in seinem innersten Zirkel soll es kräftig rumoren. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, macht sehr oft eine unglückliche Figur. Seine Kollegin Kellyanne Conway ist schon länger nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetaucht. In seinem Beraterstab konkurrieren dem Anschein nach die "Globalisten" um Trumps Tochter Ivanka und ihren Mann Jared Kushner mit den "Nationalisten" um Stephen Bannon. Bannon, der ehemalige Chef der rechten Newsseite "Breitbart", schien lange seinen Einfluss auf den Präsidenten verloren zu haben, scheint aber in dessen Gunst wieder zu steigen. So zumindest wird Trumps harter Kurs etwa gegen Deutschlands Handelsüberschuss oder dem Pariser Klimaabkommen gedeutet. Schwiegersohn Jared Kushner wiederum, lange als heißester Trump-Einflüsterer gehandelt, wird neuerdings ebenfalls geworfen, ebenfalls Teil der ominösen "Russland-Connection" zu sein.

Wem gegenüber sind FBI-Chefs verantwortlich?

Womit sich ein weiterer Grund für Donald Trumps Personalschwierigkeiten ergibt. Denn angeblich verlangt der US-Präsident von den Kandidaten für den FBI-Chefposten eine Art Loyalitätsnachweis, wie die "New York Times" schreibt. Den hatte er angeblich auch schon vom geschassten James Comey einfordert. Genauer: Trump soll den damaligen FBI-Chef "gebeten" haben, die Ermittlungen gegen sein Team fallenzulassen. Rund ein Dutzend potenzielle Anwärter für den Job des obersten US-Ermittlers hat das Trump-Team mittlerweile gecastet, keiner von ihnen wollte den Job. Die aktuellen Kandidaten heißen John Pistole, der unter Barack Obama als Sicherheitsexperte gedient hat sowie Christopher Wray, früher im Justizministerium unter George W. Bush aktiv. Noch hat keiner der Beteiligten zu- oder abgesagt.

Offiziell sind die ganzen Personalquerelen kein Problem. "Ich denke, er (Trump, d.Red.) ist recht zufrieden mit der Arbeit seines Teams", sagt Sprecher Sean Spicer. Was ihn, also den Präsidenten, mehr frustriere, seien die ganzen Enten und Falschmeldungen, die angeblich aus dem Weißen Haus kämen. "Wenn Geschichten die Runde machen, die völlig falsch sind und jeglicher Grundlage entbehren, dann ist das ein Problem", so Spicer. Am Donnerstagabend wird Donald Trump übrigens bekannt geben, ob die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausscheiden werden. US-Medien sind sich schon seit zwei Tagen sicher, dass dies geschehen wird. Das wiederum würde gleich die nächste Personalie, wenn auch nur eine symbolische, nach sich ziehen. Tesla-Chef Elon Musk hat bereits angekündigt, dass er Falle eines Ausstiegs das Beratergremien der Regierung verlassen werde. 


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